R. St. Bonn, Anfang Juli

Es sind über den Außenhandelskaufmann Hertslet und seine Geschäftsmethoden vielleicht verschiedene Meinungen möglich. Aber einen Mann zum Landesverräter zu stempeln, ohne Beweise dafür zu besitzen, ist doch mehr als verwunderlich. Und das ist im Falle Hertslet leider geschehen.

Die erste Äußerung dieser Art soll sogar in einer Kabinettssitzung gefallen sein. Als es nachher darum ging, Beweismaterial für jene, wie sich herausstellte, nicht beweisbare Anschuldigung herbeizuschaffen, wurde ein zweiter, mindestens ebenso grober Fehler begangen. Eine offizielle Stelle setzte sich ausgerechnet mit dem Dr. Doris in Verbindung, dem früheren Vorsitzenden der für verfassungswidrig erklärten Sozialistischen Reichspartei, um durch ihn in Kairo "Beweismaterial zu sichern", wie es in einem Briefe des Bundesjustizministers heißt.

Wer kam eigentlich auf den Einfall, diesen rechtsradikalen Doris, dessen nationalsozialistische Tendenzen doch seit langem allgemein bekannt sind, zu einem solchen Agentendienst zu verwenden? Was hat Doris dafür bekommen, oder was hat man ihm dafür versprochen? Das von ihm besorgte Material (drei höchst fragwürdige Durchschläge angeblicher Briefe Hertslets an arabische Stellen) hätte vielleicht für den "Volksgerichtshof" des Dritten Reiches ausgereicht, niemals aber für Gerichte der Bundesrepublik. So machte denn auch der Bundesgerichtshof in Karlsruhe kein Hehl aus seiner geringen Wertschätzung dieses "Beweismaterials".

Was sind das für Methoden? Es gibt eine Grenze im Recht, die niemand überschreiten sollte. Wer es tut, nähert sich, ob er es will oder nicht, jenen unheilschwangeren Regionen, in denen eines Tages der Satz verkündet werden konnte: Recht ist, was Deutschland nützt.