Die Ausstellung heißt surréalisme international (wegen des vorwiegend französischen Ursprungs der 24 Bilder), und daß sie gerade im Oldenburger Stadtmuseum zu sehen ist, zwischen chinesischen Vasen und venetianischen Lüstern, empfindet und akzeptiert man als einen gelungenen surrealistischen "Gag": "Kommen die fremdesten Dinge durch einen Ort, eine Zeit, eine seltsame Ähnlichkeit zusammen, so entstehen wunderliche Einheiten und eigentümliche Verknüpfungen." Diese Definition des Surrealismus stammt von keinem seiner modernen Anhänger oder Theoretiker, sondern von Novalis ... – "Die bewaffnete Rose", unser abgebildetes Beispiel, zeigt diese eigentümliche Verknüpfung: von weich und hart, von Blume und Panzer, von wehrlos und wehrhaft. Der Blütenkopf ist marmorgrau, entblätterter Stein um ein offenes Auge; der Rumpf als Harlekin mit grün-gelben und schwarzen Karos bekleidet; der Dorn ein metallen schimmernder Haken. Die seltsame Figurine steht in einer Landschaft, die den Surrealisten besonders lieb und wert ist: steiniger Strand zwischen Wasser und Himmel, zwischen Unendlich und Nichts, der Uferstreifen am Rande der Träume. – Die Bilder der Surrealisten seien gemalte Träume, so sagt man. Aber die "Bewaffnete Rose" ist mit mehr Literatur und Bedeutsamkeit beladen, als ein – Traum sie hergibt. Die Surrealisten streifen zwar, durch die Jagdgründe des Unterbewußten, doch sie tun es mit wachem Bewußtsein. Was sie dem Traum abjagen, steht im Widerspruch zur Tageskausalität, aber die Herstellung neuer Rapporte zwischen den Objekten, die "eigentümliche Verknüpfung" ist ein durchaus rationaler Vorgang künstlerischer Bewußtheit.

Der Maler de – "Bewaffneten Rose" heißt Felix Labisse. Er gehört zur jüngeren französischen Generation. Das Bild ist 1951 entstanden, zu einer Zeit also, als die eigentliche Epoche des Surrealismus längst vorüber war. Die Oldenburger Schau gibt mit anderen Worten keine Retrospektive, obgleich auch die Altmeister, die Klassiker des surréalisme international vertreten sind: Hans Arp Giorgio de Chirico (mit einem schrecklich lustigen trovatore), Max Ernst und Francis Picabia. Es sind auch die jüngeren Surrealisten dabei: Francis Bott, Victor Brauner die vielgerühmte LeonorFini, deren sanfte, perlmuttfarbene Träumereien hier zum erstenmal in Deutschland gezeigt werden.

Die surrealistische Bewegung, die in Deutschland nie recht heimisch werden konnte, befindet sich heute, auf internationaler Ebene, in jener hochinteressanten Phase, wo sie sich aus der Aktualität ins Stadium der Permanenz zurückentwickelt.

Vieles wirkt nur noch wie ein verdünnter Aufguß einstiger Entdeckungen, wie ein Traum, der zu oft erzählt wurde und dadurch die erregende Gewalt eines ersten Eindrucks verloren hat. Aber als künstlerisches Prinzip, als eine von vielen Möglichkeiten hat sich der Surrealismus behauptet, und immer wieder-werden Maler den "eigentümlichen Verknüpfungen" der Dinge nachgehen.

Das Oldenburger Stadtmuseum, bisher eine bescheidene, eher provinzielle Institution, hat mit dieser Ausstellung dank seinem neuen Leiter Dr. Wilhelm Gilly eine bemerkenswerte Initiative entwickelt. Die Bilder, die von der Kölner Galerie Cwiklitzer aus französischen Sammlungen und Galerien zusammengebracht wurden, gehen am 23. Juni nach Düsseldorf. Gottfried Sello