DIE ZEIT

Polens Reformen bleiben stecken

Ministerpräsident Cyrankiewicz beklagte kürzlich in einer Rede die „Atmosphäre von Demoralisation“ die in Polen herrscht. Er sprach von der „leider sich in unserer Arbeit verbreitenden Unsorgfältigkeit“, von der „wachsenden Gleichgültigkeit gegenüber der Korruption“, von der Notwendigkeit des Kampfes gegen „Spekulation, Diebstahl, Bestechung, Umgehung von Gesetzen und Verordnungen“.

Die zwölf Thesen

Es war gewiß nur Zufall, daß die Unterzeichnung der Berliner Erklärung im Schöneberger Rathaus gerade am Geburtstage Ernst Reuters stattfand.

Rumäniendeutsche

Seit Monaten bemüht sich das Deutsche Rote Kreuz vergeblich um die Rückführung von 8000 Rumäniendeutschen nach der Bundesrepublik.

Meine Meinung, deine Meinung

Bei den Filmfestspielen in Berlin gelangte auch ein peruanischer Filmstreifen zur Aufführung, der – wie viele meinten – in übermäßig realistischer Weise Stierkampfszenen zeigt.

ZEITSPIEGEL

Die syrische Tageszeitung Al Ayam veröffentlichte einen offenen Brief, den siebzehn syrische Studenten, die in Ostberlin studieren, an das syrische Erziehungsministerium gerichtet haben.

Die deutschen Länder und die Nabelbinde

Es war nur auf den ersten Blick ein abseitiges Thema, auf das Josef Müller-Marein kürzlich im Rahmen seiner "Panorama"-Fernsehsendung ein Schlaglicht warf.

Strafe für Harichs Freunde

Wer in den Sommermonaten des vorigen Jahres in Ostberlin auf Künstler oder Journalisten traf, die dem Regime treu aber nicht kritiklos verbunden waren, dem wurde gern der „Sonntag“, die Wochenzeitung des Kulturbunds, in die Hand gedrückt.

Offiziere werden abgefunden

Die im April angekündigte Umstellung der britischen Armee wird jetzt in Angriff genommen. Der gesamte Mannschaftsbestand des Heeres, der Marine und der Luftwaffe soll in den nächsten fünf Jahren von 720 000 auf 350 000 Mann, also auf die Hälfte reduziert werden.

Die Royal Air Force im Einsatz

Seit knapp drei Wochen ist der Mittlere Osten um einen neuen heißen Punkt bereichert. Die Auseinandersetzung zwischen Sultan Said Bin Taimur, dem britenfreundlichen Herrscher des am Persischen Golf gelegenen Sultanats von Muskat und dem gegen ihn rebellierenden Imam von Oman hat Großbritannien zur bewaffneten Intervention veranlaßt.

Bayern: Becher dementiert

Von dem bayrischen Landtagsabgeordneten Dr. Walter Becher, München, geht uns auf den Münchener Bericht „Wer aber unterwandert wen?“ in der ZEIT vom 25.

Sachsen: Regen öffnete Gräber

Die Verheerungen, die wolkenbruchartige Regenfälle im östlichen Erzgebirge und in der Sächsischen Schweiz anrichteten, sind die schwersten seit 30 Jahren.

Ein Vorschlag zur Funk-Ordnung

Die Rundfunkteilnehmer in der Bundesrepublik zahlen monatlich durchweg die gleiche Summe: Zwei Mark; man sollte daher annehmen können, daß alle dafür auch die gleichen Leistungen erwarten können.

Niedersachsen: Posthorn in der Heide

Wer demnächst in der Lüneburger Heide wanden darf gewärtig sein, daß er eine zweispännige Postkutsche zu Gesicht bekommt, auf dem Bode ein gelb-rot uniformierter „Schwager“, der das Posthorn bläst.

Die Ruhr entspringt nicht mehr

Stets pilgern Scharen von Reiselustigen hinauf ins Sauerland, das ‚Land der tausend Berge‘, und nicht wenige von ihnen besuchen die Ruhrquelle, nahe Winterberg, der westdeutschen Ski-Metropole.

Schleswig-Holstein: Happy-End für Nackedei

In Westerland kann man wieder „Abessinien-Postkarten“ kaufen, allerdings mit einer Einschränkung: nur „unterm Ladentisch“. Ob der Badegast diese Ansichtskarten von nackten „Abessinien“-Anhängerinnen aber auch seinen Freunden nach Hause senden darf, darüber ließ sich jedoch das Westerländer Amtsgericht, das kürzlich mit der Einstellung des Verfahrens gegen viele Westerländer Händler den Schlußstrich unter eine vielbesprochene, vielbelächelte und vielbelästerte Affäre zog, nicht aus.

Berlin: Wie wird man Agent?

Als ich eine neue Stellung suchte, inserierte ich unter Hinweis auf meinen journalistischen Beruf in einer großen westdeutschen Tageszeitung.

Ihm strömt die Fülle zu

Werner Schmalenbachs Einführungen zu den Katalogheften der Kestnergesellschaft gehören zum allerbesten Schrifttum über die Kunst der Gegenwart.

Bayreuth und der Spuk der Familiendynastie

Die Bayreuther Festspiele verzeichnen einen Publikumserfolg, der alle künstlerischen Einwände niederzuschlagen scheint. Im vorigen Jahr hatten sich gegen Wieland Wagners „Meistersinger-Inszenierung laute Proteste sogar im Zuschauerraum erhoben.

Nur klein, aber ...

Nur eine kleine liberalistische Gruppe vertritt heute den Standpunkt, daß der „Bezugscheinsozialismus“ oder die „Befehlswirtschaft“, wie das heutige überspannte Bewirtschaftungssystem genannt wird, völlig abgeschafft werden könnte und sollte .

Weiße Neger möglich?

Paris hat seine Sensation – ohne Skandal, ohne Blutvergießen, ohne Dispute, ohne Anteilnahme der Stadt. Doch wenn die Sagan, Ben Bella und die „Pasteur“ längst vergessen sind, werden die Schulkinder in aller Welt vielleicht den Satz einpauken: „1957 gelang Benoit die erste vererbbare Artveränderung durch Injektion von DNA“, und man wird dies wissen müssen wie die Mendelschen Gesetze.

Der seelische Ratgeber

Sie lobten mich zu Wenzel Wittko hinüber, dem seelischen Ratgeber unserer Zeitschrift, und sie machten mich zu seinem Gehilfen.

Feinschmökerei

Im Akademietheater – der Filialbühne des Burgtheaters – gab es eine ungewöhnliche Premiere: eine Hofmannsthal-Uraufführung, 40 Jahre nach der ersten Veröffentlichung des Werkes, 28 Jahre nach dem Tode des Dichters.

ZEITMOSAIK

Die Anreden „Mein Herr“ und „Gnädige Frau“, die seit Beginn des kommunistischen Regimes in Ungarn streng verpönt waren, dürfen nun wieder gebraucht werden.

Nevil Shutes Mißverständnis

Weitab von aller lärmenden, zivilisierten Umwelt, in der Wüste jenes Landes mit Zukunft, das man Australien nennt, müßte es doch noch möglich sein, wirklich in Ruhe einen schönen, packenden Zukunftsroman zu schreiben.

Seller-Teller: Juli 1957

Man erinnert sich: am Ende jeden Monats erkundigen wir uns bei führenden Buchhandlungen unserer Großstädte nach den Büchern, die in den abgelaufenen Wochen am zahlreichsten verkauft wurden.

Friede mit der Sprache

Als Martin Heidegger schon vor dem Krieg seine Hölderlin-Interpretation veröffentlichte, als er 1950 in den „Holzwegen“ Rilke deutete, da war selbst Bewunderern des genialen Philosophen klar, daß der große Mann hier große Sünden beging.

Anarchie oder Diktatur?

Wie der letzten Ausgabe des sowjetzonalen Irtelligenzblattes „Sonntag“ zu entnehmen ist, hat der westdeutsche Schild-Verlag sich Li einer Werbeschrift empört gegen die „anarchische Flut“ auf dem Buchmarkt gewandt und gleichzeitig seine Publikationen empfohlen, „anständige deutsche Literatur, die in keinem deutschen Haus fehlen sollte“.

Stimmen der Stille

Als vor einigen Jahren der erste Band seiner „Psychologie der Kunst“ mit dem Titel „Da; imaginäre Museum“ in deutscher Übertragung erschien, war der Autor André Malraux bei um mehr als politische denn als literarische Persönlichkeit bekannt.

Zwischen Weiß und Farbig

Weiße und farbige Politiker und Gelehrte kauen heutzutage angestrengt auf Erläuterungen über die verfahrene Situation zwischen Weiß und Farbig herum.

Fluchtquote erfüllt

Fluchtquote erfüllt. Von 100 Polen, die eine „Gesellschaftsreise“ in den Westen machen, bleiben häufig zehn oder 15 gleich dort, so kommentierte das amtliche polnische Reisebüro, als kürzlich wieder zwölf Teilnehmer einer aus hundert Polen bestehenden Reisegesellschaft auf einer Fahrt nach Österreich beschlossen, nicht mehr nach Polen zurückzukehren und die österreichischen Behörden um Asyl zu bitten.

Warum nicht in die französischen Alpen?

Frankreich –, das ist für den deutschen Touristen Paris und die Côte d’Azur, ein bißchen Burgund vielleicht noch, die Kathedralenstädte, die Schlösser an der Loire.

Notizen für Reisende

Smörrebröd – wie lange noch? Hauptattraktion für alle Besucher Dänemarks, der berühmte Kalte Tisch mit den dick belegten „Smörrebröd“, scheint durch erneute steuerliche Belastung der Gastwirte zu verschwinden.

Das Schiefe lockt

Man spricht immer von Pisa, wenn von einem schiefen Turm die Rede ist. Das hören die Pisaner nicht ungern. Sie haben in ihrer Stadt zwar eine Fülle schöner und interessanter Besonderheiten von gestern und vorgestern, aber das dem Architekten Bonnano mißglückte Bauwerk, eben der „Schiefe Turm“, wirkt seit Jahrhunderten schon als besonderer Magnet für Fremde.

Hauffs Wirtshäuser

Mindestens drei Gasthöfe des Hochspessart behaupten, das Urbild von Wilhelm Hauffs „Wirtshaus im Spessart“ zu sein. An Abgelegenheit, Walddunkel, Wiesenstille und wildreichem, vor allem wildsaureichem Hintergrund nehmen sie es heute noch mit dem Original auf.

Volle Freiheit für die Kapitalausfuhr

Bundeswirtschaftsminister und Bank deutscher Länder schicken sich an, nunmehr auch die letzten administrativen Verbote auf dem Gebiete der Kapitalausfuhr zu beseitigen.

Auf einen Blick ...

Eine gute Nachricht für Angestellte, die ein Bruttogehalt zwischen 750 und 1200 DM beziehen, also nach den neuen Rentengesetzen versicherungspflichtig sind: Eine Befreiung von der Sozialversicherung ist für die noch nicht 50jährigen nur durch den Abschluß einer gleichwertigen Lebensversicherung bis zum 30.

Preise bleiben konstant – Leistung ist verbessert

Zwei Beobachtungen lassen sich beim Betrachten der neuen Rundfunk- und Fernsehempfänger für den Verkaufsabschnitt 1957/58 jetzt machen: Während das Rundfunkgerät äußerlich einer „mittleren Moderne“ mit einigem Prunk zusteuert und noch mehr Bedienungsfeinheiten als bisher aufweist, scheint sich der Fernsehempfänger zum sachlichen Gebrauchsmöbel zu entwickeln.

Allerdings: sehr „roh durchdacht“!

Wenn der Bürgermeister einer der bedeutendsten deutschen Städte ankündigt, daß er einen „kleinen konstruktiven Beitrag“ geben werde, „zur Behebung unserer Sorgen“, – dann darf er ja wohl der Aufmerksamkeit aller Hörer gewiß sein.

Wieder Schiffbaukonkurrenz

Die Entspannung, die nach der Freigabe des Suez-Kanals auf den internationalen Frachtenmärkten eingetreten ist, blieb auch bei den Werften nicht ohne Auswirkungen.

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