DIE ZEIT

Ramses ist tot

Ramses war nur ein Vogel. Aber er hatte in manchen Dingen ein fast menschliches Urteilsvermögen. Bundespressechef von Eckardt hatte ihn vor Jahren nach Bonn mitgebracht.

Der Kurs der CDU

Die Zuversicht der Christlich-Demokratischen Union, auch den dritten Bundestagswahl-, kampf zu gewinnen, hatte sich bereits vor dem Hamburger Parteitag gefestigt.

Schrecken in Paris

Den Franzosen erging es mit Bulganins Brief an Mollet wie mit einer Bombe, von der sich bei näherer Untersuchung herausstellt, daß sie aus Schokolade besteht.

Atomkrieg überholt?

Der Oberbefehlshaber der NATO-Truppen, General Norstad, ist in keiner beneidensverten Lage. Kaum macht er einen Plan für die Verteidigung Europas und rechnet aus, wieviel Soldaten er dazu braucht, ändert irgendeine Regierung aus finanziellen Gründen ihre Dispositionen und wirft die militärischen Pläne über den Haufen.

Geschäft mit der Angst

Wahlpropaganda scheint nun doch – allen edelmutigen Beteurungen zum Trotz – ein hartes Geschäft zu sein. Wer wüßte nicht in den Reihen der SPD, daß seine Partei ebensowenig wie andere Parteien in der Lage ist, den Atommächten die Bombe aus den Händen zu ringen? Macht nichts! Hart bleiben! Man läßt ein Plakat drucken, den Wahlplakatschlager der Saison: „Schluß mit dem Atom-Wahnsinn! Wählt SPD.

Der Wehrbeauftragte

Der Verteidigungsausschuß des Bundestages will die Wahrung der Grundrechte und die Grundsätze der inneren Führung der Bundeswehr überwachen.

Lichtblick an der Saar

Über zwei Monate dauert nun schon die Regierungskrise an der Saar, doch beginnt sich jetzt ein Ende abzuzeichnen. Der am vergangenen Sonntag einberufene Delegiertentag der Union hat sich nunmehr für die christliche Einheit im Saarland und eine Regierungsneubildung unter Beteiligung der Christlichen Volkspartei ausgesprochen.

ZEITSPIEGEL

Die Gruppe englischer Labour-Abgeordneter und Geistlicher, die unter der Führung von Llywelyn Williams die Sowjetzone bereiste, gab vor Beendigung ihres Besuches eine Erklärung ab, in der sie unter anderem feststellte: „Wir konnten alles sehen, was wir sehen wollten, ohne daß uns irgendwelche Hindernisse in den Weg gelegt wurden.

Behörde im Sitzstreik

An der "Auskunft" des Dortmunder Rathauses stauen sich die Leute. Es ist nur ein Schalter besetzt, und auch von dem kommt immer nur die gleiche Antwort: "Heute ist Sitzstreik! Bitte kommen Sie am Montag wieder.

Ein Muster-Kapitalist

Kein Land der Welt hat in den letzten 20 Jahren sein industrielles Potential in so riesigem Ausmaß steigern können wie die Südafrikanische Union.

Spanische KP kehrt heim

Die im Exil lebenden spanischen Kommunisten haben von ihrer Parteileitung Anweisung erhalten, nach Spanien zurückzukehren, sofern sie, nicht eine führende Rolle im Bürgerkrieg gespielt haben oder von der Polizei gesucht werden.

Aktien für den Meeresgrund

Vor kurzem fand eine wichtige Generalversammlung statt, die wichtigste seit Bestehen der Ärmelkanaltunnelgesellschaft, deren Daseinszweck es ist, unter dem Meeresboden ein Loch graben zu lassen und auf diese Weise England und Frankreich miteinander zu verbinden.

Eine islamische Union

Als im vergangenen November der Staatssekretär im Foreign Office aus Protest gegen die britische Ägypten-Aktion zurücktrat, erschien sein Name in den Schlagzeilen der Weltpresse: Anthony Nutting.

Wer stürzt Mollet?

Eine zuverlässige Faustregel im Dschungel der französischen Politik ist diese: Eine Regierung, die neue Steuern einführen will, unterschreibt ihr Todesurteil.

Das Geheimnis der Popularität

Wie ist es möglich, fragt der englische Journalist Michael Davie, daß Aneurin Bevan, der Führer des radikalen Flügels der Labour Party, wo immer er auftritt, einen Wirbel erzeugt, während sein Parteichef Gaitskell so viele Reden halten, Versammlungen besuchen und Fernsehsendungen bestreiten kann wie er will, ohne daß davon viel Notiz genommen wird.

Patentlösung für Schwesternmangel

In den nächsten Tagen wird dem Bundestag zur zweiten und dritten Lesung der Entwurf eines Krankenpflegegesetzes vorgelegt, das unter anderem jene alte Verordnung von 1938 noch einmal bestätigt, die den Beginn der Krankenschwesternausbildung auf das 18.

Wiener Opernsorgen

Eben erst haben die Wiener mit Kopfschütteln zur Kenntnis genommen, daß Mario del Monaco, als er an ihrer Staatsoper den Othello sang, 36 000 Schilling Abendgage bezog, und sie haben Herbert von Karajan kräftig den Rücken: gesteift, als er ein Meneghini-Callas-Gastspiel für 60 000 Schilling pro Abend ablehnte – da ist schon ein neuer Gagenkrieg am Opernring ausgebrochen.

Die Tochter des Lunaparks

airo ist eine Stadt der Märchen“ – meinte der Dragoman Hassan, während wir am Nilufer saßen und Kaffee tranken – „wenn Sie es nicht glauben wollen, werde ich eine Geschichte erzählen, die kürzlich hier Aufsehen erregte.

Die Großen Hundert

Nehmen wir an, es gäbe auf den verschiedenen Gebieten der Kunst und des Wissens je hundert „Große“, deren Lebensweg zu verfolgen und alle fünf Jahre einmal zu markieren wäre – 50 Jahre alt, 55.

Musikalische Lustbarkeit

Viele Opern werden geschrieben – heute wie immer – und die Bühnenleute klagen über Mangel an zeitgenössischen Werken; nämlich an „brauchbaren“, solchen, die den Spielplan „bereichern“, die sich „lohnen“, die „Kasse machen“.

ZEITMOSAIK

Drei ehemalige Schüler der von dem deutschen Pädagogen Kurt Hahn (Salem) gegründeten schottischen Schule Gordonstoun hatten am Freitag einen der größten Erfolge im BBC-Fernsehen: Fernseh-Regisseur Craxton, Königlicher Privatsekretär James Orr und der Star-Performer des Kinderfunk-Programmes „In vierzig Minuten um die Welt“ Prinz Philipp Herzog von Edinburg.

Neue Theater - für wen?

Theater ist doch eine prickelnde Sache. Dem Film und Fernsehen zum Trotz ereifert sich die Volksseele sogar über die Häuser, in denen Theater gespielt wird.

Antike Geisteswelt

Die in guten Übersetzungen gebotenen Texte, unter denen sich auch weniger Bekanntes und neben rein Philosophischem auch Dichterisches findet, sind nicht chronologisch, sondern thematisch geordnet und verbinden sich dadurch zu geschlossenen Sinnzusammenhängen.

Sowjetmenschen sehen sich selbst

Eine Abendsendung von „Radio DDR“ versprach in den letzten Tagen eine auf dieser Ätherwelle höchst ungewohnte literarische Sensation.

Auf der Suche nach dem alten Europa

Dies ist der Steckbrief unseres Autors: Ulrich Becher, zu Berlin geboren im Jahre 1910, empfindsame Jugend in den „glücklichen zwanziger Jahren“, heiratet eine Tochter Roda-Rodas, emigriert 1938 aus Österreich vor den anrückenden deutschen Truppen erst in die Schweiz, dann nach Brasilien, schließlich 1944 nach New York.

§ 13 Thomas Mann und das Plagiat

Von Thomas Mann wissen wir, daß er sich in die Aventüre der Verfilmung seines letzten, unvollendeten Romans ausdrücklich eingelassen hat.

Von Trensen und Kandaren

„klassischen Rang als Pferdebuch“ zu. Auf weit höherem Niveau als jene Bücher, die irgendeine Evelyn oder Ursula ins Glück oder sonstwo hinreiten lassen, wird hier die Geschichte der kleinen englischen Metzgerstochter Velvet Brown erzählt.

Eine Welt wird getrennt

Nicht nur als hervorragender Journalist ist Felix Morley – vor allem auch den Lesern der ZEIT – bekannt geworden, sondern auch als ein Buchautor von Rang.

Attraktion des Glaubens

In der erzählenden Literatur unserer Tage floriert der religiöse Roman so auffallend, daß man annehmen muß, die Fragen, von denen er lebt, seien doch in weiteren Kreisen aktuell, als man aus den sonstigen Symptomen des heutigen Lebens sich zu schließen getrauen würde.

Sie schrieben für Deutschland

Als das beste Jugendbuch wurde die Erzählung „Faß zu, Toyon!“ des Amerikaners Nicolai Kalashnikoff mit dem „Deutschen Jugendbuchpreis 1957“ ausgezeichnet; den Preis für das beste Kinderbuch bekam der Amerikaner de Jong für „Das Rad auf der Schule“.

Ich-Visionen eines alten Mannes

Man kennt Bernard Berenson als höchste Instanz auf dem Gebiet der mittelalterlichen italienischen Kunst, als Verfasser kritischer Abhandlungen und des fast schon klassischen Werkes über die italienische Renaissance und ihre Maler.

Das Schaf fraß ruhig weiter...

Es war an einem Frühlingsnachmittag gegen sechzehn Uhr. Da radelte in einem Vorort Hamburgs ein vierzehnjähriger Schüler an einer Wiese entlang.

Sachsen: Ein Museum fehlt noch!

Was für den Kunstfreund in der Zone Dresden mit seiner Gemäldegalerie bedeutet, das ist für den SED-Funktionär Leipzig, die Stadt, in der die Geschichte der Arbeiterbewegung museal gepflegt wird.

Die Nackten und die Roten

Seit kurzem bieten die HO-Läden Sachsens ihren Käufern Nackedeis aus rosarotem Porzellan an. Offenbar wurden sie in Hennecke-Schichten hergestellt, so überreich haben die staatlichen Einkäufer ihre Geschäfte damit beglückt.

Baden-Württemberg: Blut spenden, statt vergießen

Ein schwarzer Super-Citroen rollte dieser Tage vor dem Schlagbaum an der deutsch-französischen Grenze bei Lauterburg aus. Ein schlanker Mann winkte aus dem Fenster zu der Gruppe hinüber, die auf der deutschen Seite wartete.

Angestellte: Kurze Entscheidungsfrist

In wenigen Tagen – am 31. Mai 1957 – läuft die Frist ab, die das Angestelltenversicherungs-Neuregelungsgesetz (in § 1 der Übergangsvorschriften) einer bestimmten Personengruppe zur individuellen Regelung ihres Versicherungsverhältnisses einräumt.

Die nächste Etappe

Die bedeutendste Aufgabe der Verbände liegt darin, auf der Grundlage sachlichen Abwägens der verschiedenen Meinungen das, was in ihren Bereichen als wesentlich angesehen wird, festzustellen und zur Geltung zu bringen.

Konjunktur-Käse

Zum Bahnhof rollen wird man den Käse nicht mehr können, man muß ihn tragen. Das holländische Landwirtschaftsministerium hat sich kürzlich bereit erklärt, mit den übrigen Ländern der Internationalen Käsekonvention von Stresa über den wohlbegründeten Wunsch führender Unternehmen des westdeutschen Lebensmitteleinzelhandels zu sprechen, den 48prozentigen Gouda-Käse nicht mehr in runder Leibform, sondern in rechteckiger Quaderform zu liefern.

Industrie-Produktion „leicht belebt“

Das erste Quartal 1957 scheint endlich wieder eine leichte Belebung der industriellen Produktion gebracht zu haben. Die jährliche Zuwachsrate, die im Dezember des Vorjahres mit 3,2 v.

Die Baisse läuft aus

An den Weltrohstoffmärkten hat sich die Preistemperatur in den letzten Monaten merklich abgekühlt. An Stelle von Meinungskäufen und von längerfristigen Käufen an den Hauptwarenterminbörsen ist von Seiten der internationalen Verbraucherkreise ein kurzfristiges Eindecken getreten.

An die falsche Adresse

Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes hat der Öffentlichkeit auf seiner Jahrestagung in Hamburg (16. bis 18. Mai) einen bunten Strauß von Sorgen und Forderungen unterbreitet.

Bis zur VW-Aktie ist noch ein weiter Weg

Zweifellos ist es der CDU mit ihrem Plan, das Volkswagenwerk in Wolfsburg zu privatisieren, und zwar über die Ausgabe sogenannter Volksaktien, sehr ernst.

Auf einen Blick...

Auch in den Staaten scheint sich die Überzeugung durchzusetzen, daß der Amerikabesuch von Bundeskanzler Dr. Adenauer Anlaß sein sollte, neue Bemühungen zur Klärung aller Fragen des von der amerikanischen Regierung im zweiten Weltkrieg beschlagnahmten „Feindvermögens“ anlaufen zu lassen.

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