Den Juroren des „Arbeitskreises für Jugendschrifttum“ gegenüber haben wir ein Versprechen einzulösen. Fast auf den Tag genau ist es nämlich ein Jahr her, daß wir ihnen (in der „ZEIT“ vom 26. April 1956) anläßlich der Verleihung des – mit 3000 Mark dotierten – „Jugendbuchpreises 1955“ versicherten, wir würden ihnen bei ihrer Arbeit auch künftig auf die Finger sehen, im Interesse unserer Kinder und – unserer Steuergelder.

Wieder steht nun eine Jugendbuchwoche unmittelbar bevor, wieder hat dieses „zuständige Gremium“ (bestehend aus Bibliothekaren zumeist und Pädagogen) einen „Deutschen Jugendbuchpreis“ verliehen und wieder läßt sich sehr bezweifeln, ob die Juroren dabei mit glücklicher Hand zu Werke gingen. Preisträger ist diesmal ein Amerikaner holländischer Abstammung, de Jong mit Namen, und das Buch, für das er ausgezeichnet wurde, trägt den Titel „Das Rad auf der Schule“.

Wir wollen hier die Qualität der Schrift nicht untersuchen, wollen nicht fragen, ob diese herzige Geschichte aus einem kleinen Dorf an der niederländischen Nordseeküste außer einer sehr deutlichen pädagogischen Tendenz noch andere Vorzüge aufzuweisen hat, die eine solch ehrenvolle Prämiierung rechtfertigen. Wir fragen uns nur – und niemand wird uns dabei hoffentlich jugendbuchpatriotische Gefühle unterstellen –, warum der Arbeitskreis, der sich doch unmißverständlich als deutsche Gruppe des „Internationalen Kuratoriums für Jugendbücher“ ausgibt, nicht auch einen deutschen Jugendbuchautoren auszeichnen und damit zugleich (worauf es doch eigentlich ankommt) fördern konnte? Warum zum Beispiel gab man den Preis nicht an Henry Winterfeld, der so entzückende Bücher schrieb wie „Cajus ist ein Dummkopf“ und „Kommt ein Mädchen geflogen“?

Wer so fragt, erhält nun allerdings eine erstaunliche Antwort: Winterfelds Bücher waren der Jury vom Verlag nicht eingesandt worden, und was nicht eingesandt wurde, wird auch nicht prämiiert. So also ist das: Bestes Jugendbuch wird hier genannt, was in Wahrheit nur – nach dem Urteil der Jury – an der Spitze der (mehr oder minder zufällig) eingesandten Schriften steht.

Es hilft nichts: wir müssen unser Versprechen verlängern und den Juroren auch weiterhin solange argwöhnisch auf die Finger sehen, bis sie deutlich gezeigt haben, was sie eigentlich wollen: den Weg des geringsten Widerstandes gehen oder das deutsche Jugendschrifttum (bei dem nun allerdings wirklich nicht alles zum Besten steht) sorgsam fördern. h.g.