Adenauer an Bulganin: Adenauer beantwortete den letzten Brief Bulganinis und erinnerte diesen nochmals an seinVersprechen von 1955, die Heimkehr aller Deutschen aus der Sowjetunion zu gestatten, sowie an die Unhaltbarkeit der „These von der Existenz zweier deutscher Staaten“. Gleichzeitig erklärte sich die Bundesregierung bereit, eine Handelsdelegation nach Moskau zu schicken. Verhandlungen über die Erweiterung des deutsch-sowjetischen Handels und eventuell über ein Konsularabkommen können schon im Mai beginnen.

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Abrüstungshoffnungen: Der amerikanische Abrüstungsdelegierte Stassen flog über Ostern nach den USA und erklärte dort, die gegenwärtigen Verhandlungen auf der Londoner Abrüstungskonferenz seien „die ernsthaftesten Erwägungen über eine Verminderung und Kontrolle der Rüstung, die in diesem Gremium (der Abrüstungskonferenz) jemals stattgefunden haben.“ Stassen besuchte Eisenhower in dessen Urlaubsort Augusta (Georgia), um von ihm neue Weisungen zu erhalten. Die Einschaltung des Präsidenten bestärkt die Vermutung, daß die Abrüstungsverhandlungen an einem entscheidenden Punkt angelangt sind. – Moskau deutete die Absicht an, seine Atombombenexperimente auch ohne Abkommen mit dem Westen zu unterbrechen, wodurch vor allem England, das seine H-Bombe noch nicht ausprobiert hat, unter Druck gesetzt werden soll.

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Mikojan in Wien: Eine Verbesserung der seit dem Ungarnaufstand gespannten österreichisch-sowjetischen Beziehungen versprechen sich Wien und Moskau von dem Besuch des Ersten Stellvertretenden Ministerpräsidenten undHandelsministers der UdSSR Mikojan in Wien, (Österreich hatte aus seiner Sympathie für die ungarischen Aufständischen kein Hehl gemacht, worin die Sowjetunion einen Mißbrauch der österreichischen Neutralität erblickte). Mikojan ist der erste prominente Sowjetverfreter, der seit dem ungarischen Aufstand einer westlichen Hauptstadt einen Besuch abstattet. Obwohl die ungarischen Ereignisse noch nicht vergessen sind, sprach Bundeskanzler Raab in seiner Osterbotschaft bereits wieder von Österreichs Aufgabe, „zwischen den Weltblöcken im Interesse des Friedens in der Welt und in Europa zu vermitteln“.

Ist Syrien kommunistisch! Krieg und Frieden können davon abhängen, ob Präsident Eisenhower in Syrien ein „kommunistisches Land“ sieht. Dann nämlich wären die USA zum Eingreifen im Nahen Osten auf Grund der Eisenhower-Doktrin zum mindesten moralisch verpflichtet, falls syrische Truppen die jordanische Grenze überschreiten. Der demokratische Senator Fulbright (Mitglied des Auswärtigen Senatsausschusses) verlangte von Eisenhower in dieser Sache eine klare Antwort. Der Oberbefehlshaber der syrischen Armee, General Nisameddin, wies den Vorwurf der Kommunistenfreundschaft Syriens energisch zurück und erklärte, der Kommunismus sei in den arabischen Ländern eine weit geringere Gefahr als beispielsweise in Frankreich. – Die Sowjetunion erneuerte ihre Forderung an die drei westlichen Großmächte, den Nahostkonflikt friedlich und ohne ausländische Einmischung zu lösen. Rascher als erwartet wird also die Eisenhower-Doktrin an der jordanisch-syrischen Grenze auf eine ernste Probe gestellt. Die „Iswestija“ bezeichnete die Eisenhower-Doktrin als Plan die Nationen des Nahen Ostens in „gefährliche militärische Abenteuer“ hineinzuziehen.

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