Um es gleich vorweg zu schicken: ich habe nichts gegen make-up. Make-up setzt die Schönheit erst ins rechte Licht, macht das Schöne sozusagen noch schöner.

Diese Einsicht liegt auch dem Arrangement der Ausstellung in Villa Hügel bei Essen "Europäische Bildwerke von der Spätantike bis zum Rokoko", sämtlich aus den ehemaligen Staatlichen Museen in Berlin, zugrunde. Hier werden die alten Skulpturen – romanische und gotische Madonnen, Engel und Heilige, Reliefs und Statuetten, polychromes Mittelalter und materialgerechte Neuzeit – mit den Mitteln moderner Ausstell-Architektur effektvoll in Szene gesetzt.

An sich kein übler Einfall, für ein paar Wochen die kostbaren Figuren ihrer einsamen Würde im Museum oder im Depot zu entfremden, um sie mit frischer Gegenwärtigkeit zu erfüllen. Für ein dauerndes Museum wäre das make-up der bunten Stahlgestänge, gestanzter Blech-Hintergründe, der Spiegeltricks und Spotlights freilich zu grell und zu dick aufgetragen, aber für einen kurzen Sommer läßt man es sich gern gefallen.

Seien wir gerecht und duldsam: die Intendanten dieses Theatrum Sculpturae haben sich etwas Löbliches gedacht und nicht nur gags erfunden. Sie wollten die ehrwürdigen Skulpturen, die früher einmal in Kirchen und Altären ihre kultische Funktion hatten oder das Ergötzen humanistisch gebildeter Kunstliebhaber waren, wieder in ihrem Sinngehalt lebendig machen. Wenn ich ihre Absichten kraß formulieren darf: es geht ihnen um bessere public relations. für die alte Plastik.

Wilhelm von Bode der die berühmte Berliner Skulpturensammlung im 19. Jahrhundert aufgebaut hat, würde sich vermutlich über die Verwandlung seiner Schätze wundern.

Nur in einem Punkte sind sich die Begründer und Treuhänder noch einig: beide faßten die Berliner Skulpturenabteilung als ein Gesamtkunstwerk auf – der erste freilich mit dem Blick des Historikers, der heutige Architekt mit dem des Künstlers, der überzeugt ist, daß die neue Kunst auch die Augen für die alte öffnet. E. Tr.