F. O., Tel Aviv, Ende April

Deutlich spürbar wurden in jüngster Zeit Israels Bemühungen, den wirtschaftlichen und diplomatischen Kontakt zu den afrikanischen und asiatischen Ländern zu verbessern. So reiste jetzt eine Gruppe israelischer Ingenieure und Techniker nach Abessinien, um bei der Erschließung des Landes mitzuhelfen. Eine andere Gruppe und zwei landwirtschaftliche Fachleute wurden nach Burma geschickt. Sie sollen dort an Versuchen teilnehmen, auf Reisboden Weizen anzubauen. Demonstrativ hat Israel ferner sein Konsulat in dem neu gegründeten Staat Ghana in Westafrika in den Rang einer Botschaft erhoben.

Der arabische Einfluß auf den afrikanisch-asiatischen Block ist – wie die israelische Regierung glaubt – heute bei weitem nicht mehr so stark wie zur Zeit der Bandung-Konferenz vor zwei Jahren. Damals blieb Israel, trotz seiner geographischen Lage, aus diesem Kreis von Nationen ausgeschlossen. Von Tel Aviv aus gesehen, also unter israelischem Gesichtspunkt, zeichnen sich gegenwärtig vier Gruppen afrikanisch-asiatischer Länder ab:

Da sind zunächst einmal die politisch nach Westen ausgerichteten Staaten Japan, die Philippinen, Thailand, Iran, Süd-Vietnam, die Türkei, Abessinien und die beiden Negerrepubliken Liberia und Ghana. Sie unterhalten im allgemeinen gute, zumindest aber normale Beziehungen zu Israel.

Zweitens gibt es den sogenannten neutralen Block der Länder Indien, Burma, Nepal, Ceylon, Kambodscha und Laos. Sie alle haben Israel zwar anerkannt, doch besteht ein gutes Verhältnis nur zu Burma und Laos, allenfalls noch zu Ceylon und Kambodscha. Daß Israels alter Wunsch nach freundschaftlichen Kontakten mit Indien bislang nicht in Erfüllung ging, führt man in Tel Aviv nicht zuletzt auf die engen Beziehungen zwischen dem ägyptischen Staatschef Nasser und dem indischen Diplomaten Krishna Menon zurück.

Die dritte Gruppe setzt sich zusammen aus den kommunistischen Staaten Asiens, China, Nord-Korea und Nord-Vietnam. Zwar sind schon verschiedentlich Fühler zwischen Peking und Tel Aviv ausgestreckt worden, doch im großen und ganzen segeln diese Länder gegenwärtig im Fahrwasser der unfreundlichen Sowjetpolitik gegenüber Israel.

Den Reigen beschließt eine Gruppe von zehn islamischen Staaten, mit denen bessere Beziehungen anzuknüpfen für Israel ziemlich aussichtslos ist – jedenfalls solange, als noch kein Modus vivendi zwischen den Israelis und ihren arabischen Nachbarn gefunden ist.

So richtet Israel zur Zeit seine Bemühungen vor allem darauf, zu den Staaten der ersten beiden Gruppen ein besseres Verhältnis zu gewinnen. Bei dieser diplomatischen Offensive greift die Regierung in Tel Aviv gern auf dunkelhäutige Israelis zurück, die selbst aus asiatischen oder afrikanischen Ländern stammen. Daß ihre Auswahl nicht sonderlich schwierig ist, wird klar, wenn man bedenkt, daß etwa 600 000 israelische Juden zu dieser Gruppe zu rechnen sind.