n. k., München

Da steht ein Mann an der Tür, ein Ausländer, unverkennbar südlicher oder südöstlicher Herkunft, lautet und stellt sich der Hausfrau vor: "Ich bin Student in Deutschland und muß zurück in meine Heimat fahren, weil mein Vater verstorben ist. Aber ich habe nicht genug Fahrgeld und muß deshalb meine Wohnung auflösen. Wollen Sie nicht meinen echt persischen Teppich besonders preisgünstig..."

Oder so: "Die Unruhen im Fernen Osten haben die Teppichpreise schlagartig steigen lassen. Aber wir haben einen besonders günstigen Restposten; greifen Sie jetzt zu. Dieser herrliche Smyrna..., Preisnachlaß..."

Sie werden ihre Ware auch ohne Wandergewerbeschein los, diese "Enrico" genannten fliegenden Händler, von denen gegenwärtig etwa 120 in München und Oberbayern mit Teppichen unterwegs sind. Die gutmütigen Dummen sind’s, die die fliegenden Teppichhändler mit besonderer Sicherheit aufspüren.

Denn ein wenig naiv muß man schon sein, wenn man auf den plumpen Trick eines Enrico hereinfällt und einen Teppich – "echter Orient", "hochwertig" – bei einem Aufschlag von 600 bis 1200 Prozent kauft, minderwertige Ware aus Jute oder Baumwolle, die aus Belgien kommt und über Köln verzollt zu Preisen von 52 Mark eingeführt, in Bayern aber für 600 bis 1000 Mark abgesetzt wird.

Diesem Schwindel ist zuerst der Münchener Fachhandel auf die Spur gekommen, als er plötzlich eine außergewöhnliche Geschäftsflaute verzeichnete. Aber man ist machtlos gegen die Schwindler. Bei der Polizei melden sich die Geschädigten im allgemeinen nur, wenn sie nach dem Besuch eines Enrico in ihrer Wohnung Wertgegenstände vermissen. Aber nur wenige Käufer zeigen den Betrug als solchen an, denn man möchte eben nicht gern "mit der Polizei zu tun haben".

Erstattet tatsächlich einmal jemand Anzeige, dann meist erst nach Wochen – und da sind die fliegenden Teppichhändler meist schon über alle bayerischen Berge.