In Nr. 14 der ZEIT wird (in dem Aufsatz „Die Zollsenkung kommt“) der Standpunkt vertreten, die Zollsenkung müsse kommen, weil wir uns vor dem Ministerrat der OEEC bereit erklärt hätten, eine fühlbare Zollsenkung zu gewähren, damit den Waren unserer Schuldner ein leichterer Zugang verschafft würde und damit die Zahlungsposition unserer Schuldner eine Entlastung erführe.

Es sei daran erinnert, daß bereits eine lineare Zollsenkung vor nicht langer Zeit, d. h. vor etwa einem halben Jahr, eingetreten ist. Sie hat nicht dazu geführt, daß eine Einfuhrsteigerung eintrat und sich dadurch der Ausfuhrüberschuß verringerte. Der Bundeswirtschaftsminister hat in seiner Rede zur Eröffnung der Frankfurter Messe davon auch nicht gesprochen, sondern die inländischen Preise unter Druck setzen wollen. Das hat er ausdrücklich betont und dabei besonders auf Textilien und Schuhe hingewiesen. – Soweit der Tatbestand!

Der Verfasser des erwähnten Aufsatzes aber sieht in einer nochmaligen (linearen) Zollsenkung die Möglichkeit der Einfuhrsteigerung und damit der Verringerung des Ausfuhrüberschusses. In der Theorie hat der Verfasser recht, aber in der Praxis sieht’s anders aus:

1. Für die Waren, die mit Finanzzöllen belegt sind, sorgt der Bundesminister der Finanzen, daß keine Zollsenkung eintritt – so bei Kaffee, Tee, Tabak usw.

2. Für die agrarischen Güter wird der Bundesminister für Landwirtschaft eine Zollsenkung verhindern (so bei Getreide, Gemüse, Obst, Wein usw).

3. Für „Schwergüter“ ist im allgemeinen der Zoll nicht von ausschlaggebender Bedeutung, so z. B. für Baustoffe.

4. Hauptsächlich betroffen von der Zollsenkung würden also die Industrien der leichten Konsumgüter, Textil- und Schuhindustrie. Das hat der Bundeswirtschaftsminister richtig erkannt, aber er hat ausdrücklich betont, daß hier erhöhte Einfuhren nötig seien, um Preissteigerungen zu bekämpfen und der kommenden Konsumwelle eine genügende Gütermenge gegenüberzustellen. Die beteiligten Industrien sind freilich anderer Meinung, und zwar sagen sie,