Für die über 1200 Aussteller der Industriegruppe Maschinenbau dürfte die große Messe in Hannover zu einem wichtigen Konjunkturtest werden. Unter demEinfluß der investitionsdämpfenden Maßnahmen, die insbesondere von der Bank deutscher Länder eingeleitet wurden, hat sich das Auslandgeschäft im Maschinenbau im vergangenen Jahre besser entwickelt als der Inlandabsatz. Im Laufe des Jahres 1956 hat sich im Verhältnis beider Absatzrichtungen eine Umkehr vollzögen. (Das bezieht sich allerdings nicht auf das absolute Verhältnis von Innenabsatz und Auslandgeschäft, sondern nur auf die Zuwachsraten.) Insgesamt betrug der 1956 im westdeutschen Maschinenbau erzielte Umsatzwert (einschl. Westberlin) 17,5 Mrd. DM. Davon gingen 5,87 Mrd. DM in den Export. Die Steigerung des Gesamtumsatz wertes gegenüber 1955 betrug 13 v. H. Nach Mitteilung des Vereins Deutscher Maschinenbau-Anstalten (VDMA) blieb aber der Auftragseingang aus dem Inland, für das ganze Jahr 1956 gerechnet, um 5 v. H. unter dem Inlandauftragsvolumen für 1955. Dagegen gingen die Auslandabschlüsse um über ein Viertel über den entsprechenden Vorjahreswert hinaus. Der VDMA meint, offenbar habe die durch die Investitionshemmungen verursachte Stagnation am Binnenmarkt die Firmen des Maschinenbaus zu verstärkter Pflege des Exportgeschäfts gezwungen.

Nun sieht es so aus, als ob sich die Situation auf dem Binnenmarkt wieder auflockere. Seit November letzten Jahres läßt sich eine solche Tendenz erkennen. Der VDMA glaubt jedoch, daß diese neuen Impulse im Inlandgeschäft noch nicht ausreichten, um von einer durchschlagenden Erholung sprechen zu können. Um so gespannter sieht man der Messe entgegen, ob sich hier deutlichere Erfolgsmerkmale feststellen werden lassen. Die Hoffnung hierauf gründet sich vor allem auf den Zwang vieler Fabriken, weiter zu rationalisieren. Der erhöhte Lohn- und Materialkostendruck wird sicherlich viele deutsche Produktionsstätten veranlassen, noch mehr in die Mechanisierung und Automatisierung auszuweichen. Erschwerend werden sich vielleicht die inzwischen erhöhten Maschinenpreise bemerkbar machen. Die Maschinenbauer sagen, daß die mit der Arbeitszeitverkürzung verbundenen Lohnkostenerhöhungen die „Kostenstruktur des Maschinenbaues stark berührt“ hätten. Da sich gleichzeitig auch die Materialkosten verteuerten, sei eine Erhöhung der Maschinenpreise unvermeidbar gewesen, besonders in solchen Fachzweigen, deren Fertigung vorwiegend individuellen Charakter habe. Die Käufer werden damit getröstet, daß, insgesamt gesehen, die Maschinenpreiserhöhungen „erheblich hinter den tatsächlich eingetretenen Kostenerhöhungen“ zurückgeblieben seien. Von entscheidendem Einfluß sei dabei auch der anhaltend scharfe preisliche Wettbewerb in allen Zweigen des Maschinenbaues gewesen.

Bei Betrachtung der zweifellos günstigen Exportentwicklung – in der Reihenfolge der wichtigsten Maschinenexportländer rückte die Bundesrepublik auf den zweiten Platz zwischen den USA und England auf – wird man die Frage stellen müssen, unter welchen Konditionen dieser Vorteil erkauft wurde. Schon in den Vorjahren war auf der Messe die Klage zu hören, daß von nicht wenigen ausländischen Interessenten immer längere Zahlungsfristen verlangt würden. Unsere Frage erscheint besonders wichtig im Zusammenhang mit der Erhöhung des auf den asiatischen Markt entfallenden Anteils der westdeutschen Maschinenausfuhr von 10,8 auf 11,9 v. H. Erfreulich und bemerkenswert ist die Steigerung des auf den nordamerikanischen Markt entfallenden Anteils von 4,8 auf 5,7 v. H. Das zähe und systematische Bemühen auf diesem in mancher Beziehung schwierigen Markt hat also offensichtlich Erfolg gehabt. Der Rückgang des Anteils der lateinamerikanischen Länder von 11,1 auf 9,4 v. H. dürfte wohl vorwiegend auf die Schrumpfung des Brasiliengeschäftes zurückzuführen sein. Einigen Erfolg scheinen die auch von Hannover forcierten Gespräche mit Ostblockländern zu haben; denn die Maschinenausfuhr in diese Länder erhöhte sich von 0,8 auf 1,3 v. H. Man muß jedoch daran erinnern, daß diese Ländergruppe vor dem Kriege mit 21 H. für den Maschinenbau eine sehr viel größere Marktbedeutung hatte. Insgesamt steht bei dieser regionalen Aufgliederung des Maschinenexports als bei weitem wichtigstes Absatzgebiet Westeuropa im Vordergrund.

Mit über 180 Ausstellern werden die Holzbearbeitungsmaschinen auf der Messe im Rahmen der Gruppe Maschinenbau wieder den ersten Platz einnehmen. Wohl auf keinem anderen europäischen Messeplatz dürfte man ein so umfassendes Angebot an Holzbearbeitungsmaschinen vorfinden.. Wie im Vorjahre, werden auch diesmal wieder Neuheiten erwartet. Allgemein herrscht die Tendenz, Leistung und Qualität zu erhöhen, die Sicherheit zu vergrößern und die Bedienung zu erleichtern. Daneben sind Bestrebungen zu erkennen, eine übermäßige Geräuschentwicklung einzudämmen.

Mit fast 150 Ausstellern bilden die Textilmaschinen auf der Messe die nächste große Gruppe. Zu den deutschen Firmen gesellen sich u.a. solche aus Belgien, England, Frankreich, Holland, Italien und der Schweiz. Da es sich sowohl bei den deutschen als auch den ausländischen Ausstellern um die größten und bekanntesten Werke handelt, dürfte damit ein genauer Überblick über den Stand der Entwicklung in der Textilmaschinenindustrie gewährleistet sein. Der deutsche Textilmaschinenbau ist besonders exportorientiert.

Mit einem stattlichen Angebot wird auch wieder die Bau- und Baustoffmaschinenindustrie auf der Messe sein. Die Gesamtproduktion der westdeutschen Bau- und Baustoffmaschinenindustrie erhöhte sich von 827 auf 958 Mill. DM 1956. Charakteristisch für die Entwicklung der Konstruktionen ist die Vereinfachung der Bedienung und die Automatisierung der einzelnen Funktionen. Erfreulich ist, daß viele Herstelller jetzt von einer gleichmäßigeren und besseren Auslastung der Kapazität berichten. In den vergangenen Jahren machte sich besonders im Frühjahr und Sommer eine Verlängerung der Lieferfristen für Baumaschinen bemerkbar, die auf eine Anhäufung von öffentlichen Aufträgen für den Hoch-, Erd-, und Straßenbau im Frühjahr zurückgeführt wurde. Es scheint so, als würde nun dank der Einsicht der ausschreibenden Stellen eine gleichmäßigere Verteilung der Aufträge gesichert sein. D.