G. Z., Bruchsal

Das Zuchthaus Bruchsal hatte vor einigen Tagen prominente Gäste. In der Aufnahme, beim diensthabenden Wachtmeister, meldeten sich Oberbundesanwalt Max Güde und der Präsident des 3. Strafsenats des Bundesgerichtshofes, Dr. Geier.

Der Direktor zeigte den Besuchern nicht nur sein Haus vom Keller bis zum Boden, sondern er drückte ihnen auch noch ein Bündel Statistiken in die Hand. Diese sind darum so aufschlußreich, weil die Landesstrafanstalt Bruchsal ein Zuchthaus ist wie viele andere in der Bundesrepublik.

Hier nun ist die Bruchsaler "Zuchthaus-Ballade" in Zahlen: Es gibt viele Möglichkeiten der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Ob Holz- oder Metallgewerbe, Druck und Papier, Baugewerbe oder Landwirtschaft – in allen Sparten wird praktischer und theoretischer Unterricht erteilt. Wer "genügend Zeit" für sich hat, kann als "Universalist" – ebenso perfekt als Melker wie als Hochfrequenztechniker, als Werbegraphiker wie als Dolmetscher – das Zuchthaus Bruchsal verlassen. Von den durchschnittlich 800 Gefangenen werden durch Berufsunterricht etwa 150 erfaßt; durch Kurse weitere 100, so daß in Bruchsal etwa 250 Gefangnene jährlich eine berufliche Ausbildung erhalten.

Von den 298 Männern, die im vergangenen Jahr den Blechnapf und die Drillichsachen abgaben, gingen 189 in vorher vermittelte Stellen in Industrie und Landwirtschaft. Für 72 Häftlinge war Wohnung beschafft worden, bei 99 wurde das Portemonnaie mit "Überbrückungsgeld" gefüllt – und 251 hatte man von Kopf bis Fuß neu eingekleidet, ehe sie sich beim Direktor verabschiedeten. Die Hälfte der entlassenen Strafgefangenen hatte keinerlei Bindungen mehr zur Familie, zu Freunden oder Bekannten.

Aufschlußreich ist auch die "fachliche" Zusammensetzung der Zuchthäusler in Bruchsal. Mit Abstand die Spitze halten die Eigentumsdelikte: nämlich 53 Prozent. Es folgen die Sittlichkeitsverbrecher mit 19 Prozent. Der Anteil der "Verbrechen gegen das Leben" beträgt 15 Prozent. Auf "Raub" entfallen 6 Prozent und unter "restliche Strafen" sind 7 Prozent notiert. Diese Rubrik umfaßt: Körperverletzung, fahrlässige Tötung, Hehlerei, Landesverrat, Münz verbrechen, Gefangenenmeuterei, Brandstiftung und Meineid.

Wer in Bruchsal zur Verbüßung einer Zuchthausstrafe eingeliefert wird, ist in der Regel kein unbeschriebenes Blatt mehr. Auch hier gibt die Statistik genau Auskunft. Nur knapp 15 Prozent kommen mit einer "weißen Weste". Der Durchschnitt liegt zwischen sieben und zehn Vorstrafen. Den Rekord halten diejenigen, die zu einer Verwahrung verurteilt worden sind. Hier hat jeder vierte ein Vorstrafenregister von 16 bis zu 33 aufzuweisen; Bei der Aufteilung nach der Strafdauer dominieren die "Mittelfristigen". Weit über die Hälfte bleiben von einem Jahr bis zu fünf Jahren hinter Gittern. 10 Prozent der Gefangenen sind "Lebenslängliche.

Daß 83 Prozent der Bruchsaler Gefangenen die Volksschule besucht haben, 6 Prozent die Hilfsschule, 5 Prozent die Oberschule und 4 Prozent eine Hoch- oder Fachschule, besagt nicht viel. Wenn aber 30 Prozent die Volksschule nicht zum Abschluß brachten, so dürfte das für Eltern, Lehrer und Erzieher nicht ohne Bedeutung sein. Sicher steht damit auch im Zusammenhang, daß beinahe die Hälfte der Gefangenen keinen Beruf erlernt hat.