DIE ZEIT

Es gibt keine Rezepte

Da ist also der Bundeskanzler, wie unser Korrespondent und auch alle andern berichten, in Österreich mit solcher Wärme und Herzlichkeit empfangen worden, wie noch in keinem anderen Lande.

Neue Leute, alte Sorgen

Die Pariser Regierungskrise hat ihre klassische Lösung in Richtung des geringsten Widerstandes gefunden. Das war nur möglich, weil in ihrem Verlauf die Radikale Partei ihre lästige Gouvernante Mendès-France, abgeschüttelt hat und nun wieder zur richtungslosen, aber wendigen „Scharnierpartei“ der Mitte geworden ist.

Mephisto in Oxford

Nicht Heldenverehrung und Hymnen aufs Vaterland wollen wir von einem modernen Geschichtsprofessor hören – davon hatten wir in der Vergangenheit genug –, sondern die lautere Wahrheit und eine vorurteilsfreie Darstellung aller Tatsachen, gleichgültig ob sie uns angenehm sind oder nicht.

Brüsk und unüberlegt

Auslandskorrespondenten mögen zuzeiten diplomatisch sein, Diplomaten indessen sind sie nicht. Gewiß hat jede Regierung das Recht, einen Diplomaten (sofern triftige Gründe vorliegen) zur persona non grata, zur „unerwünschten Person“ zu erklären und damit faktisch des Landes zu verweisen.

Die neue alte Herzlichkeit

Als der russische Außenminister Molotow am 15. Mai 1955 im ehemaligen Schloß des Prinzen Eugen von Savoyen in Wien den österreichischen Staatsvertrag unterfestigte, da mag ihm eines fast sicher erschienen sein: daß nun das Verhältnis zwischen dem Ballhausplatz und Bonn auf Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte hinaus, gründlich vergiftet sei.

Life brachte den Tod

Wenn es noch an Argumenten gegen die von Jahr zu Jahr weiter um sich greifende Sensationsindustrie – nicht nur in anderen Ländern, sondern auch bei uns – fehlen sollte, hier ist eines, und ein stärkeres gibt es kaum: Der kommunistische Volksgerichtshof in der ungarischen Stadt Raab hat sechs Konterrevolutionäre zum Tode verurteilt, weil sie während der Oktoberrevolution drei Offiziere der kommunistischen Sicherheitspolizei, die an dem Massaker in Ungarisch-Altenburg beteiligt waren, erschossen hatten.

ZEITSPIEGEL

Von 1952 bis Ende 1956 sind insgesamt 536 000 Europäer nach Übersee ausgewandert. Italien stellt mit 174 000 Personen den höchsten Anteil, gefolgt von Deutschland (168 000), Österreich (51 000), Griechenland (42 000) und Holland (39 000).

Adenauer gefiel in Wien

Nach dreißig Jahren erlebte Wien zum erstenmal wieder den Besuch eines deutschen Kanzlers. Auf dieser Reise, die hoffentlich der Österreich-deutschen Problematik ein Ende setzte, hat unser Bonner Korrespondent Dr.

Saar-Ministerpräsident

Es muß als verfehlt angesehen werden, wenn man die saarländische Wirtschaft allzusehr nach den Maßstäben beurteilt, die man heute in der Bundesrepublik nach achtjährigem zielbewußtem Aufbau der Wirtschaft anlegt.

Dornen in Tirol

Als zu Anfang des Jahres vierzehn Südtiroler unter dem Verdacht der Sprengstoffattentate und anschließend auch der Schriftleiter der Dolomiten, des Organs der Südtiroler Volkspartei, Dr.

Macmillan und Sorins Plan

Die britischen Abrüstungsfachleute waren bis zum Eintreffen der neuen sowjetischen Vorschläge für eine Zeit von zwei bis drei Jahren Versuche mit Atom- und Wasserstoffbomben einzustellen, stolz darauf, daß man ihnen nicht, wie ihrem amerikanischen Kollegen Harold Stassen vorwerfen konnte, sie seien zu optimistisch.

Kampf um den Bischof

Zum drittenmal binnen kurzem ist dem Bischof Dibelius dieser Tage die Einreise in seinen Amtsbereich verboten worden; durch Verweigerung eines Passierscheines hindert Pankow ihn an der Ausübung seiner kirchenamtlichen Funktionen.

Luftsunder

In einer hessischen Großstadt steht am Fenster seiner Werkstatt der Schneidermeister X und schätzt – unter Zuhilfenahme seiner Elle – die Flughöhe eines vorbeiheulenden Düsenjägers, während eine rüstige alte Dame aus der Dachluke gegen die Sonne blinzelt und während sie sich mit beiden Händen die Ohren zuhält – den Typ und das Erkennungszeichen des Flugzeugs auszumachen sucht.

Berlin: Auto als Waffe

Auf eine groteske Idee kam dieser Tage ein Westberliner Kaufmann, der rot-weiße Plakate an die Litfaßsäulen kleben ließ. „Fußgänger!“ heißt es da, „willst du noch weiter Verkehrsopfer sein? Der Angriff ist die beste Verteidigung.

Funk für Anspruchsvolle: Mitten in der Operation

Vor Monaten brachte der NDR zwei japanische Hörspiele und ließ nun ein polnisches folgen. „Wir sind mitten in der Operation heißt in Viktor Mikas Verdeutschung und Heinz Schwitzkes Funkbearbeitung der kurz vor der Gomulka-Umwälzung entstandene „Ostry Dyzur“ von Jerzy Lutowski.

Großstädte der Zone

An erster Stelle steht Leipzig mit 614 000 Einwohnern (vor dem Kriege 698 000). Dann folgt Dresden mit 497 000 (637 000). Chemnitz (heute Karl-Marx-Stadt) und Halle liegen an dritter Stelle mit je 290 000 (vor dem Kriege hatten Chemnitz 336 000 und Halle 211 000 Bürger).

Bayern: Enricos Teppiche

Da steht ein Mann an der Tür, ein Ausländer, unverkennbar südlicher oder südöstlicher Herkunft, lautet und stellt sich der Hausfrau vor: „Ich bin Student in Deutschland und muß zurück in meine Heimat fahren, weil mein Vater verstorben ist.

Korn – das ist die richtige Sprache

Geschichten, die auf hoher See oder an der Wasserkante spielen, haben sich von jeher als ein Genre für sich konstituiert. Wenn sie auch hochdeutsch geschrieben sind, scheinen sie sozusagen plattdeutschen Stilgesetzen zu unterstehen.

Der andere Szewczuk

Wer Szewczuk etwa nur als politischen Karikaturisten kennt, wird überrascht sein, ihn hier als humorigen Fürsprecher des Familienlebens zu sehen.

So kein Hölderlin!

In Recklinghausen haben die 11. Ruhrfestspiele begonnen. „Antigone“ von Sophokles war die erste Neuinszenierung eines Spielplans, der außerdem Schillers „Parasit“ und Goethes „Iphigenie“ als Zentralwerke enthält.

Die bewaffnete Rose

Die Ausstellung heißt surréalisme international (wegen des vorwiegend französischen Ursprungs der 24 Bilder), und daß sie gerade im Oldenburger Stadtmuseum zu sehen ist, zwischen chinesischen Vasen und venetianischen Lüstern, empfindet und akzeptiert man als einen gelungenen surrealistischen "Gag": "Kommen die fremdesten Dinge durch einen Ort, eine Zeit, eine seltsame Ähnlichkeit zusammen, so entstehen wunderliche Einheiten und eigentümliche Verknüpfungen.

Ernst Rowohlt:: Woher ich stamme...

Als Ernst Rowohlts Lebensabend näher rückte, bedrängten ihn seine Freunde mehr und mehr, daß er die Geschichten seines bewegten Lebens, von denen er die eine oder die andere an den literarischen Stammtischen so oft und dramatisch zum besten gegeben, zusammenfassen und damit einem größeren Kreise zugängig machen möge.

Theodor Eschenburg:: Der Panchaotiker

Rowohlt ist im wilhelminischen Deutschland aufgewachsen. Er war 27 Jahre alt, als der erste Weltkrieg ausbrach. Aber er opponierte der unechten Pathetik seiner Zeit, nicht vom Politischen, sondern vom Literarischen her.

ZEITMOSAIK

Die höchste Aufgabe einer jeden Kunst ist, durch den Schein die Täuschung einer höheren Wirklichkeit zu geben. Ein falsches Bestreben aber ist, den Schein so lange zu verwirklichen, bis endlich nur ein gemeines Wirkliche übrigbleibt.

Erneuerung ohne Mut

Wie im Bericht unseres Münchener Korrespondenten über die Wiedereröffnung der „Alten Pinakothek“ angekündigt, legen wir heute die kritische Betrachtung unseres Mitarbeiters vom Fach vor: Professor Dr.

Nummer 25 vom 19. Juni 1947:

Man muß die Trümmer sehen, man muß eindringen in diese Schluchten von Geröll und Schutt, die morgen wieder Mittelpunkt der Stadt sein sollen.

Unvergessener Porträtist

Als sich zum hundertsten Male der Geburtstag des großen Berliner Porträtisten Lepsius jährte, biten wir die jetzt in Baden lebende Tochter dieses deutschen Impressionisten, uns ein Bild ihres Vaters, so wie sie ihn aus nächster Nähe sah, zu zeichnen – weil wir finden, daß sein Werk, obwohl durch neue Entwicklungen in der Kunst scheinbar „überholt“, uns auch heute noch etwas zu sagen haben könnte.

Allegra: Freue dich!

Weil wir ohne genau vorgefaßte Ziele, mit dem Mut zur Improvisation gereist waren, sind wir mit der Entdeckung eines Dorfes belohnt worden.

Alles ausverkauft

Angestellter: Alle Häuser, die wir beschicken, sind einwandfrei sauber. Ich war nämlich selbst schon in Pörtschach vom Büro aus, damit ich die Leute beraten kann, und ich kann Ihnen sagen, es ist mir dort sehr gut gegangen.

Autos einsteigen, bitte!

Wer im Gotthard-Zug sitzt und mit 90-Stundenkilometer-Geschwindigkeit durch den 15 (genau 15 002,64 m) Kilometer langen Gotthard-Tunnel fährt – es waren fünf Millionen M sehen im Laufe des letzten Jahres –, der ist voller Spannung, was ihn am anderen Ende des großen Loches erwartet.

Auf einen Blick ...

Die Opposition gegen die unnachgiebige Haltung Amerikas in der Frage des China-Embargos hat Verstärkung bekommen: Die drei Benelux-Staaten – Belgien, Holland, Luxemburg – sind jetzt dem Beispiel Großbritanniens gefolgt und haben die Embargobestimmungen für ihren Handel mit der Volksrepublik China gelockert.

Vernagelte Sache ...

Die Klagen und Beschwerden der Drahthersteller und -verarbeiter über allzu hohe „Spannen“ des einschlägigen Fachhandels – wir berichteten hierüber in Nr.

Dazu brauchen wir keinen neuen Fonds!

Wenn es zu den erhofften Fortschritten, bei der Verwirklichung eines Gemeinsamen Marktes kommen soll, wird sich auch der Kapitalverkehr zwischen den beteiligten Ländern zu intensivieren haben.

Supermarkt

Eine wirtschaftlich kaufmännische Überraschung steht bevor: Herbert Eklöh, Chef der fast unbemerkt in den letzten Jahren groß gewordenen Herbert Eklöh KG a.

Keine Freude am Kriegsfolgenschlußgesetz

Das Parlament hat keine reine Freude an dem in dieser Legislaturperiode noch zu verabschiedenden Kriegsfolgenschlußgesetz. Immer neue wohlbegründete Bedenken werden gegen einzelne seiner grundsätzlichen Bestimmungen vorgebracht Sie lassen befürchten, daß das Gesetz nicht nur lange Zeit umstritten, sondern (was schlimmer ist) auch Gegenstand von Verfassungsklagen sein wird Das hat nichts mit einer unzureichenden gesetzestechnischen Arbeit zu tun; wenngleich die Eile, mit der jetzt die Vorlage durch das Parlament verabschiedet werden soll, die Dinge nicht einfache: macht.

Komsomol-Werke

Im Zuge der – nach dem XX. Parteikongreß in Moskau begonnenen – allmählichen Verlagerung der industriellen Schwerpunkte nach den asiatischen Gebieten der Sowjetunion (vornehmlich nach den Landstrichen östlich des Ural und den zentralasiatischen Republiken) befindet sich jetzt eine stattliche Reihe mobilisierter Teile des kommunistischen Jugendverbandes Komsomol im Einsatz als Bauformationen.

Die Koordinierung klappt nicht!

Die Koordinierung der Fünfjahrpläne der Ostblockländer, die zu Beginn von 1956 eingeleitet worden war, hat durch die Ereignisse in Polen und Ungarn einen schweren Schlag erlitten.

Ankara dreht die Inflationsschraube

Nichts hat sich in der Türkei geändert. Die ehrgeizige Sorge um die jetzige absolute Machtposition zwingt die „Demokrat-Partei“ des Ministerpräsidenten Menderes dazu, die schwere Wirtschaftskrise entweder überhaupt abzustreiten oder wenigstens als sogenannte „normale Entwicklungskrise“ zu beschönigen.

Ist das etwa sozial?

W. B.-H., Kopenhagen, Mitte Juni Seit Kriegsende ist Dänemark von einer Valutakrise in die andere hineingeschlittert. Alle zwei Jahre etwa sah die jeweils amtierende Regierung sich gezwungen, dem Parlament ein Sanierungsprogramm zur Überwindung der finanziellen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten vorzulegen; dabei wurde jedesmal die Steuerschraube kräftig angezogen, aber weil nach den ersten Besserungszeichen die Zügel gleich wieder gelockert wurden, konnte eine durchgreifende Wirkung nie erreicht werden.

Eigentumsbildung über das Eigenheim

In der Diskussion um die Möglichkeiten und Wege zur privaten Eigentumsbildung, die seit kurzem durch die von Bundeswirtschaftsminister Erhard in die Öffentlichkeit getragene Idee der Volksaktie neue Nahrung erhalten hat, wird immer wieder außer acht gelassen, daß eine Möglichkeit der persönlichen Eigentumsbildung, nämlich durch den Bau eines Eigenheims, schon lange von allen Kreisen der Bevölkerung und besonders von der Arbeiterschaft in zunehmendem Maß ausgenutzt wird.

„Nordsee“ arbeitet auf breiterer Basis

Die „Nordsee“ Deutsche Hochseefischerei AG in Bremerhaven, das größte Unternehmen der deutschen Fischwirtschaft und in allen Bereichen vom Fang bis zum Einzelhandel vertreten, erzielte im Geschäftsjahr 1956 einen Gewinn von 1,82 Mill.

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