Mit der in dieser Woche aus der Taufe gehobenen Dresdner Bank AG, Frankfurt/Main, ist die zweite deutsche Großbank wiedererstanden. Der gesunde Kern des nunmehr 85 Jahre alten Unternehmens ist weder durch seine Zerschlagung nach 1945 noch durch die vermeintliche Auflösung im Jahre 1952 zerstört worden; zu jeder Zeit haben sich die zwangsweise getrennten Institute der alten Dresdner Bank als eine Einheit gefühlt und auch danach gehandelt. In der Stunde des Wiederzusammenschlusses sind deshalb auch nicht jene Teile der alten Bank vergessen, die aus politischen Gründen noch nicht wieder „heimkehren“ konnten. Darauf deutet der Satz in der gemeinsamen Erklärung der Vorstände der Nachfolgeinstitute hin, in dem es heißt, daß der jetzige Zusammenschluß die Möglichkeit einer Einbeziehung der – zur Zeit im Status der Abwicklung befindlichen – Altbank, der Dresdner Bank, sowie der 1949 von den damaligen Nachfolgebanken in Berlin gegründeten Tochtergesellschaft, der Bank für Handel und Industrie AG, für die Zukunft offen läßt. Für das weitere Vorgehen wird die künftige politische Entwicklung, insbesondere die Frage der Wiedervereinigung, von wesentlicher Bedeutung sein.

Die schon im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Bilanzen zum Ausdruck gebrachte Beibehaltung der Verwaltungsdezentralisation wurde auf den Hauptversammlungen noch einmal bekräftigt. Eine Zentralisierung der Geschäftsführung nach altem Berliner Schema wird also nicht erfolgen; an den heutigen Verwaltungssitzen der Nachfolgeinstitute – Düsseldorf, Frankfurt und Hamburg – bleiben Hauptverwaltungen bestehen und dort werden Mitglieder des Gesamtvorstandes in paritätischer Besetzung mit den dazugehörigen Geschäftsabteilungen wie bisher tätig sein.

Im neuen Geschäftsjahr ist die Entwicklung der Institute befriedigend weiter verlaufen. Die zu verzeichnende Geschäftsausdehnung läßt jedoch ein endgültiges Urteil über die Ergebnisse des Jahres 1957 natürlich noch nicht zu, denn was ist, wenn die BdL ihre Restriktionspolitik weiter verschärft? Die zinslose Festlegung erheblicher Bankenmittel in den Mindestreserven belastet die Rentabilität. Schon heute müsse man sich fragen, so sagte das Vorstandsmitglied der Hamburger Kreditbank AG, Hans Rinn, ob nicht eine Verzinsung dieser Mittel gerechtfertigt sei. Dieser milden Mahnung an die BdL ließ Rinn eine handfeste Kritikander Finanzpolitik des Bundesfinanzministeriums folgen, dessen Juliusturm eine wenig hausväterliche Einrichtung gewesen sei, weil sie die Begehrlichkeit in- und ausländischer Interessenten geweckt habe, der man sich nicht erwehren könne. Rinn warnte davor, in den 20 Mrd. DM Gold- und Devisenbeständen ein Zeichen von Wohlstand zu sehen. Ihnen ständen 18 Mrd. DM Auslandsschulden gegenüber; außerdem dürfe man nicht vergessen, daß etwa 10 v. H. des deutschen Aktienkapitals in ausländischer Hand sei, also plötzlich abgezogen werden könne. Die Aufgabe eines guten Hausvaters wäre es nach Rinns Ansicht gewesen, die jetzigen Devisenbestände zur Tilgung der deut schen Auslandsschulden zuverwe nden. Dann brauchte man sich auch keine Gedanken über den weiteren Zustrom von Devisen zu machen, der in manchen Köpfen gegenwärtig den Plan reifen läßt, ihn über Exporterschwernisse zu drosseln.

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Der neue AR: Dr. jur. Alois Alzheimer (Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft) Karl Blessing (Margarine-Union AG, Hamburg), Rud. Blohm (Blohm & Voss AG, Hamburg) Dr. Hans C. Boden, (AEG, Frankfurt/Main) ; Rudolf Egger-B üssing (Büssing-Nutzkraftwagen GmbH, Braunschweig; Alexander von Engelberg (Dyckerhoff. Zementwerke AG, Wiesbaden-Biebrich); Dr. Heinz G eh m (AR-Vorsitzender der Dt. Edelstahlwerke AG, Krefeld) Gerhard Geyer (ESSO, Hamburg), Carl Goetz (Margarethenhöhe über Königswinter), Dr. Fritz Gummert (Ruhrgas AG, Essen), Dr. H. L. Hammerbacher (Brown, Boveri & Cie AG, Mannheim), Alfred H ölling, Düsseldorf; Hugo Homann (Fritz Homann AG, Dissen); Dipl.-Ing. Heinrich Jakopp (Klöckner-Humboldt-Deutz AG, Köln-Deutz), Dr. Alfred Knoerzer (Robert. Bosch GmbH, Stuttgart) Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, Essen; Dr. jur. Johs. Kulenkampff (Nordd. Lloyd, Bremen), Hermann Linnem ann (Dt. Rhodiaceta AG, Freiburg i. Br.); Dr. Ing. e. h. Gustav Möllenberg (Westfalia Dinnendahl Gröppel AG, Bochum), Prof. Dr. Ing. E. h. Heinz Nordhoff (Volkswagenwerk GmbH, Wolfsburg), Dr. Alfred Petersen (Metallgesellschaft AG, Frankfurt a. M.); Dr. Hermann Richter, Düsseldorf Dr. h. c. Fritz Ridderbusch (RWE, Essen), Hans-Günther Sohl (August-Thyssen-Hütte AG, Duisburg-Hamborn), Staatsfinanzrat Hermann Schillin g (VEBA, Hamburg), Hermann Sch 1 osser (Degussa, Frankfurt a. M.); Dr. Carl Schwenk (E. Schwenk Zement- und Steinwerke, Ulm); Friedrich Sper 1 (Telefonbau und Normalzeit Lehner & Co., Frankfurt a. M.); Alexander Wiedenhoff (Rheinische Stahlwerke und Eisenwerke Mülheim/Meiderich AG, Mülheim), Dr. Joseph Wiehen (Dt. Centralbodenkredit AG, Köln), Prof. Dr. Karl Winnacker (Farbwerke Hoechst AG, Frankfurt a. M.); Wilhelm Zentgraf (Wintershall AG, Kassel). Dazu kommen dann noch 16 Vertreter der Arbeitnehmer. Zum AR-Vorsitzenden wurde Carl Goetz gewählt. K. W.