Freiburg ist eine Ferienuniversität." Klaus B., Student im 9. Semester, fand diese Formel. Freilich erst, nachdem er mich darauf hingewiesen hatte, daß es weder gründlich noch fair ist, Universitäten auf eine Formel zu bringen. Wir sind so empfindlich.

Doch bleiben wir noch ein bißchen bei der Formel, die ja nicht nur Anschaulichkeit für sich hat. Sie weist auch darauf hin, daß Freiburg eine schöne Stadt in einem schönen Land ist: am Rande des leicht erreichbaren Schwarzwaldes auf der einen, des Rheintales auf der anderen Seite. Sie selber bietet malerische Reste alter Stadtbefestigungen, dekorative Überbleibsel mittelalterlicher Bauten und das Münster, das einzige erhaltene Meisterwerk echter deutscher Gotik.

"Ja, man sollte wohl mehr arbeiten", gestand eine Studentin, die sich ihrem juristischen Abschlußexamen schon bedrohlich näherte. "Aber Freiburg ist so schön. Immer lockt der Schwarzwald, im Sommer zum Wandern, im Winter zum Skifahren. Und die Schweiz ist so nahe ..."

"So nahe", das sind immerhin fünfzig Kilometer bis zur Grenze. "Und wie kommen Sie da. hin?" fragte ich.

"Autostopp. Das klappt immer." –

Freiburg erfreut sich des Rufes, daß unter seinen etwa siebentausend Studenten die jungen Damen besonders zahlreich vertreten sind. Was auch der Grund für eine solche Entwicklung sein mag: sie ist jüngeren Datums, nicht älter als der zweite Weltkrieg – der für die Studenten von heute freilich recht weit zurückliegt. Auch die Stadt zeigt die Kriegswunden nur dem, der Freiburg schon vorher kannte.

Viel älter ist die Universität, die nach ihrem ersten Gründer Albert und nach ihrem Erneuerer Ludwig, also in freundlicher Kupplung des Österreichers mit dem Badener Albert-Ludwigs-Universität heißt. Fünfhundert Jahre alt ist sie jetzt geworden; das heißt, sie wird es eigentlich erst am 21. September, (denn das war der Tag ihrer Stiftung durch Erzherzog Albert VI. von Österreich mit dem Beinamen "der Verschwender"). Aber die 500. Wiederkehr des Geburtstages wurde in der vergangenen Woche gefeiert, da eine Geburtstagsfeier nicht gut während der Semesterferien, also ganz ohne Studenten, stattfinden kann. Die waren ohnehin ein bißchen ins Hintertreffen geraten bei all den Magnifizenzen und Spectabilitäten, den Gönnern und Ehrengästen, welche aus so imponierenden Entfernungen in eindrucksvoller Zahl erschienen waren, um der Fünfhundertjährigen die Ehre zu erweisen und Komplimente in säuberlichem Latein auf noch gar nicht vergilbten Pergamenten zu überreichen. Als dem Tag der großen Empfänge und zahlreichen Ehrenpromotionen (Montag), der Tag der Universität und ihres Festaktes (Dienstag) und zwei Tage der Fakultäten (Mittwoch und Donnerstag) gefolgt waren, hatten sich zum "Tag der Freiburger Studenten" (Freitag) die Reihen der Besucher schon stark gelichtet. Am heranreicht, der das "Große Brack" genannt wird und hinter jenem Luhe-Deich liegt, der dann als Ilmenau-Deich und schließlich als Elb-Deich dien:, diese dort wohnhaften Enten also stehen im Verdacht, daß sie Fischlaich fressen. Und zwar behaupten dies die Sportangler, die nicht nur alle Naturwissenschaft, sondern auch das Große Brack gepachtet haben und die, anstatt ruhevoll und kühl bis ans Herz hinan, wie es doch der Dichter vorschreibt, nach der Angel zu blicken, offenbar stets und ständig nach den Enten hinüberschielen, ob sie vielleicht Fischlaich fressen.