DK-Berlin

Viel hätte nicht gefehlt, und die Deutschen in der Sowjetzone wären ein Volk von Glücksspielern geworden. Zur rechten Zeit hat jedoch das „Oberste Gericht der Deutschen Demokratischen Republik“ in Ostberlin das Urteil eines Kreisgerichtes aufgehoben. Es war ein Anti-Skat-Urteil.

Der Angeklagte, der ein leidenschaftlicher Skatspieler ist, hatte sich mit seinen Freunden zweimal die Woche in deren Wohnung getroffen. Im Dezember 1955 verdoppelten sie ihre Einsätze von einen Pfennig. Der Angeklagte verlor seit dieser Zeit sehr hohe Beträge. Da er diesen Verlust nicht mit seinem eigenen Geld tragen konnte, beschloß er. die von ihm in seiner Eigenschaft als Steuervollzieher eingezogenen Geldbeträge zur Deckurg seiner Skatschulden zu verwenden. Schließlich fehlten 1471,35 Mark. Davon hatte der Angeklagte 870 Mark zur Begleichung seiner Spielschulden verwendet.

Soviel hatte er also im Skat verloren. Was aber hatte er mit dem Rest getan? Den Rest, so berichtete der im Skat geschlagene Mann, den Rest habe er auch verloren, jedoch nicht im geliebten Spiel, sondern auf der Straße. Offenbar hatte er unter einem Verlust-Stern gestanden. Das Kreisgericht sah als erwiesen an, daß er lediglich die 870 Mark unterschlagen hatte, da es die Behauptung vom Verlust auf der Straße nicht widerlegen konnte. Strafverschärfend sei in diesem Fall, daß er ein Glücksspiel getrieben habe, nämlich Skat.

Der Präsident des „Obersten Gerichts der Deutschen Demokratischen Republik“ aber, ein Skatspieler auch er möglicherweise, beantragte die Kassation des Urteils. Ein Spiel sei dann als Glücksspiel im Sinne des § 284 a StGB zu beurteilen, wenn der Gewinn überwiegend vom Zufall abhänge. Das „Oberste Gericht der DDR“ entschied: „Beim Skatspiel ist der Gewinn weitgehend auf die Geschicklichkeit des Spielers zurückzuführen; es kann deshalb nicht als Glücksspiel bezeichnet werden. Die Höhe des Einsatzes ist für die Beurteilung, ob ein Glücksspiel vorliegt, nicht maßgebend.“ – Es hob das Urteil auf.

Welch ein Trost für unsere Skatspieler! Die Feststellung, daß einer, der gewinnt, lediglich Glück habe, kommt einer Kränkung gleich. Und wohin sollte es führen, könnte man nicht mehr glauben, einer ausgesprochen geistigen Tätigkeit obzuliegen, wenn man Skat spielt!