Der Sieg der Deutschen National-Reitermannschaft – Fritz Thiedemann auf Meteor, Hans-Günther Winkler auf Fahnenjunker, Alfons Lütke-Westhues auf Ala und Alwin Schockemöhle auf Bacchus – im Preis der Nationen während des letzten großen Internationalen Reitturniers in Aachen, rief die Erinnerung an die großen Zeiten des deutschen Reitsportes zwischen den beiden Weltkriegen wach. Nicht weniger als 38 Nationenpreise, gegen die besten Vertreter der Welt gewonnen, waren damals das Ergebnis einer wohldurchdachten und streng geführten Vorbereitung und eines klugen Einsatzes der Kräfte. Auch der letzte schöne Erfolg in Aachen ist darauf zurückzuführen, der im Kampf gegen den Verteidiger des Wanderpreises des Deutschen Bundespräsidenten, Brasilien, und gegen die Mannschaften von Spanien, Dänemark, Belgien, Polen, der Schweiz und der Türkei errungen wurde. Erst seit fünf Jahren sind wir wieder zu den großen Wettbewerben des Internationalen Reitsportverbandes (FEI) zugelassen. Dreiunddreißigmal traten wir seitdem zu einem Nationenpreis an und konnten sechsmal als Sieger den Turnierplatz verlassen, darunter im vergangenen Jahre in Stockholm zudem als Olympiasieger.

Was die etwa 45 000 Zuschauer bei dem schweren Springen in Aachen zu sehen bekamen, war allererste Klasse, ob es sich nun um die Leistungen der siegreichen deutschen Mannschaft oder der unterlegenen Gruppen handelte. Das geht auch aus dem Punktresultat hervor: Deutschland 8 Fehler, Brasilien 28 und Schweiz 64 Fehler.

Doch es blieb in den Springkonkurrenzen nicht allein bei diesem Erfolg. Auch der am Schlußtag des Turniers ausgetragene Große Preis von Aachen, eines der schwierigsten europäischen Jagdspringen überhaupt, wurde ein Sieg der deutschen Reiter. Mit seiner unvergleichlichen Stute Halla holte sich Hans Günther Winkler im vierten Stechen endlich den wertvollen Ehrenpreis gegen Alwin Schockemöhle auf Bacchus, der diesen Anstrengungen nicht mehr gewachsen war. Vorher waren unter anderen schon so hervorragende Könner wie Raimondo d’Inzeo, Italien, Francisco Goyoaga und Fritz Thiedemann auf der Strecke geblieben. Noch zehntausend Zuschauer mehr als am Tage des "Preises der Nationen" wohnten diesem erregenden Kampf von Reitern und Pferden bei.

Das Turnier des Aachen-Laurensberger Rennvereins bot auch in den anderen Konkurrenzen hervorragenden Sport. In den schweren Dressurprüfungen errang Rosemarie Springer aus Hamburg auf ihrer Trakehnerstute Thyra den Sieg und den Ehrenpreis des Bundeskanzlers. Insgesamt konnte sie vier der sechs internationalen Dressurprüfungen gewinnen. Ihr größter Erfolg war zweifelsohne der erste Platz in dem Großen Dressurpreis am letzten Tage des Turniers. Nur selten wohl hat sich Thyra in einer so großartigen Form präsentiert wie diesmal in Aachen, und ihre Besitzerin und Reiterin tat auch ihr Bestes, um ihr Pferd in vollkommener Ruhe und überzeugender Ausgeglichenheit vorzustellen.

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Inzwischen sind nun Reiter und Pferde vom Rhein an die Elbe gezogen. In Hamburg-Groß-Flottbek haben die Kämpfe um das Deutsche Spring-, Dressur- und Fahrderby angefangen. Die Veranstaltung wird bis zum Sonntag dauern, an dem der Endkampf des Spring-Derbys ausgetragen wird. Jeder Tag bringt mindestens eine wichtige Entscheidung. Gestern war die Hamburger Schuljugend zu Gast, die gern und dankbar von der Möglichkeit Gebrauch machte, sich auch einmal (kostenlos) ein Reitturnier anzusehen. Auch hier werden wieder die Weltmeister der Springreiter, Raimondo d’Inzeo, Italien, Goyoaga, Spanien, mit dem deutschen Olympiasieger Hans-Günther Winkler und Fritz Thiedemann zusammentreffen, der bisher als einziger nach dem Kriege dreimal das Spring-Derby gewann.

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