DIE ZEIT

„Unparteilich“ zieht nicht mehr

Diesmal waren es nur wenige in Österreich, die die einlaufenden Resultate der Wahl des Bundespräsidenten bis zum Schluß am Radio verfolgten.

Spätzünder aus Washington

Während 481 Delegierte der CDU/CSU-Partei am Montag in Hamburg der großen, wohlvorbereiteten Rede Brentanos über die, Stetigkeit der deutschen Außenpolitik lauschten, lagen vor ihnen die Tageszeitungen, die Überschriften trugen, wie: "Eisenhower ändert den Kurs", "Kehrtwendung der USA-Politik", "Entspannung auf Kosten Deutschlands".

Suez-Rebellen: ... da waren’s nur noch acht

Als Expremierminister Anthony Eden das Unternehmen Suez abbrechen ließ, rebellierten 80 konservative Abgeordnete. Als sich herausstellte, daß Premierminister Harold Macmillan die Suezpolitik zwar nicht expressis verbis für dumm hielt, aber doch diese Politik fortzusetzen nicht gewillt war, drohten 30 konservative Abgeordnete mit Rebellion.

Im Atomdunst

Das Manifest der Achtzehn“ hat zweierlei Früchte getragen: gute und ungute. Soweit die deutschen Kernphysiker, denen niemand die Tugenden hohen Verantwortungsgefühles und demokratischen Freimuts absprechen kann, dafür sorgten, daß die Gefahr des Umgangs mit Atomwaffen ins allgemeine Bewußtsein gerückt wurde, war ihre Aktion von Nutzen.

Sie sprechen eine Woche lang vom "Führer"

Am ersten Tage des "Röhm-Prozesses" scheint es, daß Sepp Dietrich und Michael Lippert die Hauptpersonen sind. Die Photographen umringen sie, und die Angeklagten lächeln.

ZEITSPIEGEL

Die britische Wochenschrift New Statesman and Nation hat vorgeschlagen, der britische Außenminister solle alle sechs Monate nach Berlin fahren, um daran erinnert zu werden, daß man es den europäischen Problemen nicht überlassen kann, sich seiber zu lösen.

Ein Freund der Deutschen

Auf dem Rückweg von Teheran hatte der Bundeskanzler vor kurzem eine Besprechung mit dem türkischen Ministerpräsidenten Adnan Menderes in Istanbul, und nun ist der Bundespräsident Gast der türkischen Regierung.

Diskussion um Dudinzew

Am Freitag, dem 17. Mai 1957, um 20 Uhr, findet im großen Vortragssaal der Hamburger Kunsthalle (Neubau) eine öffentliche Diskussion über den Roman des russischen Autors Wladimir Dudinzew „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ statt.

Kaisen-Anekdoten

Paris! Sommer 1951. Hochkommissar Francois-Ponçet hatte Kaisen nach Paris eingeladen. Beim Abendessen in einem eleganten Pariser Restaurant erschien die Mehrzahl der französischen Gastgeber mit dem roten Bändchen der Ehrenlegion im Knopfloch.

Der Präsident ohne Frack

Am 22.Mai wird Wilhelm Kaisen, Präsident des Senats der Hansestadt Bremen, siebzig Jahre alt. Grund genug, diesen beispielhaften Bürgermeister endlich einmal zu feiern.

„Gewissen und Verantwortung im Atomzeitalter“

Daß im Mittelpunkt eines Parteitages nicht die programmatische Rede eines Parteimannes, sondern das Grundsatzreferat eines Theologieprofessors steht, ist wohl nicht nur ungewöhnlich, sondern auch bedeutungsvoll.

85000 Deutsche

Im September 1955 hatte Ministerpräsident Bulganin dem Bundeskanzler die Rücksendung jedes sich unfreiwillig in der Sowjetunion aufhaltenden Deutschen, zugesagt.

Zwei neue Botschafter in Rom

Zwei Botschafterposten werden soeben neu besetzt. Beide in Rom. Bei einem von ihnen war die Erneuerung längst überfällig und von dem anderen gilt das Fiesko-Wort: „Wenn der Mantel fällt, muß der Herzog nach.

An Donau und Wolga

Cruschtschow hat zwar allem Anschein nach die persönlichen Folgen des Scheiterns seiner Politik der Freundschaft mit Tito überwunden, und sein Stern strahlt zur Zeit in Moskau heller denn je, aber die Hoffnungen des Kreml auf ein Wiedereinschwenken Belgrads in die von Moskau kommandierte sozialistische Einheitsfront haben sich nicht erfüllt.

Die italienische Regierungskrise

Saragats Blitzentscheidung, aus der Regierung auszutreten und damit das siebzehnte nachfaschistische Kabinett zu stürzen, fiel ausgerechnet zusammen mit einem von Linkselementen innerhalb der Regierungskoalition geführten Feldzug gegen die streng europäische Außenpolitik Martinos und erregte daher ungewollt – vor allem in Paris und London – Mißtrauen.

Ostberliner Studenten rebellieren

Wenn man von der Straße Unter den Linden kommend, die kühlen, stillen Gebäude der Ostberliner Humboldt-Universität betritt, dann fällt einem zunächst das weithin sichtbar angebrachte Marx-Wort ins Auge: „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, an uns ist es, sie zu verändern.

Volksdemokratischer Dreiklang

Während im Deutschen Bundestag die apokalyptischenVisionen atomarer Vernichtung in ernster Debatte beschworen wurden, versammelte sich in Ostberlin ein Triumvirat volksdemokratischer Parlamentspräsidenten, um jene Diskussion mit kräftigen propagandistischen Fanfarenstößen zu begleiten.

Kardinal Wyszynskis Mission

Kardinal Stefan Wyszynski ist nach Rom gekommen, so heißt es, um den roten Hut, die älteste Insignie der Kardinalswürde, über vier Jahre nach seiner Ernennung zum Kirchenfürsten aus der Hand des Papstes zu empfangen und die religiöse Situation in Polen in allen Einzelheiten darzulegen.

Ein neues Haus für Europa

Vielleicht war es ein Fehler, daß man nicht von Anfang an alle europäischen Organe an ein und denselben Ort gelegt hat. Die europäische Idee hätte auf diese Weise ein deutliches sichtbares Zuhause, ein „Mekka“ erhalten, und die Menschen, welche die Integrationsmaschine in Gang halten, sei es auf wirtschaftlichem, kulturellem, politischem oder militärischem Gebiet, wären näher zusammengerückt.

Erikson im „Zillertal“

Für alle Dänen, Schweden und Norweger ist die alte Hansestadt Hamburg der Inbegriff der Lebensfreude, und die Pensionen und Hotels rund um den Hauptbahnhof sind während der Reisesaison zumeist von nordischen Reisegesellschaften belegt.

Weisheitsfreundlich oder sensationslüstern?

Gewiß sind überfüllte Philosophievorlesungen ein Zeichen der Zeit. Wenn Bertrand Russell in Cambridge sprach oder Jean-Paul Sartre in Paris oder Karl Jaspers in Heidelberg, darin konnten sie mit Scharen erwartungsvoller Hörer rechnen, die eine solche Möglichkeit nicht ungenutzt vorbeigehen lassen wollten, Antworten zu finden auf die Fragwürdigkeiten unserer Zeit.

Baden-Württemberg: Chefarzt unter Anklage

Ich bin unschuldig und werde mein Recht bis zum letzten wahrnehmen“, knurrte der Mann im dunklen Schneideranzug, als zwei Polizisten auf die Anklagebank zutraten, um ihn abzuführen.

Der Broadway zieht nach

Walter Slezak, des unvergessenen Leo Slezak amerika-populärer Sohn, ist, sagt die New Yorker Kritik, von „gigantischem Umfang“, auch des Humors, der satten, üppigen, spitzbubenhaften Spielfreude.

Problemschwund?

Wer in diesen Tagen seine Zeitung zur Hand nimmt, um sich, nach der üblichen kurzen Orientierung über politische (oder sportliche, oder wirtschaftliche) Ereignisse nunmehr den Problemen des geistigen Lebens und der Kulturpolitik zuzuwenden, wird die Erfahrung machen, daß in den Spalten des Feuilletonteils ein Thema dominiert: nämlich das Atomgespräch.

Notizen

Museum ohne Räume. Europas größte Sammlung römischer Kleinkunst nördlich der Alpen, die 1946 als „Römisch-Germanisches Museum“ verselbständigte „Römische Abteilung“ des Wallraf-Richartz-Museums in Köln, wird erst im nächsten Jahr einen Teil der notwendigen Ausstellungsräume erhalten, nachdem sie bereits seit elf Jahren in Kisten verpackt ein Wanderdasein von einem Auslagerungsort zum anderen fristet.

Burleske der Korruption

Wenn schon jedes zweite beliebige Dorf heute sein „Festival“ hat – um wieviel mehr darf sich da das Städtchen Schwetzingen den Luxus von Festspielen erlauben, das die dazugehörigen Kräfte aus benachbarten Zentren wie Stuttgart und Frankfurt beziehen kann und ein zauberhaftes Rokokotheater besitzt, dazu die garantierende Protektion eines großen Rundfunksenders (des Süddeutschen) genießt.

Hafis gewann Leben

Das Musée Guimet in Paris zeigt eine Ausstellung iranischer Miniaturen – geliehen von der kaiserlichen Bibliothek und den Museen von Teheran, der Bibliotheque Nationale und dem Louvre, Paris –, mehr als 150 Kunstdokumente vom XIII.

Beim Frühstück

Wie wenn ein schüchternes, zaghaftes Kind die Treppe eines Hauses emporsteigt und endlich an die Tür klopft und eintritt, so langsam wanderte das Weinen durch die noch schlafverdunkelten Labyrinthe der Seele und brach endlich hervor: ein leises, einsames Aufschluchzen zuerst, dem sie noch die Tür zuhielt, und dann ein nicht sehr schmerzendes, unwillig ertragenes Weinen.

Der Ehrenbürger von Arkansas

Die Bürger des amerikanischen Staates Arkankansas haben uns eine Lektion erteilt, indem sie einen deutschen Schriftsteller ehrten: sie beschlossen nämlich, den 1816 zu Hamburg geborenen und 1872 in Braunschweig gestorbenen Friedrich Gerstäcker nachträglich zum Ehrenbürger ihres Landes zu machen.

Die Azteken lebten nicht allein

Die große Ausstellung mexikanischer Kunst, die vor fünf Jahren in Stockholm, Paris und London gezeigt wurde, rückte einen Kulturkreis ins Licht, dessen Bedeutung so mancher von uns nicht recht einzuschätzen vermag.

Hartgesotten muß der Dichter sein

Es ist modern, die letzten Stunden eines Sterbenden zu beschreiben. Das Leben wird dann – Aug’ um Aug’ mit dem Tod – mit einer Intimität gesehen, die dem Schriftsteller Gelegenheit zur dramatischen Zeitraffung, zu kühnen Schnitten gibt, wenn er handwerkliches Geschick besitzt.

Rondo Capriccio vom Menschen

darüber beruhigt, daß humanistische Bildung nicht zu den verstaubten Requisiten antiquierter Kleinstkreise gehört, sondern vielmehr zur Wirksamkeit eines allgemeinen menschlichen Verstehens.

Die Bremsen zogen – aber sie zogen nur auf einem Rad

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat zu seiner für den 16. und 17. Mai nach Frankfurt einberufenen Mitgliederversammlung einen nicht nur umfangreichen, sondern auch inhaltsreichen Jahresbericht vorgelegt.

Nicht aufgepaßt

Wer bisher zuviel Geld verdiente, um im sozialen Wohnungsbau bedacht werden zu können, sollte sich schnellstens überlegen, ob er im Augenblick nicht doch die Möglichkeit hat, mit Staatshilfe zu einer Wohnung zu kommen.

Auf einen Blick...

Daß unsere Hausfrauen auf das Angebot von 15 Mill. Dosen billiger Fleischkonserven aus Beständen der Einfuhr- und Vorratsstelle noch bis Ende Mai warfen müssen, ist eine Schuld der Bürokratie.

Granit...

Von geringen Vorkommen in Baden abgesehen, ist in Westdeutschland Granit nur in Bayern nachweisbar, das sogar als eines der granitreichsten Länder gilt.

Bundesbahn mit neuem Führungsteam

Die Amtszeit des vom Bundespräsidenten im April 1952 berufenen Vorstandes der Deutschen Bundesbahn ist abgelaufen. Er bestand aus dem Ersten Präsidenten Staatssekretär a.

„Muba“ bleibt national

Am 7. Mai schloß die 41. Basler Mustermesse ihre Pforten. 2284 Aussteller breiteten auf einer Fläche von 123 700 qm die schweizerischen Industrie- und Gewerbeerzeugnisse aus.

London ist zuversichtlich

Schatzkanzler Thorneycroft ist ein Mann, der aus politischer Redlichkeit und Vorsicht – manche sagen Ängstlichkeit – wirtschaftliche Experimente verabscheut.

Guter Wille, schwache Polster

Fast zwanzig Monate hat die argentinische Revolutionsregierung mit wechselnden Beteuerungserklärungen vertan, um die seit Jahren bestehenden deutsch-argentinischen Differenzen endgültig zu bereinigen.

Nicht dramatisieren!

Der sozialistische Sieg bei der österreichischen Bundespräsidentenwahl erfährt in wirtschaftlicher Hinsicht Auslegungen, die weit über das Ziel schießen.

Metallhütte Lübeck: 8 v. H.

Die Bilanz für 1955/56 (30.6.) der Metallhütte Lübeck AG, Lübeck-Herrenwyk, kennzeichnet die unvermindert anhaltende Investitionstätigkeit der Gesellschaft, die – zur Flick-Gruppe gehörend – im Juli 1956 eine Schachtelbeteiligung an den Buderus’schen Eisenwerken, Wetzlar, erworben hat.

Das Bier fließt reichlicher

In den ersten Monaten dieses Jahres haben die Brauereien einen beachtlichen Ausstoßzuwachs zu verzeichnen. Das hat seinen Grund nicht nur in der gegenüber dem Vorjahre wärmeren Witterung, sondern vor allem in der gestiegenen Kaufkraft breiter Bevölkerungskreise.

Die neue Ufa läßt sich Zeit

Die aus der Reprivatisierung des ehemals reichseigenen Filmvermögens hervorgegangenen Ufa-Theater AG., Düsseldorf, und Universum-Film AG, Berlin, haben zwar bei der Neugründung das Recht zur Führung des alten Ufa-Rhombus miterworben; sie sind damit aber gleichzeitig aus dem Bereich der „Ufa“-Liquidation ausgeschieden und haben auch die letzten Verbindungen zu der einst ruhmvollen, später zum größten Teil problematischen Vergangenheit der alten Ufa hinter sich gelassen.

Ist die Golddiskontbank steuerpflichtig?

Der jahrelange Streit der freien Aktionäre der Deutschen Golddiskontbank AG, Berlin (Dego) mit der Bundesregierung über die Höhe der Abfindung ist jetzt um eine neue Nuance bereichert worden.

Hoher Anteil der Spareinlagen

Für die Schleswig-Holsteinische Westbank, die jetzt ihren Geschäftsbericht für 1956 veröffentlicht, sind zwar als ein stark im landwirtschaftlichen Bereich wurzelndes Regionalinstitut gewisse Abweichungen von der Geschäftsstruktur anderer Banken keineswegs verwunderlich, dennoch fällt der hohe Spareinlagenanteil von 78,2 Mill.

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