Die Klagen und Beschwerden der Drahthersteller und -verarbeiter über allzu hohe "Spannen" des einschlägigen Fachhandels – wir berichteten hierüber in Nr. 14 der ZEIT unter dem Stichwort "Der Handel hält die Preise hoch..." – haben zu umfangreichen Kontroversen zwischen den beteiligten Wirtschaftsgruppen geführt. Aus Gründen der Loyalität geben wir diesmal dem Fachverband deutscher Eisenwaren- und Hausrathändler (Sitz Düsseldorf) das Wort.

Der Fachverband verweist zunächst auf die "Hintergründe" des von industrieller Seite geführten Vorstoßes, die – wie er meint – in dem Bestreben liegen, zu einem "starken Zwangskartell" zu kommen, das (ähnlich wie beim Mühlenkartell) die im letzten Jahrzehnt geschaffenen Überkapazitäten beseitigen oder jedenfalls "unschädlich" machen soll. Hierzu wird insbesondere Direktor Hanesen von der Niederrheinischen Hütte AG zitiert, der von einer "besorgniserregenden Entwicklung" in der Drahtindustrie – "heftige Konkurrenz mit entsprechender Preisentwicklung bei rückläufigem Inlandabsatz" – gesprochen hat, in deren Zuge die Bonität manches Kunden in Frage gestellt werden könnte.

Der Fachhandel, der angesichts der großen Zahl seiner zumeist kleinen und kleinsten Betriebe nicht kartellierungsfähig ist, wehrt sich nun gegen die Darstellungen, wonach die "eigentliche" Schuld an der Preis- und Marktsituation bei ihm liegen soll, und eben nicht bei dem Aufbau von Überkapazitäten im Bereich der Fertigung.

Was die Preise für Nägel (Drahtstifte) im Detailverkauf angeht, so wird vom Fachhandel insbesondere auf die Mehrpreise hingewiesen, die der Hersteller bei Lieferung kleiner Mengen berechnet. So beträgt der Preis (immer je 100 kg berechnet) für Drahtstifte und -schlaufen (nach der Werkpreisliste vom Oktober 1956) für in Kisten verpackte Ware loser Schüttung bei Abnahme von 200 kg und mehr: 4,90 DM – bei Abnahme von "kleinen Mengen" (unter 25 kg) aber: 11,40 DM – was also 232 v. H. des Grundpreises entspricht. Anders gesagt: Der Aufschlag für "kleine Mengen", den der Lieferant berechnet, macht hier bereits 132 v. H. aus. Somit kann dem Handel kein Vorwurf gemacht werden, wenn seine "Spannen" in ähnlicher Hohe liegen, zumal er ja außerdem noch die Frachtkosten ab Werk zu tragen hat, ferner die (bei dem notwendigerweise reichhaltigen Sortiment) relativ hohen Lagerkosten und schließlich die beim Verkauf in kleinen und kleinsten Mengen erheblich zu Buche schlagenden Kosten für den eigentlichen Verkaufsvorgang, den "Dienst am Kunden." Andererseits besteht bei den, Herstellerfirmen die Neigung, das Direktgeschäft mit Großkunden (landwirtschaftlichen Genossenschaften bei Drahtgeflecht, Stacheldraht und glattem Koppeldraht – Betrieben des Bauhandwerks bei Drahtstiften) zu intensivieren. So bietet eine Werkhandelsfirma (bei Abnahme von 1000 kg und darüber) die gleiche Drahtstiftsorte, die für den Handel beim Bezug eines ganzen Waggons mit 68,93 DM in Rechnung gestellt wird, dem Bauhandwerk zu 78,15 DM mit 7,5 v. H. Rabatt an. Würde der Fachhandel in dieses Angebot eintreten, so müßte er sich mit einer Spanne von 4,7 v. H. begnügen, die jedenfalls (Umsatzsteuer, Generalunkosten!) nicht als überhöht gelten kann.

Der Fachhandel kann weiter für sich geltend machen, daß die Erhebungen des Statistischen Bundesamtes über die Einzelhandelspreise für Drahtstifte im Durchschnitt der Jahre 1953 bis 1956 den Betrag von 1,17 DM je kg ergeben, was mit einem Einstandspreis des Handels – also Einkaufspreis bei Bezug von Waggonladungen plus Fracht – von rund 0,70 DM je kg zu vergleichen wäre. In den hierbei "erfaßten" Einzelhandelspreisen sind also auch die Verkäufe kleinster Mengen ("das Tütchen zu 20 Pfennig") mitberücksichtigt, aus denen die aus industrieller Quelle stammenden Darstellungen jene erschreckend hohen Spannen "herausgerechnet" hatten, die zwar vorhanden (und bei diesem "Pfenniggeschift" ja auch berechtigt) sind, aber – bezogen auf den Gesamtumsatz der betreffenden Fachgeschäfte – kaum zu Buche schlagen, und ihnen jedenfalls keine (im Vergleich zu dem Kostenaufwand) unverhältnismäßig hohen Erlöse bringen. G. K.