Auslandskorrespondenten mögen zuzeiten diplomatisch sein, Diplomaten indessen sind sie nicht. Gewiß hat jede Regierung das Recht, einen Diplomaten (sofern triftige Gründe vorliegen) zur persona non grata, zur "unerwünschten Person" zu erklären und damit faktisch des Landes zu verweisen. Für eine Regierung aber, die sich auf die Freiheit – und damit auch auf die Pressefreiheit – in ihrem Lande etwas zugutetut, dürfte es kaum einen triftigen Grund geben, auch einen Journalisten (sofern er nicht das im Lande geltende Recht verletzte) in ähnlicher Weise vor die Tür zu setzen.

In der vergangenen Woche hat ein Referent des Bundespresse- und Informationsamtes dem polnischen Journalisten Marian Podkowinski mitgeteilt, die Bundesregierung werde ihm die Akkreditierung in Bonn nicht gewähren.

Podkowinski, der die Warschauer Zeitung Tribuna Ludu vertritt, arbeitet gegenwärtig in Westberlin. Weder dort noch in den Vereinigten Staaten, die er in diesem Jahr für sein Blatt besuchte, hat man ihm Schwierigkeiten gemacht.

Aus den überaus unklaren amtlichen Bonner Kommentaren ergibt sich, daß offenbar zwei Motive zu dem brüsken Schritt des Bundespresse- und Informationsamtes geführt haben. Erstens soll der Warschauer Korrespondent einer deutschen Zeitung dieser Tage ohne Angabe von Gründen aufgefordert worden sein, kurzfristig Polen zu verlassen. Sollte dies tatsächlich stimmen – was noch recht zweifelhaft erscheint –, dann ist von allen möglichen deutschen Reaktionen auf einen solchen Schritt jene sicher die schlechteste, die Gleiches mit Gleichem vergilt.

Zweitens heißt es, Podkowinski habe eine Reihe sehr kritischer, ja polemischer Artikel gegen die Bundesregierung verfaßt. Gingen diese Artikel tatsächlich über das berechtigte Maß journalistischer Kritik hinaus, waren sie unsachlich und entstellend, dann wäre zu wünschen, daß "Tribuna Ludu" im Interesse ihrer eigenen Leser, die doch sicher die Wahrheit erfahren möchten, einen anderen Mann nach Bonn schickte. Bestände die Zeitung aber darauf, Podkowinski dort zu lassen – nun, so sollte man ihr auch die Freiheit zu einer – nach unserer Überzeugung – falschen Berichterstattung keineswegs beschneiden. H. G.