Wird die kommende Industriemesse in Hannover (28. April bis 7. Mai) wieder eine „Messe der Hochkonjunktur“ werden? Die inländische Investitionstätigkeit hat in verschiedenen Bereichen spürbar nachgelassen. Unter dem Einfluß der Investitionsdämpfung hat sich im vergangenen Jahr das Geschäft im westdeutschen Maschinenbau wesentlich verändert: Das Auslandgeschäft entwickelte sich zügiger als der Inlandabsatz. Während der Inlandabsatz nur um 12 v. H. (gegenüber 28 v. H. von 1954 auf 1955) stieg, nahm der Export um 21 v. H. (gegenüber 12 v. H. von 1954 auf 1955) zu. Die Steigerung des Gesamtumsatzwertes im westdeutschen Maschinenbau um 13 v. H. ist also zu einem großen Teil dem verstärkten Export zuzuschreiben. – Der Auftragseingang im Maschinenbau aus dem Inland blieb, für das ganze Jahr 1956 berechnet, sogar um fünf v. H. unter dem Inlandauftragsvolumen für 1955.

Für den westdeutschen Maschinenbau ergeben sich also zwei wichtige Fragen: Wird die kommende Messe dem Inlandgeschäft so starke Impulse geben, daß von einer durchschlagenden Erholung gesprochen werden kann? Auflockerungstendenzen sind schon seit November letzten Jahres zu erkennen. Die Hoffnung der Produzenten des Maschinenbaues auf eine Verstärkung dieser Tendenz gründen sich vor allem auf den Zwang vieler Produktionsstätten, weiter zu rationalisieren, um den erhöhten Lohn- und Materialkostendruck auszugleichen.

Die Messe dürfte aber auch zu einem Konjunkturtest des Exports werden. Wird die starke Steigerung des Auftragseingangs aus dem Ausland anhalten? Im abgelaufenen Jahr gingen im westdeutschen Maschinenbau die Auslandsabschlüsse um ein Viertel über den entsprechenden Vorjahreswert hinaus. Aber vor allem die mit der Arbeitszeitverkürzung verbundenen Lohnkostenerhöhungen haben auch die Kostenstruktur des Maschinenbaues stark berührt. Wird der Maschinenbau trotz höherer Maschinenpreise im Export die gleiche Chance haben?

Es gibt aber Anzeichen dafür, daß die Aussteller auch die Industriemesse 1957 mit gefüllten Auftragsbüchern verlassen werden. Die Tatsache, daß zum Bespiel die westdeutsche Kunststoff Produktion mit einer anhaltenden Aufwärtsentwicklung ihres Ausstoßes rechnet, wird sich zweifellos auch auf den Bau einschlägiger Maschinen günstig auswirken. Ähnliche Impulse werden auch von dem zunehmenden Fernsehgerätegeschäft ausgehen. Es ist bekannt, daß mehrere deutsche Fernsehgeräte-Hersteller zur Zeit dabei sind, ihre Anlagen zur Produktion von Fernsehgeräten erheblich zu erweitern. – Der Maschinenbau kann also nicht nur mit Rationalisierungsmaßnahmen in vielen Produktionsstätten rechnen, sondern verschiedentlich auch noch mit echten Kapazitätsausweitungen.

Die Aussteller der Konsumgüterbranchen werden sicherlich mit einem ungetrübten Optimismus in das diesjährige Messegeschäft gehen. Jedenfalls soweit es den Inlandabsatz angeht. Man ist gespannt, in welcher Weise sich der neue Konsumstoß bemerkbar machen wird. Beim Export kann aber, vor allem in den Sparten Porzellan, Steingut und Feinsteinzeug, der zunehmende Konkurrenzdruck von Japan, der Tschechoslowakei und der sowjetisch besetzten Zone nicht übersehen werden. Und unsere Silberwaren-Ausfuhr leidet noch immer unter den hemmenden Einfuhrschwierigkeiten mancher Länder.

Als positive Komponente der kommenden Messe wird die erwartete Auflockerung des Handels mit den Ostblockländern gewertet werden müssen. Das gerade auf der Messe durch zahlreiche Delegationen wieder sichtbare Interesse dieser Länder am Handel mit der Bundesrepublik bietet jedenfalls keine schlechten Aussichten für ein gutes Messegeschäft.