Was zu sagen ist, wenn der Gedanke ventiliert wird, aus der Sackgasse des nationalen Inflationismus and Kollektivismus durch internationale Planwirtschaft herauszukommen, ist zweierlei:

Erstens ist zu sagen, daß wir auf diesem Wege (bestenfalls) nur zu einer Integration Europas Kommen können, und zwar zu einer geschlossenen, d. h. dazu, Europa zu einem großen Norwegen oder zu einem großen Labour-Großbritannien zu machen. Wir können internationale Planwirtschaft nur insoweit durchführen, wie wir mit einem internationalen Staat rechnen können, der, wie in der Planwirtschaft notwendig, diese Wirtschaft politisch dirigiert. Internationale Politisierung des Wirtschaftslebens bedeutet also, daß nunmehr die (internationale) Wirtschaft von einer internationalen Regierung gelenkt werden muß. Ein europäischer Staat ist das Äußerste, was man erwarten kann. Also können wir auf diesem Wege der internationalen Planwirtschaft im allerbesten Falle nur zu einer Art europäischem Großraum gelangen; zu einem europäischen Block, der sich nunmehr zur übrigen Welt so verhält, wie Norwegen heute zu den übrigen Ländern Europas.

Das zweite, was hier zu sagen ist, ist auch offenbar: Die Aussichten, einen solchen auch nur auf Europa beschränkten Staat zu verwirklichen, sind an sich schon denkbar gering: sie schrumpfen nahezu auf Null zusammen, wenn es sich darum handelt, einen solchen Staat zu gründen zu dem Zwecke, das europäische Wirtschaftsleben so zu dirigieren, wie das norwegische von Oslo und wie bis vor kurzem das englische von London aus dirigiert worden ist.

Denn wir brauchten dann eine europäische Regierung, eine europäische Behörde, die eben aufs höchste zentralisiert und daher das genaue Gegenteil jener Form des europäischen politischen Zusammenschlusses ist – jener lockeren Form, von der alle Vertreter der europäischen Union wissen, daß sie die einzige ist, in der ein solcher Zusammenschluß Europas überhaupt verwirklicht werden kann.

Der Fortschritt, der in der europäischen Wirtschaftsintegration erreicht worden ist – und er ist sehr erheblich, niemand leugnet das –, ist in erster Linie dem Umstände zu verdanken, daß ein Land nach dem anderen, nicht zuletzt unter dem Eindruck des spektakulären Erfolges der nichtinflationären deutschen Marktwirtschaft, nunmehr den Kurs geändert hat: hinweg vom Kurs der inflationären Planwirtschaft auf mehr und mehr Marktwirtschaft und Monetärdisziplin. Ohne diese Kursänderung auf nationaler Ebene wäre der internationale Fortschritt in Europa ganz gewiß unmöglich gewesen – wobei ich die außerordentlichen Dienste keineswegs gering achten will, die dieser Re-Integration geleistet worden sind durch die Institution der OEEC, der Europäischen Zahlungsunion und der Politik der Liberalisierung. Ich darf dieses Lob auch deshalb aussprechen, weil es sich bei der Politik der OEEC, die ja ganz Europa diesseits des Eisernen Vorhangs umfaßt, und noch ein wenig mehr als dieses Europa, um eine Politik handelt, die in der Wirtschaftsintegration zwar mit Europa beginnt, aber doch die Möglichkeit offenläßt, diese Wirtschaftsintegration durch Konvertibilität der Währung, Liberalisierung der Einfuhr, Abschaffung der Quantitativkontrollen auszudehnen auf die übrigen Kontinente. Nichts steht dem im Wege, daß wir die Europäische Zahlungsunion durch ständige Erhöhung der Goldquoten hineinwachsen lassen in ein immer universaleres, freieres, der freien Konvertibilität ähnlicheres System. Und auch die Liberalisierung ist eine Politik, die, nachdem sie zunächst nur gegenüber den Mitgliedsstaaten der OEEC durchgeführt worden ist, mehr und mehr auf die Länder außerhalb Europas ausgedehnt werden kann und ja auch ausgedehnt worden ist. Nur auf dieser Basis, glaube ich, ist es sinnvoll und fruchtbar, das Projekt des Gemeinsamen Marktes, das nunmehr zur Diskussion steht und jetzt der Verwirklichung harrt, zu erörtern.

Da zum Lobe des Gemeinsamen Marktes genug gesagt wird, so halte ich es für meine Aufgabe, das Kritische hervorzuheben – nicht mit der Absicht, die Idee umzubringen, sondern mit der Absicht, auf die kritischen Stellen, auf Gefahrenpunkte aufmerksam zu machen, auf die man achten soll.

Es sind drei kritische Punkte, die hervorgehoben werden müssen. Der erste Punkt ist, was ick das Doppelgesicht des regionalen Freihandel; nennen möchte. Was beabsichtigen wir, wenn wir solche Dinge wie den Gemeinsamen Markt oder den weiteren Plan der Freihandelszone verwirklichen wollen? Wir wollen ein Plus an wirtschaftlich vernünftigem Handel, eine rationellere Arbeitsteilung, eine größere Wirksamkeit der internationalen Konkurrenz und damit eine Erhöhuni der Produktivität der Wirtschaft Europas, eine Wahrung des europäischen Wohlstandes.