Es gibt heutzutage wenig Wirtschaftszweige, die nicht jede mögliche Gelegenheit ausnutzen, um ihre Zugehörigkeit zu der mittelständischen Wirtschaft zu betonen. Auch die Wirtschafsvereinigung Groß- und Außenhandel Schleswig-Holstein e. V., die in der Vorwoche in Flensburg ihre 11. Jahreshauptversammlung abhielt, vergaß nicht, auf ihre vorwiegend mittelständische Struktur (der 110-Milliarden-Jahresumsatz der 142 000 deutschen Großhandelsbetriebe wird zu 2,5 v. H. von der Hälfte der Betriebe erbracht) hinzuweisen. Diese Hinweise kommen nicht von ungefähr: Im Rahmen der westdeutschen Wirtschafts -und Sozialpolitik repräsentiert der Mittelstand ein wichtiges – und damit gegebenenfalls schutzberechtigtes – Element. Und eine solche Schutzbedürftigkeit besteht für die schleswigholsteinischen Großhandelsbetriebe zur Zeit besonders auf dem Buttergebiet...

"Buttersorgen" hat der Nahrungsmittel-Großhandel im Norden Schleswig-Holsteins, wo die abnorm niedrigen dänischen Butterpreise immer größere Bevölkerungskreise zum Einkauf im nahen Dänemark anlocken. Eine Beschränkung der erlaubten privaten "Importe" auf 1 kg je Person soll Abhilfe schaffen. Doch dürften die im Herbst voraussichtlich ansteigenden dänischen Butterpreise wohl eine bessere Entlastung bringen.

Ernster sind die Sorgen um die Monopolbestrebungen der landwirtschaftlichen Genossenschaften, die sich neuerdings auch im Eierhandel bemerkbar machen. Nach Auffassung des Großhandels ist das Ziel der "Vernichtung" der Großhandelsbetätigung auf dem Buttergebiet "schon weitgehend erreicht worden". Die hier tätige Genossenschafts-Dachorganisation der "BEZ Nordmark" wurde, wie in dem Großhandelsgeschäftsbericht zu lesen ist, lange Zeit durch "Marktordnungsmittel" des Landwirtschaftsministeriums Schleswig-Holstein finanziell unterstützt. Der Kieler "Butterprozeß" gegen einen Großhändler lieferte einiges Material zu dieser Frage – vielleicht das bemerkenswerteste Material vom Nichtvorhandensein klarer Richtlinien über die Zahlung staatlicher Stützungsmittel (gedacht zur Förderung überregionalen Butterabsatzes) an die Antragsteller, zu denen der Angeklagte auch gehörte. Diese Unklarheiten veranlaßten den prozeßführenden Landgerichtsdirektor zu der Bemerkung, daß die Beteiligten im Ministerium "wie die Viehhändler" um die Zuschüsse gehandelt hätten.

Diese Unklarheiten veranlassen die Großhandelsvereinigung zu der Vermutung, daß die "unnatürliche" Geschäftsausdehnung der Buttereinkaufszentrale (BEZ) Nordmark (Verdreifachung des Umsatzes innerhalb von vier Jahren), nachdem sich die BEZ noch 1949 in finanziellen Schwierigkeiten befunden hatte, durch Mittel finanziert wurde, die aus "unbekannten Quellen" stammen: Man fordert schon seit längerer Zeit eine Prüfung, ob Subventionsbeträge die von dem Ministerium gezahlt wurden, nicht für die "Buttermarktordnung", sondern die Ausdehnung des BEZ-Geschäfts auf anderen Gebieten verwendet wurden. Diese Forderung wird im Interesse der Herstellung gleicher Wettbewerbsverhältnisse zwischen Genossenschaftszentrale und Großhandel gestellt. Sie fand bisher taube Ohren. H. St.