Im letzten Fernseh-"Panorama" stach Chruschtschow sowohl den Verleger Ernst Rowohlt als auch ein Kölner Fräulein aus, das im vorigen Jahr in heiterster Anarchie Königin geworden war, Schönheitskönigin von Weltrang.

Man sah Ausschnitte aus dem aufsehenerregenden amerikanischen Fernseh-Interview der Columbia-Gesellschaft mit dem allmächtigen Parteisekretär aus der Roten Burg in Moskau. Das Interview, dessen politischer Inhalt in der Weltpresse schon ausgeschlachtet wurde, war ja auf Grund fast eines Paradoxons, einer Art Zwangsvollstreckung demokratischer Freiheit, zustande gekommen und dem Weißen Haus in Washington gewiß nicht in jeder Hinsicht angenehm. In der Demokratie haben es, im Gegensatz zu den totalitären Staaten, die Bürger leicht, die Regierungen schwer – so argumentierte der deutsche Fernsehkommentator.

Man sah im Arbeitszimmer des Kreml die Amerikaner, die Chruschtschows Antworten in Übersetzung aus Kopfhörern vernahmen, ihre Fragen zuweilen wie Torpedos gegen ein Panzerschiff loslassen – was Chruschtschow nicht aus der Ruhe brachte. Der wirkliche Zusammenhang von Gespräch, Habitus und Mimik – der ja den höchsten Reiz ausgemacht hätte – erschien für den Zuschauer oft verwischt: über dem fast ganz gedrosselten Russisch Chruschtschows lag das lautstarke Englisch, dazu kam Josef Müller-Mareins deutscher Kommentar, ohne daß man von babylonischer Sprach verwirrunghätte redenkönnen.

Es hätte nahegelegen, auf dem Interview, kommentierend, eine neue Schicht auszubreiten: Standpunkterläuterungen eines westlichen Politikers. Der deutsche Kommentator aber, der von Chruschtschows Anschauungen ähnlich weit entfernt ist wie die Regierung im Weißen Haus, verzichtete weltmännisch darauf. Er wies auf den Witz, die Schlagfertigkeit und die Haltung der Bonhomie hin, die Chruschtschow während des Interviews an den Tag legte. Was in den USA eine Zwangsvollstreckung der Freiheit war – das schien sich hier zu verwandeln in ein "Wir können es uns doch leisten, nobel zu sein". Immerhin ein Augenblick, in dem die Demokratie sich als stark erwies. R. D.

Wir werden sehen:

Montag, 8. Juli, 21.15 Uhr: Eurovisionssendung des Niederländischen Fernsehens aus dem Stadttheater Amsterdam: Ballett der auch in Deutschland bekannten spanischen Tanzgruppe Ximenez–Vargas.

Dienstag, 9. Juli, 20.15 Uhr: "Romeo und Julia" von Shakespeare, Originalübertragung von den Festspielen in Bad Hersfeld, in der Inszenierung des Züricher Intendanten Oskar Wälterlin.