Max ist neunzehn Jahre alt, Hilfsarbeiter und ein kräftiger, auf seiner Baustelle gerngesehener Bursche. Für gute Arbeit verdient er gutes Geld: achtzig Mark in der Woche! Es gibt Monate, da er mit vierhundert nach Hause geht. Seine Mutter, eine Witwe, der alles recht ist, was der Sohn tut, begnügt sich mit einem Kostgeld von drei Mark täglich. Das übrige, 250 bis 300 DM, verwendet Max auf seine Weise.

Als der Sohn unlängst einer Rauferei am Zahltag halber vor Gericht mußte, stellte sich heraus, daß er an dem Unglücksabend achtundzwanzig Mark in Alkohol umgesetzt hätte, "Das ist doch unmöglich", meinte der Vorsitzende, "soviel kann man doch gar nicht trinken." Doch Max belehrte den Ahnungslosen: "Aber Herr Richter, ein Drink kostet doch schon zweizwanzig in der Lollo-Bar!"

Die Lollo-Bar ist Maxens Stammlokal. Hier ist er jedes Wochenende zu finden. Kein Wunder, daß er seiner Mutter nicht mehr abgeben kann. Als er wegen des Zusammenstoßes mit der Polizei eine Geldstrafe erhielt, bat er um Zahlungserleichterung. "Bei Ihrem Einkommen halte ich das für überflüssig!" sagte der Richter. Doch Max wies Ratenschulden nach. Er hatte sich eben ein Schlagzeug gekauft.

Dabei ist Max weder ein ungeratener Junge noch eine Ausnahmeerscheinung. Er ist einer von hunderttausenden Jugendlichen, die zwar Geld verdienen, es aber nicht ausgeben können. Arbeiten haben sie alle gelernt, doch das Erworbene zusammenzuhalten, verstehen sie nicht. Die Fünfmarkstücke, die lose in ihren Taschen klimpern, und mit denen sie so großzügig umgehen, sind redlich erworben. Aber was man mit dem guten Gelde machen könnte, wenn es sinnvoll ausgegeben würde, davon wissen sie nichts.

Der Leiter eines großstädtischen Kriminalkommissariats fragte während eines Jahres jeden Straffällig gewordenen Jugendlichen: "Wieviel von deinem Lohn gibst du daheim ab?" Es stellte sich heraus, daß nicht ein einziger der Vorgeführten die häuslichen Unkosten voll ersetzte! Daß Siebzehn-, Achtzehnjährige langfristige Teilzahlungsverpflichtungen eingehen, ist an der Tagesordnung, Immer weniger Eltern bringen die Energie auf, mit einem energischen Nein zu antworten, wenn der verdienende Sohn um Gegenzeichnung seines Moped-Kaufvertrages ersucht. Immer öfter aber sagen sie ja zu dem Wunsch, die Lehre nach ein oder zwei Jahren plötzlich abzubrechen, um schnellstens das ersehnte "große Geld" zu verdienen.

Ein Freund, der gleich mit den Herren jahren begann und als Ungelernter beinahe soviel verdient wie der Vater, ist das Vorbild, hinter dem man nicht länger zurückstehen möchte. Die Apparatesucht, die unter den Halbwüchsigen umgeht, der Wunsch, die Freundin ausführen zu können, und der Ehrgeiz, modisch gekleidet zu sein, übertönen die Stimme der Vernunft. So bedeutet die berufliche Zukunft wenig gegenüber dem Wildlederjackett und dem Motorrad, mit denen man morgen den Kollegen imponieren möchte.

Wachsendes Ärgernis