Was der Bundeskanzler bei seinem Besuch am Ballhausplatz erreichte

Nach dreißig Jahren erlebte Wien zum erstenmal wieder den Besuch eines deutschen Kanzlers. Auf dieser Reise, die hoffentlich der Österreich-deutschen Problematik ein Ende setzte, hat unser Bonner Korrespondent Dr. Strobel den Bundeskanzler begleitet. Seinem Bericht lassen wir ergänzend die Darstellung unseres österreichischen Korrespondenten Janko Musulin folgen.

Wien, im Juni

Dr. Adenauer hat – nehmen wir es vorweg – bei seinem Wiener Staatsbesuch etwas sehr Wichtiges erreicht, wenn auch nichts, was sofort greifbar wäre: Dies wollte er nicht und konnte es, wie die Dinge zur Zeit liegen, auch gar nicht wollen. Er reiste als Gut-Wetter-Macher nach Wien. Und damit hat er einen großen, in die Breite wirkenden psychologischen Erfolg erzielt

Schon seine Unermüdbarkeit gefiel offensichtlich den Wienern. Nicht zuletzt deshalb zeigten sie dem alten Herrn viel Sympathie, so oft sie seiner auf seinen strapaziösen Fahrten und Gängen durch Wien ansichtig wurden.

Es war nach 30 Jahren der erste Besuch eine: deutschen Kanzlers in Österreich – wenn man von jenem in damaliger Verwirrung als das Symbol des "Anschlusses" hektisch umjubelten Eindringling absieht, der, aus Österreich stammend, nach Deutschland gegangen war und von dort in jenem März 1938 auf Panzern wieder nach Österreich kam, um bald darauf beide Länder zugrunde zu richten.

Adenauers Wiener Schnitzel