Der Teufel versucht uns auch dadurch, daß er die Wahrheit sagt und uns, die wir ja nicht gern zugeben, daß der Teufel recht hat, veranlaßt, das Gegenteil zu behaupten – also zu lügen. (Gösta von Uexküll)

Bücher – unbekannte Ware

Ein Drittel der westdeutschen Bevölkerung hat noch nie ein Buch gekauft, stellte der hessische Verleger- und Buchhändlerverband fest; ein weiteres Drittel erwirbt Bücher zu Geschenkzwecken, während nur ein letztes Drittel sich wirklich aus echter Anteilnahme mit Büchern beschäftigt.

Die Kritik des Esels

Auf 100 000 Mark Schadenersatz verklagte ein junger Madrider Dichter, der in der Hütte eines armen Fischers am Golf von Valencia Urlaubslogis nahm, seinen Hausherrn, da dessen Esel in einem unbewachten Augenblick in das Zimmer des Poeten eingedrungen war und die Manuskripte der neuesten Werke des Künstlers gefressen hatte. Da in mehreren Gedichten auch Esel besungen worden waren, streiten sich jetzt die Tierpsychologen darüber, ob der Übeltäter die unersetzlichen Werke fraß, weil er sich geschmeichelt – oder weil er sich beleidigt fühlte.

Frau Pappritz korrigiert

Das „Buch der Etikette“ von Karlheinz Graudenz und Erica Pappritz, das bei seinem Erscheinen starker öffentlicher Kritik ausgesetzt war, ist jetzt in dritter, „mit kritischer Hand überarbeiteter“ Auflage erschienen. Gestrichen wurde die Bemerkung „Unser tägliches Hemd gib uns heute“ ebenso wie der Hinweis, daß sich italienische Kellner beim Wechseln leicht „verzählen“ und die Frage: „Kennen Sie das erregende Gefühl, frisch gewaschen zu sein?“ Abgeschwächt wurde die kategorische Feststellung, lange Unterhosen seien „unmännlich“ und die Sentenz: „Damen, die auf der Straße rauchen, sind keine – oder Amerikanerinnen Im Vorwort heißt es auch nicht mehr: „Wo wir sind, ist oben“, sondern: „Ist, wo wir sind, wirklich oben?“ Wir dachten, diese Frage sei inzwischen entschieden.

Don-Quichotterien beim Film

Das Institut für Don-Quichotte-Forschung hat einen offenen Brief an das französische Informationsministerium gerichtet und gefordert, die Dreharbeiten zum Film „Don Quichotte“ mit Fernandel und Elisabeth Taylor aufzuschieben, bis man sicher sein könne, daß durch den Film der „Geist Cervantes’ nicht verraten“ werde.

Das Institut erklärt, es stelle nicht die künstlerischen Fähigkeiten der Schauspieler in Frage, aber es fürchte, daß sie in einem mit Cervantes’ Geist unverträglichem Stil spielen könnten, wenn nicht Produzent und Regisseur von „Don Quichotte“ wahrhaft durchdrungen seien. In Filmkreisen hofft man, daß so strenge Auffassungen nicht Schule machen.

Filmdrama eines Flusses

Jean Giono, der bisher der „Siebten Kunst“ fast feindlich gegenüberstand, schreibt mit sechzig Jahren sein erstes Drehbuch für einen Film ,,L’Eau Vire“, der schildern soll, wie sich die Durance, die das Bergland der Provence durchquert und bei Avignon in die Rhône mündet, durch die Flußregulierung verändert. Nicht die Technik und die Techniker werden im Mittelpunkt stehen, sondern die Landschaft und die Menschen, deren Leben durch den Eingriff der Technik so gewaltsam verändert wird. Für die Dreharbeiten sind fünf Jahre vorgesehen. Auftraggeber ist die filmfreudige Behörde der französischen Wasserwirtschaft. Wer gibt ein ähnliches Projekt für das Moseltal in Auftrag?

Hilpert inszeniert „Macbeth“

Shakespeares „Macbeth“ wird in der Inszenierung von Heinz Hilpert am Sonntag, dem 9. Juni 1957, im Deutschen Theater in Göttingen zum ersten Male gegeben werden.

Wenn man Goethe nicht mag...

Im Pariser Verlag Gallimard ist jetzt das als „umfassend“ bezeichnete Kultur-Lexikon Encyclopedie de la Pléiade“ erschienen. Während die Abhandlung über die bulgarische Literatur fast völlig aus der Sowjet-Enzyklopädie abgeschrieben ist, hat man die Kapitel über die deutsche Literatur einem unter Pseudonym schreibenden Sachbearbeiter überlassen, der, wie betont wurde, „Goethe nicht mag“. In diesem kuriosen Werk wird ein Nebenwerk Grabbes auf zwei Seiten besprochen, während Lessing insgesamt nur zehn – und dabei noch völlig mißverständliche – Zeilen bekommt, Klopstock in vier, Herder in einer Zeile erwähnt wird und Wieland überhaupt nicht genannt ist.

Schlager-Produktions-Racket

Auf Korruptionserscheinungen in der Schlagerproduktion wies Dr. Erich Schulze hin, der Leiter der GEMA (Gesellschaft zum Schutz der musikalischen und mechanischen Aufführungs- und Vervielfältigungsrechte). Im lukrativen Gewerbe der Schlagerkomponisten und Textdichter sind Produktionsleiter der Schallplattenindustrie und Angestellte der Rundfunkgesellschaften zahlreich vertreten. Ein Zufall will es, daß gerade für die Schlager solcher Produzenten oft die beliebtesten Sänger und Sängerinnen engagiert werden, deren Platten auch gekauft würden, wenn die Lieblinge des Schlagerpublikums nichts anderes als „la-la-la“ sängen. Ein interessanter Beitrag zum soziologischen Thema: Leute in Schlüsselstellungen.

Amerikanische Bücher in Moskau

Eine amerikanische Buchausstellung wurde in Moskau eröffnet. Mehr als 500 000 Bücher und Zeitschriften aus den Vereinigten Staaten liegen dort aus. Es handelt sich dabei jedoch ausschließlich um wissenschaftliche oder technische Bücher. Romane haben es schwer mit dem Eisernen Vorhang.

Kein Platz für Hermann Löns

Der Bremer Senat hat die Umbenennung der Hermann-Löns-Straße im Ortsteil Huckelriede zur „Ottjen-Alldag-Straße“ beschlossen, um „die Titelfigur eines gleichnamigen Romans des Bremer Heimatdichters Georg Droste auch im Namen einer Straße zu verewigen“. Eine nähere Begründung, ob der Heidedichter Löns bisher vielleicht schon zu viel und Droste zu wenig geehrt worden sei oder ob diese ausgleichende Gerechtigkeit nur geübt wurde, weil Bremen schon zu weit von der Lüneburger Heide entfernt liegt, wurde nicht gegeben.