Da es eine der Funktionen von Literatur ist, Spiegel unserer Welt zu sein, findet sich im literarischen Teil einer Zeitung manches Buch ein, demgegenüber eine Rezension üblichen Stils ziemlich hilflos wäre. So ging es uns mit jenem prächtig ausgestatteten Band, der „Begegnungen mit Rosen“ schildert, Begegnungen für Liebende also. Wir haben ihn an Professor Dr. h. c. Karl Foerster-Bornim geschickt, einen König in der Welt der Rosenzüchter, und ihn um eine angemessene Würdigung der Arbeit gebeten.

Man denke sich die Rose fort aus der Welt – mehr als eine Blume, ein Gipfel irdischer Dinge würde fehlen. Bildsamer vielgestaltiger Wunderstrauch, abgerückt von allen Pflanzen der Erde, aber den Menschen näher als alle! Kein ander Ding trägt in sich solche Spannweiten von zäher Kraft und feierlicher Zartheit, von fakirhafter Genügsamkeit und königlicher Verschwendung, von kostbarer Einzelschönheit und südlicher Überfülle, von unverwüstlichem irdischen Frohsinn und nach oben weisender Vollendung. Welche Plätze auch die anderen Hochgebiete des Blumenreiches in unserem Innern einnehmen mögen, immer gleicht das Reich der Rose einem Gebirgsgipfel, der alles überragt, einem Urmaß, an dem sich die Eigenart und Schönheit der anderen mißt.

Rosenglück ist wie eine Warte über allen Blumenfreuden, ein Hafen, in dem unser Gartenglück zu hoher Ruhe kommt. Von der Rose fühlen wir uns anders angeredet als von anderen Blumen. Sie wendet sich an etwas Überpersönliches in uns, scheint uns eine Allwisserin um den Menschen. Unsere Freude fühlt sich im Chor der Freuden anderer; vom Reich des Eros trennt sie keine Grenze.

Solche Gedanken kommen mir bei dem Buch: Alma de l’Aigle: „Begegnung mit Rosen.“ Hanseatische Druckanstalt, Hamburg. 337 S., 19,80 DM

Dies Buch ist ein völlig neuer Typ unter den Rosenbüchern. Hier wird der Rose bis in alle Einzelheiten des ungeheuren, fast unübersehbaren Reiches Zeile für Zeile „auf höchster Ebene“ begegnet! Die Gutlaunigkeit, noch besser gesagt: die Euphrosyne entspricht ganz und gar dem göttlich schönen Gegenstand.

Die Beschwingtheit aber ist ständig mit eindringlichster Sachkunde verbunden. Ein universaler Geist ist bis in die unscheinbarsten Nebenbemerkungen ständig spürbar.

Die kritische Begeisterung im Gegensatz zur naiven sorgt für ein wohltätiges Maß des Ausdrucks, dem man um so lieber die ekstatische Äußerung über die höchsten Glanzpunkte des Rosenwesens glaubt. Der Leser befindet sich in einem Zustand ununterbrochenen wohltätigen Lernens und findet seine eigenen Erlebnisse und Unterscheidungen in so endgültigen Wortfassungen verkörpert, daß ihm ein fortwährendes neues Besitzergreifen geschenkt wird. Kenner und Nichtkenner kommen aus der Überraschung nicht „heraus.