Fußballspiele sind heute weit mehr Stimmbänder- als Leibesübung, weit mehr Zirkus als Sport: Unten in der Arena kämpfen die Gladiatoren – weniger blutig, aber nicht minder ernsthaft als ihre Vorläufer im alten Rom, und das weite Rund der Arena füllen aufgeregte, hingerissene Zuschauermengen. Aber Fußball ist nicht nur kein Sport, es ist auch kein Spiel mehr. Es ist – für Millionen von Menschen – bitterer, ja „heiliger“ Ernst! Es stört sie nicht mehr, wem ein Ansager mit verzückter Stimme ins Mikrophon ruft, die Mannschaft X „hat ihr Heiligtum (gemeint ist das Fußballtor) rein gehalten“ oder der Ball sei im „Heiligtum“ der Mannschaft Y gelandet.

„... und die Menschen tanzten um einen ledernen Ball, steckten Pfosten in die Erde und nannten sie Heiligtum“, so wird es vielleicht einmal in einer Chronik über unser Zeitalter heißen. Aber noch können wir wenigstens diesem Unfug Einhalt gebieten. Noch werden auch die Herren Fußballreporter einsehen, daß die Bezeichnung eines Fußballtors als „Heiligtum“ ein klares „Abseits“ ist, das man, wo immer es vorkommt, am Mikrophon oder im Sportteil einer Zeitung, in einen „Elf-Meter“ verwandeln sollte, mitten hinein in den Mißbrauch von Begriffen, die nun einmal nicht auf das Fußballfeld gehören. -ll