DIE ZEIT

Nach dem Göttinger Appell

Das Gespräch des Bundeskanzlers mit den Atomwissenschaftlern hat zwar die unfreundliche Atmosphäre gereinigt, die durch die erste heftige Kritik des Kanzlers an dem Göttinger Kommunique entstanden war, aber in der Sache selbst hat keiner der beiden Partner seinen Standpunkt geändert.

„Heiliger“ Fußball

Fußballspiele sind heute weit mehr Stimmbänder- als Leibesübung, weit mehr Zirkus als Sport: Unten in der Arena kämpfen die Gladiatoren – weniger blutig, aber nicht minder ernsthaft als ihre Vorläufer im alten Rom, und das weite Rund der Arena füllen aufgeregte, hingerissene Zuschauermengen.

Keine Angst vor Mikojan

Da die Sowjetunion zur Erreichung ihrer wirtschaftlichen Ziele keinen neuen Kalten Krieg brauchen kann, möchte sie wieder bei der Koexistenz-Politik von 1955 anknüpfen.

Demokrat im Walde

Der Mann aus der Lämmerstraat, von dem das norddeutsche Volkslied singt, muß ein Demokrat sein. Denn er „kann maken, wat hei will“.

Regierungsneubildung an der Saar

Erwartungsgemäß, war es dem amtierenden Ministerpräsidenten Hubert Ney nicht gelungen, die von seiner CDU-Fraktion gewünschte Vierer-Koalition zustande zu bringen.

ZEITSPIEGEL

In Karlskrona wird von den schwedischen Behörden ein „fahrbereites, voll ausgestattetes U-Boot“ zum Kauf angeboten, weil es den Erfordernissen des modernen Seekrieges nicht mehr entspreche.

Erst Schicht, dann Hörsaal!

Nach monatelanger propagandistischer Vorbereitung hat die Staatsjugendorganisation der Sowjetzone, die FDJ, jetzt durch ihren Zentralrat den Entwurf eines Hochschulprogramms vorgelegt, der bis Ende Juni „zur Diskussion gestellt“ bleiben soll; bei Beginn des nächsten Studienjahres soll er dann „beschlossen“, das heißt Gesetz werden.

Der Marsch auf Paris fand nicht statt

Indro Montanelli, Korrespondent des Corriere della Sera und ein alter Bekannter der ZEIT-Leser (zuletzt durch seine Berichte aus Ungarn) besucht zur Zeit Algerien.

Rotes Paradox

Die Resultate der Betriebsratswahlen in den Fiat-Werken von Turin stehen in einem eklatanten Gegensatz zu den Ergebnissen der Kommunalwahlen, die in den letzten Wochen in mehreren italienischen Provinzstädten stattgefunden haben.

Tel Aviv wird aktiv

Deutlich spürbar wurden in jüngster Zeit Israels Bemühungen, den wirtschaftlichen und diplomatischen Kontakt zu den afrikanischen und asiatischen Ländern zu verbessern.

Entzweites Pakistan

Von allen in den Jahren nach dem Kriege durch Teilung oder künstliche Grenzziehungen neugeschaffenen Staaten ist Pakistan vielleicht das seltsamste Gebilde: Ein Staat, der aus zwei Teilen besteht, die 1500 km voneinander entfernt liegen – verbunden nur durch ihren Hauptgegner Indien – und die noch nicht einmal über eine gemeinsame Sprache verfügen.

Albert Schweitzers Mahnruf

Am 23. April hielt der große Arzt, Künstler, Menschenfreund und Träger des Friedens-Nobel-Preises, Albert Schweitzer, einen Vortrag über die Bedrohung der Menschheit durch die Radioaktivität infolge der Versuche mit Atombomben.

Das Auto und wir

Das Auto hat seit seiner Erfindung in den neunziger Jahren nicht nur die Umwelt, sondern auch die innere Welt des Menschen verändert.

Flucht in die Kindheit

Die Phantasie ist das Paradies der Kindheit; doch ist dieses seltsame Paradies mehr mit Dämonen, Teufeln und Kobolden als mit Engeln bevölkert, und die Raubtiere unserer Ängste und Begierden zeigen sich nicht lammfromm.

Woraus wird Kunst gemacht?

Ein beliebter Vorwurf gegen die moderne Kunst ist ihre „Sucht zur Theorie“. Der Meister, an dessen Werk die Verstrickung in die Theorie mit Vorliebe belegt wird, ist der holländische Maler Piet Mondrian (1872–1944).

Erlösung durch Leiden

Nach der biblischen Zeittafel geschah in den vorchristlichen Jahren 597 die erste und 586 die zweite „Wegführung nach Babel“ – Wegführung der Bevölkerung Jerusalems nämlich nach der Eroberung der Stadt durch Nebukadnezar.

Keine glückliche Hand

Den Juroren des „Arbeitskreises für Jugendschrifttum“ gegenüber haben wir ein Versprechen einzulösen. Fast auf den Tag genau ist es nämlich ein Jahr her, daß wir ihnen (in der „ZEIT“ vom 26.

Sie frühstückt schon wieder

Manche jungen Mädchen leiden anders als Cecile in Bonjour Tristesse, und manche – junge Mädchen und Kritiker – fanden Bonjour Tristesse ein unmoralisches Buch.

Auch dies war eine Stimme Amerikas

Vielleicht war dieser aphoristische Satz einNekrolog – der kürzeste, der je geschrieben worden ist. Emerson starb im Jahre 1882, fast achtzig Jahre alt, überall in der Welt gefeiert als Denker, als Poet, als „unsere intellektuelle Declaration of Independence“ – wie der angesehenste Richter des Landes, Oliver Wendell Holmes gesagt hat.

Georg Kolbe - zu Recht vergessen?

Seine „Tänzerin“ war das Idol einer Generation, der Jugend nach dem ersten Weltkrieg. Ein Bild süßer und herber Grazie, ein Hauch von Griechentum und ein Hauch von Jugendbewegung, eine Wiederkehr antiker Schönheit in leicht faßlicher und wohl auch gefälliger Form.

Das süße, wilde Tier

In der Aufführung des „Wozzeck“ brummte ein Herr, der in der Pause das Freie suchte, entrüstet seiner Dame zu: „Schweinerei!“ Allerdings, wer Puccinis Luxusmusik meint, wenn er sich Opernliebhaber nennt, dem muß sich angesichts schöpferischer Größe das Fell sträuben.

Gegen die Argumente von gestern

Die seit Monaten nicht mehr verebbende Auseinandersetzung um die Förderung unserer jungen Akademiker hat dieser Tage durch den Streik der rund 30 000 Ingenieur-Studenten des Bundesgebietes und Westberlins einen neuen Akzent bekommen.

Menschen in Mülleimern

Samuel Beckett, der mit seinem „Warten auf Godot“ einen Welterfolg errang, trat vor einigen Tagen in London mit zwei neuen Stücken vor die Öffentlichkeit.

Notizen

Erste Atom-Universität der Welt. Auf den Philippinen wird gegenwärtig von dem in Hollywood lebenden deutschen Architekten Carl H.

Der Vogel Buij

Vor Beginn des ersten Weltkrieges wurde sie die sehr junge Frau eines schon alternden Mannes, der Besitzer von Bergwerken und Industrieanlagen war.

Schleswig-Holstein: Die Tunnelverdrängten

Wo mancher Rendsburger Hausvater heute noch in seinem Garten nach den kleinen Erdhäufchen Ausschau hält, die ihm die ersten Spargel ankündigen, werden in einigen Monaten bedeutend größere Erdhaufen aufgeworfen sein.

Berlin: Trost für Skatspieler

Viel hätte nicht gefehlt, und die Deutschen in der Sowjetzone wären ein Volk von Glücksspielern geworden. Zur rechten Zeit hat jedoch das „Oberste Gericht der Deutschen Demokratischen Republik“ in Ostberlin das Urteil eines Kreisgerichtes aufgehoben.

Bayern: Verkehrschaos auf dem Wasser

Achtung, Motorboote: Vorfahrt beachten! – Nicht rechts überholen! Richtungsänderungen deutlich anzeigen! – Hupverbot auf dem ganzen See!“ Daß solche und ähnliche Wasser-Verkehrsschilder keine gänzlich irrealen Zukunftsvisionen mehr sind, sondern vielleicht schon eines gar nicht mehr fernen Tages Wirklichkeit werden könntei, zeigen die strengen Verkehrsvorschriften, die von den Behörden in diesem Jahr für den Chiemsee erlassen worden sind.

Bevölkerungsdichte der Ostgebiete

Nach Angaben der Warschauer Zeitschrift Miasto Die Stadt) beläuft sich die Bevölkerungsdichte in den polnisch verwalteten deutschen Ostprovinzen gegenwärtig, von einigen stärker besiedelten Zentren abgesehen, auf höchstens 30 Einwohner je qkm, gegenüber 87,2 je qkm vor dem Kriege.

Pommern: Besuch der alten Gräfin

„Freie Erde“ heißt eine Zeitung, die in der vorpommerschen Kleinstadt Anklam erscheint und sich besonders an die Menschen wendet, die dank der Bemühungen der Genossen Ulbricht, Pieck und Grotewohl nach der Vertreibung der „ostelbischen Junker“ jetzt auf „freier Erde“ sitzen.

Thüringen: Verschärfter Kirchenkampf

Die Schwierigkeiten, die der Arbeit der Evangelischen Kirche von den Behörden der Sowjetzone in letzter Zeit bereitet werden, erwecken den Eindruck, die Zustimmung der gesamtdeutschen Synode zum Militärseelsorgevertrag sei den Funktionären der DDR ein willkommener Anlaß gewesen, die Kirche verschärften Belastungen zu unterwerfen.

Mopeds nach Gewicht

Das Wort ist weit ins allgemeine Sprachbewußtsein eingedrungen – nur noch nicht in den Gesetzestext. Der Gesetzgeber nämlich spricht nach wie vor vom „Fahrrad mit Hilfsmotor“.

Flair der blauen Jacken

Das kleine schmucke Städtchen Glückstadt an der Elbe hat seine „Blauen Jungs“ wieder. Im Bootshafen an der Elbe lernen die jungen Matrosen der Bundeswehr, die die Gebäude der alten Marine jetzt übernahm, in kleinen Booten die ersten seemännischen Grundbegriffe: „Rudern – pullen – laß fallen!“ – so klingen dort die Kommandos.

In der ganzen Welt die gleichen Sorgen

Der Kampf der Notenbankpräsidenten gegen die Inflation ist eine weltweite Angelegenheit. Überall sind es die gleichen Gefahren, die der Wirtschaft der freien Welt drohen.

Auf einen Blick...

Die Bemühungen des Bundeswirtschaftsministers, wenigstens im Konsumgüterbereich zu einer Art Preisstillhalte-Abkommen mit den führenden Unternehmen zu gelangen, scheinen nicht ohne Erfolg zu bleiben.

Angebote...

Wer während der „tausend Jahre“ der Hitler-Diktatur darauf angewiesen war, sein Informationsbedürfnis allein aus der zentralgesteuerten Presse zu befriedigen, kam – wenn er recht zu lesen verstand – auf seine Kosten, indem er auf den Textteil verzichtete und dafür den Anzeigenteil studierte.

Fahrt mit Hindernissen

Der zeitgerechten Verwirklichung wirtschaftspolitischer Vorhaben der Bundesregierung stellen sich mehr und stärkere Hindernisse in den Weg, als vor kurzem noch angenommen wurde.

Sicher auf Rheinstahl gebaut...

Das Rheinstahl-Bouquet für die Juni-Hauptversammlungen, über das auf Seite 11 der heutigen Ausgabe berichtet wird, ist ein Spiegelbild, dessen, was eine unternehmerische Idee als reales Ziel in wenigen Jahren zusammenschmieden konnte.

Pfändungsgrenze nicht zu stark aufstocken!

Der Gläubiger einer durch Urteil zuerkannten Geldforderung will möglichst schnell zu seinem Geld kommen. Zahlt der Schuldner nicht gutwillig, so läßt der Gläubiger pfänden.

Warum etwas verschenken?

In Nr. 14 der ZEIT wird (in dem Aufsatz „Die Zollsenkung kommt“) der Standpunkt vertreten, die Zollsenkung müsse kommen, weil wir uns vor dem Ministerrat der OEEC bereit erklärt hätten, eine fühlbare Zollsenkung zu gewähren, damit den Waren unserer Schuldner ein leichterer Zugang verschafft würde und damit die Zahlungsposition unserer Schuldner eine Entlastung erführe.

Jute-Bremen voll beschäftigt

Die HV der Jute-Spinnerei und Weberei Bremen in Bremen beschloß, aus dem Gewinn des Geschäftsjahres 1956 wieder 7 v. H. Dividende auszuschütten.

Freudiges Ereignis bei Rheinstahl

Es war ein richtiges Ostergeschenk, das die Rheinstahl-Verwaltung nicht nur für ihre über 85 000 Belegschaftsmitglieder bereitgehalten hatte, als die weitere Neuorganisation des Konzerns bekannt wurde.

Die „milde Verzahnung“

Während die Hauptversammlungen der Commerzbank-Bankverein AG, Düsseldorf, und der Commerz- und Credit-Bank AG, Frankfurt (Main), ihre Beschlüsse einstimmig faßten und sich damit für den Weg, den die Commerzbank-Gruppe künftig gehen will, ohne Widerspruch einverstanden erklärten, meldete bei der Commerz- und Disconto-Bank AG, Hamburg, ein Aktionär erhebliche Bedenken gegen die Form der weiteren Zusammenarbeit an.

Auszahlungen stiegen

Die Bilanzsumme der Süddeutsche Bodencredit bank, München, ist 1956 weiter auf 441 (355) Mill. DM gestiegen und hat damit ungefähr wieder den Vorkriegsstand erreicht.

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