Der technische Kongreß der International Cargo Handling Coordination Association (ICHCA), zu dem 500 Hafenexperten aus allen Teilen der Welt in Hamburg zusammenkamen, hatte sich eine beachtenswerte Aufgabe gestellt: Er will dazu beitragen, daß die "langsamen" – und deshalb kostspieligen – Häfen endlich der Vergangenheit angehören. Im Seegütertransport hat sich nämlich in den letzten Jahren eine merkwürdige Entwicklung ergeben. Während die Schiffe in den vergangenen fünf Jahrzehnten etwa um die Hälfte schneller geworden sind, dauern die Fahrten auf der gleichen Route heute oftmals länger als damals. Früher verbrachte ein Frachter zwei Drittel seiner Reisezeit auf See und nur ein Drittel in den Häfen; jetzt aber ist es meist umgekehrt, mit dem Ergebnis, daß die Unkosten der Reeder und damit die Transportkosten in einem Umfange gestiegen sind, der für die Weltwirtschaft ausgesprochen unzuträglich ist.

Die vor fünf Jahren gegründete ICHCA ist eine internationale Vereinigung von Industriellen, Reedern, Verkehrsfachleuten, Technikern, Seeleuten, Hafenbeamten, Stauern und Packern aus 56 Nationen, die dem Ziel dient, den Umschlag von Seegütern überall in der Welt zu vereinfachen, also die Frachter in den Häfen schneller zu beladen und auch zu löschen. Allerdings ist diese Aufgabe nur zu lösen, wenn sie auf internationaler Basis angestrebt und die Planung koordiniert wird.

Ursache der aufgetretenen Schwierigkeiten ist die Tatsache, daß in vielen Teilen der Welt – vor allem in den wirtschaftlich wenig entwickelten Ländern – der Ausbau, der Häfen mit dem ständig steigenden Gütertransport nicht Schritt gehalten hat. Leider wird dem einfachsten Weg zur Behebung dieser Mängel, nämlich die Häfen großzügig auszubauen, durch den Kapitalmangel meist ein Riegel vorgeschoben. So müssen also andere Maßnahmen helfen, den Güterumschlag zu beschleunigen. Hierfür Vorschläge zu machen und Ratschläge zu geben, ist eine der wichtigsten Aufgaben der ICHCA, die ihren Sitz in London hat und deren Präsident der französische Reeder Courau ist. In Hamburg standen daher moderne Hafenumschlaggeräte, neuzeitliche Schiffsentwürfe unter besonderer Berücksichtigung des Stauens, Ladens und Löschens, der Behälterverkehr, vereinheitlichte Packmethoden, der Schüttgutumschlag und der Umschlag von Südfrüchten im Mittelpunkt der internationalen Diskussionen, um die Arbeit auf dem Schiff sowie zwischen Schiff und Land zu vereinfachen, zu erleichtern und zu beschleunigen, damit aus "müden" Häfen endlich "schnelle" Häfen werden ...

Daß dieser bedeutsame Kongreß gerade in Hamburg stattfand, hat seinen guten Grund: der Hafen der Hansestadt gilt in der Welt als einer der modernsten; er gehört zu den wenigen anerkannt "schnellen" Häfen, in denen die Frachter ohne jede Wartezeit in Tag- und Nachtarbeit abgefertigt werden. ww