Die alten Tanten an der Ruhr hatten Hochsaison. Ein Generaldirektor stürzte von seinem hohen Sessel, und eine Klatsch-Welle, mit tausend fetten Stories, entstand. Die fetteste fand Eingang in eine große Tageszeitung. Sie berichtete, dem Sinn nach, daß der Vorsitzer des Vorstandes der Phoenix-Rheinrohr AG, Vereinigte Hütten- und Röhrenwerke, Düsseldorf, Dr. h. c. Fritz Aurel Goergen, sein Amt niedergelegt habe, weil er im Testament der Großaktionärin, Frau Amelie Thyssen, nicht als Miterbe eingesetzt worden sei. Wir haben selten einen solch herrlichen Unsinn aus der Kaffeetasse von Tante Minchen kredenzt erhalten.

Das Kommuniqué über das Ausscheiden Goergens zum Ende des Geschäftsjahres besagt, daß erhebliche Meinungsverschiedenheiten zwischen Vorstand und Aufsichtsrat vorgelegen hätten. Diese Mitteilung ist vollinhaltlich richtig. Eingeweihte kennen Umfang und Ernst dieser Differenzen, die sich jedoch praktisch nicht auf die Geschäftsführung und die Firmenpolitik bezogen, sondern auf einem anderen Gebiet liegen. Mit Goergen verliert die Ruhr einen ihrer markantesten Topmanager aber auch einen überaus robusten Mann, der sich nicht scheute, wenn er es für gut. hielt, die Hemdsärmel hochzukrempeln. Oft schien dies nötig – aber es war nicht immer richtig.

Goergen hat jedenfalls in den zehn Jahren, in denen er die Geschicke der entflochtenen Phoenix und später der fusionierten Phoenix- und Rheinrohrbetriebe führte, einen überdurchschnittlichen Wiederaufbauerfolg erreicht und seine zielklare Investitionspolitik den geschäftlichen Möglichkeiten eingeordnet. lt.