DIE ZEIT

Die See des Friedens

Die langen Monate vorsichtiger außenpolitischer Zurückhaltung sind für Polen vorbei. Wie die Reise nach Pankow zeigt, ist die Stellung des Regimes Gomulka nun genügend konsolidiert, um Polen, das die Vertretung seiner Interessen nun selber in die Hand genommen hat, eine aktive politische Rolle innerhalb des Ostblocks spielen zu lassen.

In England nicht gefragt?

Das Gerücht, Königin Elizabeth und Prinz Philip würden ihren Sohn Charles, den britischen Thronfolger, in das Internat Gordonstoun schicken, in dem auch der Prinzgemahl selbst erzogen wurde, hat den Daily Express zu Äußerungen über Dr.

Vorbild Goebbels

Offensichtlich ist es unumgänglich, sich mal wieder mit der Münchener „Deutschen Soldaten-Zeitung“ zu beschäftigen, deren Juni-Nummer durch einen Aufsatz aus der Feder des Generalobersten a.

Mao und die Wahrheit

Unbegreifliches geschieht in China: Ein Pekinger Professor schrieb zwei Artikel, in denen er die Zerschlagung der kommunistischen Partei verlangte, weil sie nicht den Interessen des Volkes diene und – diese Artikel erschienen in voller Länge im KP-Organ Jen Min Jih Pao! Ferner: An den Wänden einer Sprachschule in Peking wurden antikommunistische Plakate angeschlagen; mehrere Hochschulen, insbesondere in Hankau, entwickelten sich genau wie einige Universitäten der Sowjetzone zu Krisenherden; die Studenten streikten.

Algerische Bremse

Wenn Amerikaner oder auch Asiaten nach Europa kommen, dann fragt mancher von ihnen fassungslos, wie es denn möglich sei, daß unsere Länder – die ihnen natürlich lächerlich klein vorkommen – sich nicht längst zu einer Einheit zusammengeschlossen haben.

ZEITSPIEGEL

„Einige unserer Geschäftsleute wissen nicht, wie sie die Regierung einschätzen sollen“, bemerkte Eisenhower bei einem Frühstück mit Kongreßabgeordneten.

Zoli kehrt zurück

Die Italiener haben eine große formalistisch Begabung, die es ihren Politikern erleichtert, hin und wieder Verwandlungen mit solch verblüffender Bravour vorzunehmen, daß etwaige sachliche Proteste meist in dem Beifall für die formvollendete rhetorische Leistung untergehen.

„Auferstandener” Gandhi

An der Grenze des südindischen Staates Kerala tauchte kürzlich eine kleine Gruppe barfüßiger Wanderer auf, die von der politischen Prominenz des Staates ehrerbietig begrüßt wurde – vom Gouverneur also, der ein Mitglied der Kongreßpartei ist, ebenso wie von den Ministern der Landesregierung, die allesamt der Kommunistischen Partei angehören.

Pflichtbesuch in Ostberlin

Im Zug der Aufwertungsaktion, die Moskau gegenwärtig auf Ulbrichts Prestigekonto bei den kommunistischen Parteien vornimmt, war jetzt Gomulka auch nach Pankow gereist; zuvor hatten Vertreter der französischen und italienischen Politbüros ihr Debüt in Ostberlin gegeben.

Die großen und die kleinen Colons

Auch Frankreich kennt ein Flüchtlingsproblem, seit Nordafrika in Brand geriet. Aus Tunesien und Marokko sind die Colons – wie man die französischen Siedler nennt – in mächtigen Strömen abgewandert, und in Algerien hat ein ähnlicher Prozeß begonnen.

Zukunft in der Wüste

„Frankreichs Zukunft liegt in der Wüste“, ist man versucht zu sagen, wenn man die optimistischen Ankündigungen des neuen französischen Ministerpräsidenten Bourgés-Maunoury und manche Berichte der französischen Presse über das große Sahara-Projekt der Regierung liest.

Song ohne Herkunft

In der Demokratie kann jeder seine Meinung frei und offen sagen! Er kann sie auch singen, solo und im Chor, mit Gitarrenbegleitung und ohne.

Hat die Abrüstung eine Chance?

Die Abrüstungsgespräche in London haben eine Bedeutung gewonnen, die sie an die Seite der sogenannten Gipfel-Konferenzen stellt und weit über das hinausgeht, was man ursprünglich von dem Fünfmächte-Unterausschuß der Abrüstungskommission der UNO erwartete.

Marokkos 5 Armeen

Marokko ist das einzige Land der Welt mit fünf Armeen. Die größte von ihnen ist mit 75 000 Mann die unter General Rene Cogny stehende französische, deren Aufgabe es ist, die 350 000 Marokkofranzosen zu schützen und die Grenze gegen Algerien abzusichern.

Lenins deutsche Millionen

Wir veröffentlichen hier zum erstenmal den vollständigen Originaltext eines Memorandums, das der deutsche Reichsaußenminister Richard von Kühlmann im Dezember 1917 für Kaiser Wilhelm II.

Forschung – ohne uns

Am 1. Juli beginnt das „Internationale Geophysikalische Jahr“. Die technischen und wissenschaftlichen Vorbereitungen, die zum Teil seit Jahren laufen, sind beendet.

Musica sacra

In einem rheinischen Dorfe wirkte einst – wie meine Mutter erzählte, deren Onkel ebendort Pfarrer gewesen – ein Küster und Organist namens Max Schulte: der hatte im Schweiße seines Angesichts eine Chormesse komponiert, die er an hohen Festtagen aufführte.

ZEITMOSAIK

Im Rahmen der Fünftagewoche müsse es auch bei uns möglich sein, den Sonntag – wie in den USA und in England – wieder zu einem echten Feiertag für die Familie zu machen und sportliche Veranstaltungen auf den Sonnabend zu legen, forderte der nordrhein-westfälische Kultusminister Professor Luchtenberg, denn der sonntägliche „Rummelbetrieb“ sei unerträglich geworden.

Die zwei Briefe des Professors Justi

„Die Zeit“ und weiß Ihre Anstrengungen voll zu würdigen, nach dem Tiefstand des deutschen Journalismus wieder ein Wochenblatt zu schaffen, das dem Gebildeten nach Inhalt und Form lesbare und wesentliche Aufsätze bietet.

Antwort zur Form

Es war Sache des Autors, sich zum Inhalt der Briefe des Professors Justi zu äußern. Es ist Aufgabe der Redaktion, noch etwas zur Form zu sagen.

Antwort zur Sache

1. Herr Professor Justi kann nicht widerlegen, daß die Mainzer Reihe – eine Buchreihe, die von der Klasse der Literatur zu Mainz betreut und von Steuergeldern finanziert wird – als erste vier Bücher Werke von Frank Thieß, Hans-Erich Nossack.

Stärkster Beweis: seine Gegner

Man hat von Karl Kraus gesagt, der stärkste Einwand gegen ihn seien seine Anhänger. Er hat sich selbst darüber beklagt. Die „Fackel“-Leser waren eine schwärmerische Sekte, die über ihren Abgott schimpfte, ein Geheimbund, dem ganz Wien angehörte.

Moralisch tapfere und klarsichtige Dichtung

Es ist für den Leser, Liebhaber und Kenner eines bedeutenden Dichters immer eine große Freude, wenn er von dessen Werken, die er in Einzelausgaben oder nur lückenhaft besitzt, zum erstenmal eine saubere, übersichtliche Gesamtschau in Händen hält.

„und die Überlebenden werden sterben“

Da kehrt ein Veteran des ersten Weltkriegs – ein Volkswirtschaftler, kein Dichter – an die Stätte der Sommeschlacht zurück, schreibt ein schmales Buch, in dem sich Gegenwart und Vergangenheit eigentümlich durchdringen, und man liest die Arbeit in einem Zuge, ist gepackt von einer Darstellung, für die Adjektive wie „ungeschminkt“ und „dichterisch überhöht“ billig wirken.

Mit kleinem Fernrohr auf dem Balkon

Sicher ist die Beschäftigung mit den Sternen immer noch eines der schönsten und zugleich lehrreichsten Hobbies, die wir heute kennen.

Sie erreichen den rettenden Süden

Echte literarische Koinzidenzen sind sehr selten. Meistens haben ähnliche Bücher eine gemeinsame Zeiterscheinung zum Hintergrund, oder sie haben Helden, die in groben Zügen verwandt sind.

,,Hallo - schießen Sie noch?“

Wenn man „dazu“ gehört, ist die Welt klein und man kann überall Bekannte treffen: in der Super-Constellation Zürich–Kairo, in der Halle des New-Stanley-Hotels in Nairobi oder mitten im Ngorongoro-Krater, dem weltberühmten Löwengebiet.

Bodderlicker - sett di

Bleiben wir zunächst bei der ersten Frage: Da sind ein paar Kindergedichte in unseren niederdeutschen Lesebüchern und Anthologien, gewiß nicht die schlechtesten ihrer Art – „Bodderlicker, sett di!“, „Rodegrütt“, „Apfel-Kantate“ – plattdeutsche vor allem.

Nummer 26 vom 26. Juni 1947: Goldwährung blauer Dunst

Es ist nicht der gute Tabak, der fremd und süß riechende, allein, was die Züge dem mit einer Lucky Strike Bescherten verklärt urd Zehntausende von Hungerleidern zu grotesk gierigen Rauchern und Stummelsammlem gemacht hat, die willig ihr Letztes, nicht nur an Habe, sondern auch an Würde, dafür vertun.

Hitler beneidete seinen Gegner Stalin

Es könnte müßig erscheinen, die Frage zu klären, wer denn nun letztlich an dem Verlust des zweiten Weltkrieges die Schuld trägt.

Berlin: Flohprofis ohne Jagdgründe

Groß war schon vor einigen Wochen der Engpaß bei einem ausgesprochenen Saisonartikel der zoologischen Geschäfte: Die Nachfrage nach Maikäfern übertraf bei weitem das Angebot.

Ehe-Institut DB

Jeden Morgen fährt er mit dem Zug um 7.22 Uhr zur Arbeit, seit Jahren immer im dritten Wagen hinter der Lokomotive, auf der zweiten Querbank in der Fensterecke.

Baden-Württemberg: Kerzen und Klänge auf der Hohenzollernburg

Der Konzertabend, zu dem Prinzessin Kira und Prinz Louis Ferdinand auf die Hohenzollernburg geladen hatten, war der „Prinzessin-Kira-von-Preußen-Stiftung“ gewidmet und sollte helfen, einer Gruppe von Berliner Jugendlichen einen Erholungsurlaub auf der Burg zu ermöglichen.

Marienburg ist nicht vergessen

Im Treppenhaus des Museums für Hamburgische Geschichte steht in einem Glashäuschen das „Wappen von Hamburg“ als großes Schiffsmodell.

Hamburg: Moschee für deutsche Muselmanen

Ich bin meinem erhabenen Imam Hazrat Amirul Mominin, dem zweiten Kalif des Verheißenen Messias, von Herzen dankbar, daß er uns ermöglichte, diese Moschee in Hamburg, die wir heute einweihen, bauen zu können.

Mecklenburg: Zimmernummer 13

In Mecklenburg werden staatliche und private Beherbergungsbetriebe aufgefordert, „die Zimmernummer 13 nicht mehr zu unterschlagen“.

„Tag der Schiffahrt“

Zum ersten Male nach Kriegsende fand am vergangenen Dienstag in der Hansestadt Hamburg wieder der „Tag der deutschen Seeschiffahrt statt, Veranstalter war der Verband Deutscher Reeder, der damit zugleich sein 50jähriges Bestehen feierte.

Planung – eine Versuchung

Ist die behördliche Raumordnung geeignet, das Privateigentum an Grund und Boden zu retten – oder ist sie der Bazillus einer dirigistischen Wirtschaftspolitik? In dieser zugespitzten Fragestellung offenbaren sich die extrem gegensätzlichen Ansichten über ein Thema, das durch einen Gesetzentwurf im Bundestag aktuell ist.

Wo die kaufmännische Beweglichkeit fehlt...

Viele Einzelhändler verfallen in Untätigkeit und Phantasielosigkeit, wenn man ihnen das Bild des Einzelhändlers von morgen zeigt, also einer Zeit, deren wirtschaftliche Prozesse von neuen („automatischen“) Methoden beherrscht sein werden.

Mit viel Imponderabilien belastet

Zwischen der Bundesrepublik und der Sowjetzone ist seit kurzem eine merkliche Belebung des Warenaustausches zu beobachten. So wünschenswert es wäre, wenn hier von einer entscheidenden Änderung der bisherigen, auch auf westlicher Seite oft genug als schwerfällig kritisierten Praxis gesprochen werden könnte, so wenig scheint Anlaß zu solchem Optimismus zu bestehen.

Nach zwölf Jahren

Im brasilianischen Parlament wurde ein Gesetzentwurf eingebracht, wonach die „Fundaçao Brasil Central“ das Recht erhalten soll, Warenzeichen jetzt noch erneuern zu lassen, die sie vor zehn Jahren verfallen ließ und zudem nie benutzt hat.

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