Rowohlt ist im wilhelminischen Deutschland aufgewachsen. Er war 27 Jahre alt, als der erste Weltkrieg ausbrach. Aber er opponierte der unechten Pathetik seiner Zeit, nicht vom Politischen, sondern vom Literarischen her. 1908 begann er zum ersten Male als Verleger. Zu seinen Autoren gehörten Franz Kafka, Oskar Kokoschka und Arnold Zweig. Rowohlt wirkte in seiner Branche damals – sofern man ihn überhaupt ernst nahm – als revolutionäre Erscheinung.

Im ersten Weltkrieg war er ein anerkannt tüchtiger, manchmal tollkühner Soldat, zuletzt Fliegerleutnant. Der überzeugte Pazifist sprach und spricht gern von den Abenteuern seines Kriegshandwerks. 1919 gründete er zum zweiten Male einen Verlag und behauptete sich mit seiner Gründung bei großen literarischen Erfolgen trotz existenzbedrohender kommerzieller Gefährdungen. Zwischen 1919 und 1933 war der Rowohlt-Verlag einer der bedeutendsten unter den belletristischen Verlagen. Rowohlt selber, stark umstritten, eine der interessantesten Erscheinungen des damaligen kulturellen Lebens, wirkte als einer der Mittelpunkte der geistigen Welt.

Mehr verbissen als verschlagen rang Rowohlt nach der Machtergreifung Hitlers, den und dessen Partei er mit seinen Büchern wirksamer als irgendein anderer im wahrsten Sinne des Wortes bloßgestellt hatte, um sein Unternehmen – in tarnender Anpassung, aber auch ständig wider den Stachel lockend –, bis ihn 1938 mit dem Berufsverbot der Bannstrahl des Dr. Goebbels traf. Bei Kriegsausbruch war er in Brasilien, wo er ein materiell angenehmes, aber langweiliges Leben führte.

Im Winter 1940 fuhr der 53jährige als Matrose auf einem Blockadebrecher über den Ozean zurück nach Deutschland. Er wollte dabei sein, obwohl er nicht dafür war. Und Erich Kästner sprach das geflügelte Wort beim Anblick des heimgekehrten Rowohlt: "Die Ratten betreten das sinkende Schiff." Als Fliegerhauptmann rückte er zur Wehrmacht ein, bei Vorgesetzten, Kameraden und Untergebenen angesehen und beliebt.

Im Juli 1943 wurde er trotz hartnäckigen Einspruchs seines Kommandeurs wegen politischer – nicht aktueller, sondern vor 1933 liegender – Unzuverlässigkeit entlassen. Trotzdem wurde er ein Jahr später in Grünheide bei Berlin Volkssturmführer und war die populärste Figur in seiner Gemeinde, deren Einwohner sich bereitwillig mühten, seinen gewaltigen Hunger zu stillen.

Bei Kriegsende war er in Hamburg und begann zum dritten Male als Verleger. Auf Zeitungspapier gedruckt und in Zeitungsformat gab er Romane der Weltliteratur heraus. Damit hatte er den dieser Zeit gemäßen Buchtyp gefunden Das war der Anfang seiner dritten, von Gefährdungen nicht freien, aber im ganzen doch erfolgreichen Periode.

Rowohlt liebt das Experiment. Manchen Mißgriffen stehen große Erfolge gegenüber. In seinem Wirkungsbereich ist er phantasie- und ideenreich, aber kein Phantast. Er ist der Prototyp eines Unternehmers, und nur, wo es diesen geben darf, kann er selber existieren. Leidenschaftlich liebt er sein Metier. Er ist ein Großkaufmann in schöner Literatur; er hat freilich eine kaufmännische \der, aber der Akzent liegt auf Literatur. In seinem Geschäft kommt es ihm mehr darauf an, was er bringt, als was es ihm bringt.