In der Ausgabe der ZEIT vom 11. April 1957 haben wir an dieser Stelle die Aufmerksamkeit unserer Leser auf einige Papiere gelenkt, bei denen sich eine überdurchschnittliche Rendite errechnen ließ. Unter den Aktien, die aufgeführt wurden, waren auch Klöckner und Klöckner-Königsborn-Werne. Wir glaubten, diese Papiere als sichere Anlagewerte bezeichnen zu können. Damals ahnten wir jedoch nicht, daß sich die Spekulation kurze Zeit später dieser beiden Papiere annehmen würde. Innerhalb weniger Tage zogen die Kurse dieser Werte um rund zehn Punkte an. Ein „vertraulicher“ Wertpapier-Informationsdienst hatte nämlich eine Dividendenerhöhung von acht auf neun v. H. und ein Bezugsrecht von 5:1 zu 100 v. H. vorausgesagt. Wahrscheinlich ist es noch zu früh, bei Klöckner Spekulationen über die Dividende des laufenden Geschäftsjahres anzustellen. Es geht hier auch nicht um die Frage, ob die Voraussagen Aussichten haben, in Erfüllung zu gehen; uns kommt es vielmehr auf den Hinweis an, daß es bei der Wertpapieranlage möglich ist, das Kursrisiko zu begrenzen (sich von der Rendite her sichern) und gleichzeitig Aussicht auf „außerplanmäßige“ Kursgewinne zu haben. In den Klöckner-Werten war weitgehende Sicherheit enthalten – und zur allgemeinen Überraschung gab es einen hübschen Spekulationsgewinn.

Seit längerer Zeit war bekannt, daß die Rheinstahl-Gruppe einen Wiederzusammenschluß anstrebte. Eine offene Frage blieb jedoch bis zuletzt, unter welchen Bedingungen die Rekonzentration vor sich gehen würde. Offensichtlich haben nur wenige geahnt, daß die Konditionen für den Aktionär so günstig ausfallen würden, wie sie jetzt von der Rheinstahl-Verwaltung vorgeschlagen worden sind. (Darüber berichten wir an anderer Stelle dieser Seite.) In den Börsensälen wurde bis noch vor ganz kurzer Zeit in den Rheinstahl-Papieren vorsichtig disponiert, obwohl man mit einer erfreulichen Überraschung rechnen konnte. Nur wer Mut bewies (oder ungefähr vororiertiert war), hat bei den Rheinstahl-Papieren Spekulationsgewinne buchen können, denn als die endgültige Lösung „amtlich“ bekanntgegeben wurde, war die „Musik“, wie es im Fachjargon heißt, bereits heraus. Wieviel zu verdienen war, zeigen die folgenden Kursbewegungen:

31. 12. 56 1. 3. 57 5. 4. 57 16. 1. 57

Rheinstahl 166 161 174 179

Rheinstahl-Union 156 151 168 175

Rhein.Westf.Eisen 171 166 189 209

Bei Rhein. Westf. Eisen ließen sich also auf eine Aktie von nom. 1000 DM seit dem 1. März rechnerisch 430 DM verdienen. Jetzt bewegen sich die Kurse der Rheinstahl-Gruppe nur noch wenig. Haben sie sich der neuen Lage entsprechend ausgependelt oder stellt die Spekulation nur Gewinne sicher? Gibt es in den drei Papieren noch Kurschancen, die sich rechnerisch begründen lassen?