Mit einem guten Auftragsbestand kommen die Hersteller des Dampf- und Wasserkraftmaschinenbaues nach Hannover. Nach Mitteilung der Fachgemeinschaft Kraftmaschinen im Verein Deutscher Maschinenbau-Anstalten (VDMA) ist der Absatz von Kleindampf-Turbinen und Dampfmaschinen für neun bis zwölf Monate gesichert. Bei Großdampfturbinen, Wasserturbinen und Kolbendampfmaschinen liegen Auftragsbestände für zwei Jahre und mehr vor. Kein Wunder also, daß der Beschäftigungsgrad bei allen Werken als gut bezeichnet wird.

Diesmal stehen im Mittelpunkt der Kraftmaschinen die Dampfmaschinen, im letzten Jahr war es der Verbrennungsmotorenbau. Die Fachgemeinschaft Kraftmaschinenbau hat vor einiger Zeit diese Aufteilung beschlossen, so daß in jedem Jahr nur ein Teil von Ausstellern dieser Gruppe auf der Messe erscheint. Während im letzten Jahr in Hannover praktisch der gesamte Verbrennungsmotorenbau der Bundesrepublik und von Westberlin vertreten war, wird diesmal die Messe einen guten Überblick über die Leistungsfähigkeit des Dampf- und Wasserkraftmaschinen- und des Dampfkesselbaues Westdeutschlands geben.

Bei den Energieerzeugungswerken zeichnet sich die Tendenz zu immer größeren Leistungseinheiten ab. Einige bekannte deutsche Hersteller von Großturbinen werden im Rahmen der Gruppenschau Modelle von Großturbinenanlagen zeigen, die in der letzten Zeit ausgeführt worden sind. Andere Firmen stellen sich mit Bauprogrammen vor, die im wesentlichen Kondensationsturbinen umfassen, die vornehmlich für Industriekraftwerke mittlerer Leistung bestimmt sind.

Im Zuge der rationellen Energieversorgung haben sich sowohl Kleinturbinen als auch Kolbendampfmaschinen im Gegendruckbetrieb in den letzten Jahren nicht nur gut gehalten, sondern auch recht gut durchgesetzt. Auch die stehende schnellaufende Kolbendampfmaschine ist seit einigen Jahrzehnten im Vordringen. Die Kesseldampfmaschine befaßt sich dagegen immer mehr mit dem Gebiet der niederen Drücke und Temperatur. Um auch geringe Brennstoffe zu verwerten, wurden spezielle Feuerungseinrichtungen entwickelt. Fachleute glauben aus der Entwicklung des Absatzes zu erkennen, daß für den Einsatz von Kesseldampfmaschinen vornehmlich Entwicklungsländer in Frage kommen, in denen häufig Agrarabfälle, wie Reishülsen, Reisstroh, Kaffeeschalen, Kokosschalen, Bagasse und andere billige Brennstoffe reich zur Verfügung stehen. Ein Merkmal dieser Dampfmaschinenart ist, daß bei voller Ausnutzung der Maschinenleistung der Abdampf fast restlos für Fabrikationszwecke zur Verfügung steht. Von dem zur Verheizung kommenden Brennstoff können also nicht mehr als etwa zehn Prozent der gesamten Brennstoffkosten für die Krafterzeugung angerechnet werden. Bei voller Abdampfausnutzung ist der Brennstoffpreis für die Energieerzeugung daher von untergeordneter Bedeutung.

Über die Entwicklung im gesamten Kraftmaschinenbau ist zu sagen, daß sich die Produktionssteigerung etwas verlangsamt. Immerhin ist der Produktionswert für Kraftmaschinen (einschl. Zubehör, Ersatzteile, Reparaturen und Montagen) von 1955 auf 1956 um etwa 9 v. H. auf 1 Mrd. DM angewachsen. Dabei handelt es sich nur um Kraftmaschinen als Antriebsmaschinen, ohne Kupplung mit Arbeitsmaschinen irgendwelcher Art. – Auf den Dampf- und Wasserkraftmaschinenbau entfallen hiervon etwa 25 v. H., also rund 250 Mill. DM, wiederum nur auf die Antriebsmaschinen allein bezogen. Wie von der Fachgemeinschaft Kraftmaschinen ergänzend mitgeteilt wird, sind in diesen Produktionswerten irgendwelche Preiserhöhungen als Auswirkungen von Preiserhöhungen von Kohle, Stahl und Eisen im Herbst letzten Jahres noch nicht enthalten. –g