G., Athen, in Juli

Als die von der griechischen Regierung eingesetzten Kommissionen für Industrie und Landwirtschaft ihre Gutachten über die Lage dieser Wirtschaftszweige Griechenlands in einem europäischen Markt abgegeben hatten, stellte auch die Regierung ihr Memorandum zu dieser Frage fertig, um es nun dem Europäischen Wirtschaftsrat zuzuleiten. Wenn auch die Entscheidung der Regierung bisher nicht veröffentlicht wurde, so ist doch bekanntgeworden, daß Griechenland sich keinesfalls bedingungslos der Freihandelszone anschließen wird. Maßgeblich für diese Einstellung ist in erster Linie die Situation der griechischen Industrie. Die Kommission für Industrie hat erklärt, daß etwa 80 v. H. der griechischen Industriebetriebe der ausländischen Konkurrenz zum Opfer fallen würden, wenn die Zölle von heute auf morgen abgebaut würden; die Chance einer Weiterexistenz gibt sie nur drei Branchen. Als maßgeblich dafür wird der relativ späte Beginn des Industrialisierungsprozesses, der Kapitalmangel und damit verbunden die veraltete maschinelle Ausrüstung, vielfach unausgenutzte Kapazitäten mit entsprechend ungünstiger Kostenlage und der Mangel an geschulten Arbeitskräften bezeichnet. Man will in Griechenland zunächst eine eingehende Analyse der industriellen Lage vornehmen, um dann zu entscheiden, in welchem Rahmen man Mitglied der europäischen Zollunion werden kann.

Man ist in Athen der Meinung, daß auf die Entwicklungsländer besondere Rücksicht genommen werden müßte, damit nicht das Gegenteil von dem erreicht wird, was man mit der Freihandelszone anstrebt, nämlich die Spaltung in wirtschaftlich entwickelte und unentwickelte Staaten. Insofern glaubt die griechische Regierung mit der Forderung besonderer Sicherungen für das eigene Land nicht nur für die eigenen Interessen einzutreten, sondern im europäischen Sinne zu handeln.