Wie sehr die Frage, ob die Bundeswehr mit „taktischen“ Atomwaffen ausgerüstet werden soll oder nicht, auch das deutsche Interesse beherrschen mag, so ist sie doch nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Riesenkomplex der Abrüstung. Ein Komplex, in dem sich heute kaum noch ein Sterblicher ohne gründliche Vorstudien und ohne „Lageplan“ zurechtfindet.

Stellen wir uns vor, solch ein Mensch, der es genau wissen will, begäbe sich zum „Weltamt für Abrüstungsfragen“ (eine Behörde, die es nicht gibt, aber vielleicht geben sollte) und fragte den Pförtner: „In welcher Abteilung und in welchem Zimmer wird der Vorschlag der 18 deutschen Professoren, die Bundesrepublik aus dem Atomwettrüsten herauszuhalten, bearbeitet?“

Der Pförtner würde in seinen Listen nachsehen und dann erklären: „Rüstungsbegrenzung, nuklear, taktisch, kontrolliert...“ und dann würde er rückfragen: „Handelt es sich um allseitige, mehrseitige oder zweiseitige Rüstungsabgrenzung? – Einseitige? – Und dann noch von privater Seite und aus einem Land, das nicht der UNO angehört. Tut mir leid, solche Vorschläge bearbeiten wir hier überhaupt nicht.“

Zweiter Besucher: „Ich hätte gern einmal den Stassen-Plan eingesehen.“

Pförtner: „Stassen-Plan, Rüstungsbegrenzung, konventionell und nuklear, praktisch und strategisch, kontrolliert, allseitig ... dritter Stock, Zimmer ... Fragen Sie zur Sicherheit meinen Kollegen dort, wir haben da nämlich auf dem gleichen Stock noch Unterabteilungen für totale und begrenzte Luftinspektion, für die Kontrolle der Herstellung von spaltbarem Material und für die Registrierung fertiger A- und H-Munition.“

Der nächste Besucher erkundigt sich nach dem Sorin-Plan. Pförtner: „Atomwaffenverbot konventionell und nuklear, taktisch und strategisch kontrolliert, allseitig... Die Akte ist gerade in der Abteilung für die sofortige Einstellung von Kernwaffenexperimenten.“

Dem Uneingeweihten mag der Unterschied zwischen den beiden letztgenannten Plänen geringfügig erscheinen, und er wird sich vielleicht wundern, warum Stassen und Sorin und damit Washington und Moskau,’ Westblock und Ostblock sich nicht längst geeinigt haben. Wenn auch nicht gerade über alle Punkte, dann doch wenigstens über einige. Schon ein einziger kleiner Fortschritt würde der Menschheit die Hoffnung wiedergeben, daß man über Abrüstung tatsächlich zum Frieden gelangen kann.