Dumpf grollender Donner war der Salut für den Sieger, und der Regen, nun ja, er verdarb den Veranstaltern des 29. Deutschen Spring-Derbys 1957 wieder einmal (wie schon so oft) das Konzept. Er verwandelte das Geläuf des Turnierplatzes in Hamburg-Klein-Flottbek in einen wahren Morast und in achte den Ritt über die 17 Hindernisse mitihren 24 Sprüngen zu einer recht tückischen und gefährlichen Angelegenheit Aber der Tüchtigkeit der Reiter entsprach die Passion der 25 000 Zuschauer. Sie hielten treu und brav, meist bis auf die Haut durchnäßt, und manche waren darunter, die bei dem Andrang kaum ein Pferd sahen, bis zu dem Augenblick aus, da im Stechen über sieben teilweise erhöhte Hindernisse der 20jährige oldenburgischeBauernsohn Alwin Schockemöhle auf dem Schimmel "Bacchus" fehlerlos über die Bahn ging und damit den Sieg in diesem wohl schwersten Jagdspringen der Welt errang. Auf der Strecke waren vorher die Besten der internationalen Spitzenklasse geblieben: Winkler, d’Inzeo (Italien), Goyoaga (Spanien), Lütke-Westhues, und im Finale mußte dann auch Fritz Thiedemann daran glauben, der sich neben der Spanierin Paula Elizalde auf "Alpenjäger" mit zwei Pferden ("Godewind" und "Finale") bis zum Entscheidungslauf durchgekämpft hatte. Diese drei Reiter standen mit je vier Fehlern an der Spitze der beiden Umläufe und mußten nun um den ersten Platz stechen. Und da lächelte als Einzigem das Glück dem jungen, tüchtigen Mann aus Mühlen, der klug und energisch seinen siebenjährigen Schimmel über die vielen Oxer, Mauern und Ricks brachte, ohne einen einzigen Fehler zu machen. Mit diesem Erfolg hat Alwin Schockemöhle, der sich erst seit kurzer Zeit den Springreitern zugesellt hat, gleichfalls Anschluß an die Weltelite gefunden, und das Pferd "Bacchus" muß nun auch zu unseren besten Springpferden gezählt werden.

In dem Deutschen Dressur-Derby war das beste Pferd ohne Zweifel die Trakehner Stute "Thyra", die der Hamburgerin Rosemarie Springer gehört und vornehmlich natürlich auch von ihr geritten wird. Der beste Reiter aber war (wieder einmal) Willi Schultheis, an dessen reiterliches Können die übrigen drei Teilnehmer, Rosemarie Springer, R. W. Fritz und W. Biedermann nicht heranreichten. Der Reiz des Endkampfes, in dem jeder Konkurrent auch das Pferd seiner Gegner vorzustellen hatte, bestand darin, daß Schultheis nicht nur der Lehrer von Frau Springer und Herrn Fritz, sondern auch der Ausbilder ihrer Pferde "Thyra" und "Heraldik" ist. Kein Wunder, daß er, der nun schon zum drittenmal hintereinander diese Dressurprüfung gewann, auf allen vier Pferden die beste Figur machte und auch alle vier Pferde am vorteilhaftesten und geschicktesten vorstellte.

In den letzten vier bis fünf Jahren hat sich der Besuch dieser reizvollen reiterlichen Veranstaltung gewiß um das Vielfache erhöht. Wie hat der Veranstalter darauf reagiert? Es gab, wie gesagt, viele Unglückliche, die ihr gutes Geld an die Kassen getragen hatten, ohne überhaupt ein Pferd zu sehen. Nur wer direkt an den Barrieren stand, oder die genügende Ellbogenfreiheit besaß und sich, ohne Rücksicht auf seinen Nachbarn, einen einigermaßen günstigen Platz erboxte, kam dazu, die Parcours zu verfolgen. Die überwiegende Mehrzahl der Zuschauer erhaschte nur ab und an etwas von dem, was sich auf dem Geläuf abspielte. Die Hausherren von Klein-Flottbek müssen nun endlich etwas für die Anlage guter Zuschauerplätze tun, so daß auch die Besucher der Sattelplätze genügend Sichtmöglichkeiten haben. Oder man darf oben nicht so viele Menschen auf den Platz lassen oder nicht die Preise fordern, die heute gefordert werden.

Bei der S-Bahn und der Hamburger Hochbahn-AG hatte man sich erstaunlicherweise gar nicht auf dieses bedeutende Ereignis eingestellt. Diese beiden •Verkehrsinstitute hatten keinerlei Sondermaßnahmen als Dienst am Kunden getroffen, und so endete die Rückkehr in die Stadt für Nicht-Autobesitzer in einem großen Gedränge. Die Hamburger dürfen sich nicht wundern, daß unter diesem immer wieder zu beobachtenden Versagen die Sportverbände nur ungern wichtige Sportfeste in die Hansestadt legen.

Zu den Merkwürdigkeiten im Sport gehört es, daß in gewissen Sportdisziplinen zwei deutsche Meister gekürt werden können. Der eine nennt sich nationaler Meister und hat seinen Titel im Kampf gegen seine Landsleute gewonnen. Der andere darf sich internationaler deutscher Meister nennen, weil er den Sieg nicht nur gegen seine Landsleute, sondern auch gegen Ausländer errungen hat. Welcher nun der deutsche Meister ist, bleibt offen. Kürzlich trafen sich zwei dieser weiblichen Meister des Golfs bei den "Internationalen Deutschen Golfmeisterschaften der Amateure" in Köln, in denen der "nationale Meister", die Wiesbadenerin Frau Buckup, bereits in einer der Vorrunden ausscheiden mußte.

Fast sieben Stunden später mußten die Teilnehmerinnen an der Endrunde der Damen, die Kölnerin Lieselotte Strenger und die Engländerin Elizabeth Price, über den Golfplatz von Refrath bei Köln wandern, ehe die Entscheidung fiel. Die Spielerin mit den besseren Nerven behielt die Oberhand, und das war wieder einmal die 44jährige Kölnerin, die sich damit zum fünftenmal den Titel holte. Bei den Herren standen sich im Finale die in England lebenden Amerikaner Harold Ridgley und Gene Eyler gegenüber. Nach schnellem Spiel siegte Ridgley auf dem 31. Grün überlegen mit 6 : 5, nachdem er zeitweilig sogar mit acht Löchern in Führung gelegen hatte.

Am Freitag beginnt in Hamburg der 18.Deutsche Sportärzte-Kongreß, zu dem viele bekannte deutsche und ausländische Mediziner in die Hansestadt gekommen sind. Auf dem Programm der Tagung stehen Themen, die für die kommende Zeit der Automation und der Fünftagewoche von Bedeutung sind. Den Festvortrag am Eröffnungstag hält Professor Dr. med. h. c. Carl Diem über "Sport im Alter".