DIE ZEIT

Relative Wahrheit

Als die Atomphysiker vor der Verharmlosung der „taktischen Atomwaffen“ und deren Einführung in die Bundeswehr warnten, wurde ihnen neben bitteren Vorwürfen auch der der politischen Weltfremdheit gemacht.

Adenauer in Amerika

Die New Yorker Zeitungen haben „dem Architekten des neuen Deutschland“ New York Times), dem „Turm der Stärke in der freien Welt“ (New York Herald Tribune) einen sehr herzlichen Empfang bereitet.

Wie Gomulka sich durchsetzt

Mindestens zweimal jährlich muß nach den Parteistatuten das Zentralkomitee der „Vereinigten polnischen Arbeiterpartei“ zu einer Plenarsitzung zusammenkommen.

Mr. Sandys bleibt dabei

Weder der Besuch des deutschen Verteidigungsministers in London noch die Unruhe, ja, die Verärgerung, die die im britischen Weißbuch veröffentlichten Umrüstungspläne auf dem Kontinent hervorriefen, haben die britische Regierung veranlassen können, diese Pläne zu ändern.

Kohl statt Probleme

Äußerst erstaunt zeigte sich Parteisekretär Chruschtschow über die Bemerkung eines Teilnehmers einer landwirtschaftlichen Tagung in Leningrad, man sei sich nicht darüber einig, wie eine Steigerung des Anbaus von Kohlköpfen zu erreichen sei.

Grober Unfug

Verfassungsartikel sind Seezeichen, die das Staatsschiff vor Untiefen bewahren, aber nicht den Kurs ein für allemal festlegen sollen.

Gelöbnis und Großer Zapfenstreich

Vielleicht ist der Vorgang bloß wert, im Taschenspiegel einer Notiz verkleinert zu werden? – Wie im ganzen Bundesgebiet legten auch in Hamburg am vergangenen Sonntag die Rekruten ihr Gelöbnis ab, der Republik treu dienen und tapfer das Recht und die Freiheit verteidigen zu wollen.

„Abrüstungs-Botschafter“

Frankreich hat bisher bei den Londoner Abrüstungsverhandlungen große Zurückhaltung geübt, offenbar weil es zunächst den Ausgang des Duells zwischen Stassen und Sorin abwarten will.

ZEITSPIEGEL

800 sowjetische Touristen sind von Odessa kommend am vergangenen Donnerstag mit dem sowjetischen Passagierschiff Gruzia in Neapel eingetroffen.

Ehrenämter nicht gefragt

Die Sache ist – zumal für einen Journalisten – blamabel, aber ich kann nur eingestehen: ich habe von dem Referat des Staatssekretärs Dr.

Ein Tourist fährt nach Moskau

Im Mai 1957 als Tourist nach Rußland zu fahren, gehört nicht zu den alltäglichen Erlebnissen eines Journalisten. Das sogenannte „Friedenskomitee der Bundesrepublik Deutschland“, eine Organisation mit deutlich sowjetfreundlichem Anstrich, hatte eine deutsche Reisegruppe „aus Ost und West“ aufgefordert, zwei Wochen lang für einen Spottpreis durch die Sowjetunion zu reisen.

Gesetze machen ist schwer

Im März 1956 waren vom Bundestag die Grundgesetzänderungen, ohne die gesetzlich der Aufbau der deutschen Streitkräfte nicht möglich war, mit über Zweidrittelmehrheit angenommen.

Saarbrücken hört nicht auf Bonn

Der neue Ministerpräsident des jüngsten deutschen Bundeslandes wird nicht Dr. Ney und nicht Dr. Röder, sondern – mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit – Egon Reinert heißen.

Mendès-France parteilos

Viele Franzosen führen die Schwierigkeiten Frankreichs darauf zurück, daß es in ihrem Lande keine wirkliche Opposition gibt.

ZEITMOSAIK

„Der Zeitungs- und Zeitschriftenartikel ist heute eine unentbehrliche Form des Geistes, und wer ihn pedantisch verachtet, hat nicht die geringste Vorstellung von dem, was sich heute geschichtlich abspielt.

Der falsche Giraudoux

Das Schauspielhaus Zürich, dem so viele bedeutende Werke Uraufführung oder deutschsprachige Erstaufführungen verdanken, wartet mit einem Theaterstück auf, das weder das Attribut „bedeutend“ noch auch nur die Bezeichnung „Werk“ verdient.

Einer ohne Klassenhaß

Die rühmlich bekannte „Deutsche Grammophon Gesellschaft“ hat ein „Literarisches Archiv“ begründet. Das klingt ein wenig – archivarisch, ist es aber zum Glück nicht.

Lyriker griff zur Axt

Daß die Axt im Haus zwar nicht den Zimmermann, wohl aber den Verkehrspolizisten erspare, suchte der Kärntner Lyriker und österreichische Staatspreisträger Michael Guttenbrunner dieser Tage zu erweisen.

Eine Runde für alle

Myra Morris ist Australierin; ihre Geschichte verrät jenen Realismus, der einem jüngeren Kontinent nicht altmodisch erscheint und deswegen – immer wiederkehrendes Wunder der Übersetzungsliteratur – auch auf uns noch ganz unmittelbar wirkt.

Ein Engländer in München

Der Schutzverband Bildender Künstler zeigt in Verbindung mit dem britischen Generalkonsulat vom 24. Mai bis 11. Juni im Pavillon Alter Botanischer Garten eine Kollektivausstellung von Gemälden und Graphiken Graham Sutherlands.

Ewiger Avantgardist

Warum wir an diesen Geburtstag erinnern? Nicht, um den alten Ruhm des Bildhauers aufzuwärmen, sondern weil Archipenko im Gegensatz zu seinen Weggenossen kein „Klassiker der Moderne“ geworden ist, weil er die Rolle des Avantgardisten beibehalten hat.

Teufel von Hamburg

Ein Regisseur wie Gründgens versteht es – in Hamburg gerade jetzt – auch den mephistophelischen Teufel Goethes aus dem sechzehnten über das neunzehnte ins zwanzigste Jahrhundert hereinzuholen.

Ich plädiere für Heinrich Mann

Offener Brief an Heinrich Mann, Aber den „Untertan“: Untertanen von Ihrem Schlage befinden sich nur in Ihrem beschränkten Gesichtskreise, in Berlin WW und im Café Größenwahn – Hermann Nagel.

Ein klassisches Lehrgedicht

Karl Büchner ist der Ordner des stellenweise strittigen lateinischen Textes; von ihm stammt die im Sachlichen trefflich orientierende Einleitung, von ihm auch die Übersetzung.

Aus Verzweiflung verleumdet

Legion ist das geistige (und auch ungeistige) Gut, mit dem man Krieg und Politik unserer Vergangenheit anprangert. Weit dehnt sich das Feld, auf dem abgerechnet, abgeschreckt, gerechtfertigt und manchmal sogar geholfen wird.

Verratene Schlachten

An dem Ausgang des zweiten Weltkrieges hätte es natürlich nichts geändert, wenn die Schlachten der letzten Phase des großen Völkerringens im rumänisch-ungarischen Raum nicht gar so unglücklich verlaufen wären.

Literarische Frösche

Fort mit Zylinderhüten und Stehkragen, hinweg mit Rednertribünen, auf denen lange gelahrte Abhandlungen zum -zigsten Todestag eines Dichters vor sorgfältig ausgesuchtem Publikum verlesen werden – jetzt ist das vorbei, und wir machen uns ein großes Gaudi, einen modernen Volkssport daraus, unsere literarischen Größen in memoriam zu feiern.

Kein Warenhaus der Kunst

Ein Theater ohne öffentliche Subvention heißt heute in Deutschland etwa dasselbe wie Theater ohne „geistige Bedeutung“. Wenn freilich der Zuschuß der kulturschaffende Bühnenfaktor wäre, dann dürften unsere etatisierten Theater als künstlerische Strahlungszentren gar nicht zu übertreffen sein.

Wer verkehrt verkehrt

Kennen Sie den Unterschied zwischen .. fangen viele sogenannte Scherzfragen an, und als Alternativen werden dann geboten: ein Klavier und ein Eichhörnchen oder ein Diplomat und eine Dame oder irgend so etwas.

baden- Württemberg: Ein Volksfest kam vor den Kadi

Das erste „Weinheimer Frühlingsfest“ ist zu Ende. Zu Ende ist auch der Prozeß, den 132 Anwohner des Festplatzes im Stadtteil Prankel gegen die Stadt Weinheim angestrengt hatten, um durch Gerichtsurteil die Durchführung des Festes zu verhindern.

Hamburg: Hausperlen gesucht

Suche Hausangestellte. Biete freundliches Zimmer, Fernsehen und sehr gutes Gehalt.“ – „Stelle Hausgehilfin Motorroller zur Verfügung.

Hamburg: Ethik und Bohnerwachs

Das Problem der überbeanspruchten Hausfrau und die Herbeiführung ihrer Entlastung, das Problem der Gefährdung der Kinder durch die unguten Einflüsse der Straße und ihre Immunisierung durch die Rückführung und Bindung an die Familie“ – diese Parolen, die der geneigte Leser versuchen mag, ins Deutsche zu übersetzen, waren es, mit denen am Sonnabend in Hamburg etliche Journalisten mittags ins Hotel Atlantik und nachmittags in die Musikhalle gelockt worden waren.

Baden-Württemberg: So ist Heidelberg

Wer in diesem Sommer nach Heidelberg kommt, um den Schlüssel zum Wesen dieser Stadt zu suchen, hat eine Chance wie selten zuvor.

Bayern: Eisenhowers Kochtopf

Wenige Tage nach der Einweihung des „US-Bienenhauses am Rothenbaum“ (DIE ZEIT, Nr. 21) wurde mit einem Festakt auch in München das neue Amerikahaus feierlich eröffnet.

Leukoplast-Protest

An den Briefkästen im Eingang des Hauses Alexanderstraße 3 geht der Briefträger vorbei und trägt die Post mehrere Treppen hinauf in die Wohnungen – denn die Hausbriefkästen sind mit Leukoplast „versiegelt“, nicht amtlich, sondern durch den Hausbesitzer Alfred Redlich höchst eigenhändig.

Ein Fiasko

Im Kampf um eine kräftige Zollsenkung ist Bundeswirtschaftsminister Prof. Erhard unterlegen: Statt einer linearen Ermäßigung der Tarife um 30 v.

Schon 1950 wurden die Weichen falsch gestellt

Der entscheidende Fehler bei der Behandlung des Problems der Straßenbaufinanzierung ist bereits im Sommer 1950 – bei den ersten internen Besprechungen über die Gestaltung des Bundeshaushalts 1951/52 – gemacht worden.

Straßenbau: Tragödie verpaßter Gelegenheiten

Seit 1954 läuft bei uns eine lebhafte Diskussion über die Straßenbaufinanzierung, und zwar insbesondere „praktisch“, d. h. vor dem Forum der Parlamente und Regierungen.

Auf einen Blick ...

Wenn in der Bundesrepublik geringfügige Einbußen der Kaufkraft zu beklagen seien, so müssen diese Wirkungen in der Hauptsache auf das Verhalten der Allgemeinheit zurückgeführt werden, die möglichst alles gleichzeitig haben will: Moderne Rüstung, höchste Sozialleistungen, Mehrverbrauch auf allen Gebieten und dazu noch eine ausreichende Kapitalbildung.

Die Mentalität hat sich gewandelt

Es kommt hinzu, daß der Umgang mit Geld – also das selbstverständliche Disponieren mit Beträgen, die über einen Wochenbedarf hinausgehen – den meisten Lohnempfängern durch den „Fortschritt“ der Sozialgesetzgebung und durch die Formen der Entlohnung geradezu abgewöhnt wird.

Sorgen der HHA

Daß die Hamburger Hochbahn AG, Hamburg, im Geschäftsjahr 1956 mit Erfolg rationalisiert hat, zeigt allein die Tatsache, daß das Beförderungsangebot um 4,1 v.

Börsen haben schon Wahlflaute

Die Zurückhaltung der Käuferseite einerseits und die nachlassenden Abgaben andererseits haben zu einer in den Börsensälen sonst nur während der Hochsommermonate zu beobachtenden Geschäftsstube geführt.

Die Spekulation reizte sehr

Im Grunde genommen können Aktien jederzeit auch „Volksaktien“ sein. Sie sind es selbst ohne besondere Benennung immer gewesen und in jüngerer Zeit, z.

Hoesch-Ausbau noch nicht beendet

Bei Ausnutzung aller steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten hätte bei der Hoesch Werke AG, Dortmund, der dann verbleibende Überschuß nicht ausgereicht, um eine Dividende von wieder sieben v.

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