W. D., Stettin

Polnische Städtebauer planen, über das große Haff einen Deich zu bauen, der Stettin mit Swinemünde verbinden soll. Der Deich würde ungefähr bei Neuwarp beginnen und den südlichsten Punkt der Insel Usedom bei der alten Kaiserfahrt erreichen. Man rechnet mit einer Gesamtlänge des Dammes von neun Kilometern. Auf dem hoch aufzuschüttenden Deich sollen eine Autostraße und eine eingleisige Eisenbahnstrecke angelegt werden.

Die Polen erklären, daß durch den Bau eines solchen Deiches die Strecke von Stettin nach Swinemünde auf rund 100 Kilometer verkürzt werden kann. Zur Zeit ist diese Strecke 215 Kilometer lang, weil die Fahrtroute am Ostufer des Haffs und über „die Insel Wollin verläuft. Ein endgültiger Beschluß über das Projekt wurde bisher noch nicht gefaßt.

In der Woiwodschaftsregierung ist man der Meinung, die Zeit für die Ausführung sei noch nicht gekommen, weil es für die nächsten Jahre dringendere Probleme gebe. Auch auf die großen Schwierigkeiten beim Dammbau wird hingewiesen. Ungelöst sei die Frage, woher man die Arbeitskräfte, die Gelder und die Baumaschinen nehmen solle. Zur Zeit verfüge man auch nicht über technische Anlagen, mit denen ein solcher Dammbau ausgeführt werden könne.

Bedenken wurden inzwischen auch von den Fischereikombinaten erhoben. Sie befürchten, der Deich würde Schwierigkeiten für die Haff-Fischerei mit sich bringen.

Und schließlich verweisen Völkerrechtler auf die durch das Haff führende Demarkationslinie zwischen dem polnischen Verwaltungsgebiet und der Sowjetzone. Der geplante Deich würde nur etwa zweihundert Meter östlich der jetzigen Wassergrenze verlaufen. Die Städtebauer wollen jedoch Pankow vorschlagen, den Damm als Grenze anzusehen und ihn auch von ostzonalen Fahrzeugen und Zügen benutzen zu lassen. Dadurch könnten die DDR-Seebäder Ahlbeck, Heringsdorf, Bansin, von Berlin aus schneller und bequemer erreicht werden. Als Ausgleich soll die Ostberliner Regierung aufgefordert werden, sich beim Dammbau zu beteiligen.