DIE ZEIT

Der Sonderzug

Daß Adenauer für seine Wahlreisen einen Sonderzug benutzt, erregt Ärgernis bei den Oppositionsparteien. Es ist zweifellos deren Recht und Pflicht, die Regierung zu kontrollieren, nicht nur bezüglich der politischen Richtung, sondern auch hinsichtlich der Leistungen und Aufwendungen, selbst wenn ein Richtungsmaßstab nicht angelegt werden kann.

Wenn die SPD verliert...

Die Wahlkampagne ist in ihre Endphase eingetreten! In wenigen Wochen werden wir wissen, wer die neue Regierung bildet und wie das neue Parlament zusammengesetzt sein wird.

Ein k.u.k.-Denkmal

Als vor ein paar Jahren Kaiser Haile Selassie zu einem Staatsbesuch in Wien weilte, da äußerte er bereits am ersten Tage den Wunsch, am Denkmal des letzten großen Habsbürgers, Kaiser Franz Joseph I.

Ein Mann gegen Tito

Der Einmann-Kreuzzug des Karmelo Jurissewitsch gegen Marschall Tito und den Kommunismus Belgrader Prägung hat vor den Maschinenpistolen einer jugoslawischen Grenzstreife ein jähes Ende gefunden.

Nach der Teilabwertung

Die Absicht des französischen Finanzministers Felix Gaillard, seinen Landsleuten die Abwertung schonend, das heißt in Dosen beizubringen, ist vorerst aufs beste geglückt.

Peinlich!

Malenkow ist ein Mann, mit dem man reden kann“, soll Adenauer in einem Interview mit der amerikanischen Zeitschrift Look gesagt haben.

Kampfgenosse Lenins

Gustav Hilger ist ununterbrochen von 1918 bis 1941 in Moskau gewesen, erst für das Rote Kreuz und dann seit 1923 bei der Deutschen Botschaft.

Verweichlichte Jugend

Eine sechs Disziplinen umfassende Reihenprüfung auf physische Leistungsfähigkeit, durchgeführt bei 5000 amerikanischen Kindern im Alter von 6 bis 16 Jahren, ergab, daß 60 v.

Wallfahrt oder Wahlfahrt?

In der Schweiz hat der Volkswitz den Wallfahrtsort Sachseln im Halbkanton Oswalden in Wahlfahrtsstätte Sachseln umgetauft. Fast täglich treffen Pilgerzüge aus der Bundesrepublik ein, um Fürbitte für einen guten Wahlausgang beim Bruder Klaus, „dem schweizerischen Nationalheiligen“, einzulegen.

ZEITSPIEGEL

Auf einer Autoreise durch Polen und die Tschechoslowakei wunderte sich der Times-Korrespondem Peter Fleming über die feindliche Haltung der Bevölkerung gegen ihn und sein Auto, das, wo immer es hielt, unfreundlich betrachtet und oft sogar angespuckt wurde.

Aus alt mach neu

In Vorbereitung der fast alle Jahre fälligen „Berichtigung“ der Geschichte der Sowjetunion haben die sowjetischen Obersten Sergejew und Andrejew zum Gebrauch der Moskauer Parteipropagandisten eine Broschüre verfaßt, in der Malenkow, Molotow und Kaganowitsch nicht mehr wie bisher unter den „großen Führern des vaterländischen Krieges“ figurieren, obwohl sie alle drei Mitglieder des zu Beginn des Krieges gebildeten Verteidigungskomitees waren – Molotow sogar dessen Vizepräsident.

Die Tschechen suchen Kontakt

Überraschend freundlich und unvoreingenommen wird der Reisende aus der Bundesrepublik in der Tschechoslowakei empfangen. An die ostzonalen Delegationen und Touristengruppen, die im Austausch für tschechische Ostseereisende durch das Land gegängelt werden, sind die Tschechen längst gewöhnt.

BHE: kein Verzicht auf Memel

Die im Grundgesetz verlangte Regelung der Mitwirkung der Parteien an der politischen Willensbildung durch ein Bundesgesetz ist von den ersten beiden Bundestagen nicht vorgenommen worden.

CDU: Eigentum und Selbstverantwortung

In Zukunft wird in der Wirtschaftspolitik der Schwerpunkt auf der Eigentums- und Kapitalbildung liegen. Es gilt, privates Eigentum in breiter Streuung zu schaffen, um die persönliche Freiheit des Staatsbürgers durch wirtschaftliche Unabhängigkeit zu sichern.

SPD will Kontakte auch nach Osten

In der Innenpolitik am vordringlichsten ist die sofortige Verabschiedung eines Gesetzes über den Strahlenschutz für die Bevölkerung, der nicht nur im Verteidigungsfall, sondern auch in Friedenszeiten immer wichtiger wird, weil die Atombombenversuche kein Ende nehmen.

Bessere Preise für die Bauern

Der dritte Bundestag muß ein Bundestag der Reformen werden. Die große Bedeutung der Mittelschichten gebietet es, die soziale und wirtschaftliche Lage der Bauern und des gewerblichen Mittelstandes sowie der freien Berufe wesentlich zu verbessern.

Atlantik breiter als Elbe

Der allgemeine Zug zur Sparsamkeit, ferner die neuen Männer an der Spitze des Generalstabs (Fliegergeneral Twining an Stelle des Flottenadmirals Radford) und des Verteidigungsministeriums („Seifenkönig“ MacElroy an Stelle des „Autokönigs“ Wilson) und schließlich steigende Zweifel an der Richtigkeit der Dullesschen These von der „massiven Vergeltung“ haben in den Vereinigten Staaten ein Knäuel von Problemen geschaffen, das schwer zu entwirren ist.

Zyprische Zeitbombe

Auf Zypern, der seit Jahren friedlosen Insel im östlichen Zipfel des Mittelmeers, herrscht im Augenblick Ruhe. Seit dem Frühjahr schweigen die Waffen der Untergrundbewegung EOKA, und die Briten haben erst unlängst zum zweiten Mal die Fesseln der Ausnahmegesetzgebung gelockert.

Keine Rente für Kommunisten?

Die Lüneburger Entschädigungsbehörde hat dem Rentner Wilhelm Kors aus Winsen/Luhe die Rente gestrichen, die ihm für Invalidität nach vier Jahren KZ-Haft zugesprochen wurde.

Wer färbt ab auf wen?

Dicht umringt von einer unübersehbaren Menschenmenge stand ein junger amerikanischer Student auf dem Roten Platz in Moskau und trug Abschnitte aus dem Ungarnbericht der Vereinten Nationen vor, die er offenbar eigens für diesen Zweck auswendig gelernt hatte.

Syrien sucht Sündenböcke

Die bisherige syrische Politik eines „positiven Neutralismus“ scheint in Frage gestellt. Spitzenpositionen der Armee wurden kürzlich mit rußlandfreundlichen Offizieren besetzt, und aus dem syrischen Außenministerium verlautete, daß in Kürze auch mit einem Wechsel der syrischen Außenpolitik zu rechnen sei; der „positive Neutralismus“, hieß es, sei durch die feindliche Haltung eines der beiden großen Machtblöcke unmöglich geworden.

Ist das Gotteslästerung?

Nach Paragraph 166 des Strafgesetzbuches wird mit Gefängnis bis zu drei Jahren bestraft, „wer dadurch, daß er öffentlich in beschimpfenden Äußerungen Gott lästert, ein Ärgernis gibt oder wer öffentlich eine der christlichen Kirchen .

Ferngelenktes Theater

Die Zugvögel, die jahraus, jahrein von Stadt zu Stadt fliegen, um als Primadonnen, Pultvirtuosen oder Starregisseure gegen gutes Geld alle Welt mit ihrer Kunst zu beglücken, werden um eine neue Spezies vermehrt: das Zeitalter der reisenden Intendanten ist angebrochen.

Auf der Maulbeerinsel

„Kein Licht, bitte!“ sagte die große Schwarzhaarige auf dem Barhocker. Sie lächelte spöttisch. Der gelbe Pullover zeigte ihre schlanke Figur etwas zu vorteilhaft.

ZEITMOSAIK

Der Regisseur Oscar Fritz Schuh schlug auf den Salzburger Festspielen vor, die Veranstaltungen künftig um einige kleine Opern und Schauspiele zu erweitern, die, mehrere täglich, auf verschiedenen Freilichtplätzen aufgeführt werden sollten, damit auch das weniger zahlungskräftige Publikum nach Salzburg komme.

Die Schule der Frauen

Es mag ein literarischer Zug im Charakter der gegenwärtigen Komponisten sein, der sie verlockt, sich Stoffen’zuzuwenden, die in der Bühnergeschichte bereits ihren Platz haben.

Nach dem letzten Kriege alten Stils

Im Rückblick auf das Geschehen hat es der Historiker leicht, weise zu sein; unvergleichlich schwerer ist es für ihn, die eigene Zeit richtig zu beurteilen.

Woher kam Riemenschneider?

Vor kurzem ist es dem Stadtarchivar von Osterode, Martin Granzin, gelungen, in bisher ungesichteten Archivalien zwei Dokumente aufzufinden, die für die Tilman-Riemenschneider-Forschung von großer Bedeutung sind.

Neue Schallplatten:: Karajans Falstaff

Daß der achtzigjährige Verdi die Welt zwei Jahrzehnte nach der Aida im Falstaff mit einem ganz neuen, burlesken Stil überrascht hat, ist ein Wunder, an dem immer noch eifrig herumgeraten wird.

Carl-Zeiss-Stiftung

Immer wieder verspürt die deutsche Forschung den Verlust, der durch die Vernichtung vieler Archivalien und Dokumente im Krieg entstanden ist, und unsere Wissenschaftler schätzen sich glücklich, wenn sie wenigstens Abschriften der verlorenen Originale besitzen oder ihre Auswertungsarbeit bereits vor der Vernichtung der Unterlagen im wesentlichen beendet hatten.

Gibt es große deutsche Schriftsteller?

Der Frage wird nachgegangen an Hand der Erfahrungen eines Ausländers, der Studie eines Kritikers und der Bücher eines deutschen Autors

Das Asien Italiens

Wie die meisten „Zugereisten“, hatten auch die Etrusker im Altertum bei den „Ansässigen“ keine gute Presse. Schon im Dionysos-Fragment der Homerischen Götterhymnen wird den Etruskern etwas recht Unschickliches nachgesagt: da sind es „tyrrhenische – also etruskische – Seeräuber auf dunklem Meer“, die den jugendlichen Gott kidnappen, um für den vermeintlichen Königssohn ein schamloses Lösegeld zu erpressen.

Durch psychoanalytisches Geröll

Daß der Mensch über eine ganze Menge Geröll hinwegsteigen muß, ehe er zu sich selber und zu seinen eigenen Geschichten kommt, ist eine Beobachtung, die man bei jeder längeren Unterhaltung machen kann.

Ein ganz neuer Professorentyp

Kunst und Mythos – das ist ein großes Thema und ein aktuelles Thema obendrein...............................................

Pädagogische Halbwahrheiten

Der einst sehr bekannte Pädagoge Friedrich Wilhelm Foerster hatte sich 1920 nach Zürich und später nach New York zurückgezogen, um weiter im Sinne seines ethischen Pazifismus zu wirken – und diskutiert zu werden.

Begegnungen mit Vormenschen

Das lebhafte Interesse weiterer Kreise für den vorgeschichtlichen Menschen und seinen kulturellen Stand, zumal auf künstlerischem Gebiet, ist in den letzten beiden Jahrzehnten durch eine Reihe von Publikationen über die Wandmalereien in französischen und spanischen Höhlen geweckt worden.

Notizen für Reisende

Zonenjugendliche im Westen. Etwa doppelt so groß wie im vorigen Jahr ist die Besucherzahl jugendlicher Wanderer aus der Sowjetzone in diesem Jahr in Westdeutschland – allein in München treffen täglich 200 junge Menschen aus der Zone ein und lassen sich in der „Kontaktstelle für jugendliche Wanderer aus der SBZ“, von denen es in Westdeutschland mehrere gibt, über Reisemöglichkeiten und Lebensbedingungen beraten.

Lärm im Hotel

Der Lärm, der von der Straße ins Zimmer dringt, ist ein Kummer des Hotelgastes, wenn er im Zentrum einer Großstadt übernachten muß.

Chiemsee lärmfrei oder nicht?

Chiemsee – lärmfrei oder nicht? In einer Protestschrift an den bayerischen Ministerpräsidenten wandten sich einige prominente Chiemseegäste und -anwohner gegen den Lärm, der in diesem Erholungsgebiet durch Überflüge deutscher und amerikanischer Düsenjäger, durch Werbeflugzeuge, Lufttaxis, Privatflugzeuge und nicht zuletzt durch Motorboote auf dem See verursacht wird.

Abgeschiedenheit ist teuer

Die Postkutsche, die neuerdings von dem Dorf Hanstedt durch die Lüneburger Heide fährt, ist es gewiß nicht, welche die Naturschutzidee neu beleben kann.

Herbst in Heide und Harz

Ein museales Wirtshaus in der Heide – Burgen, Bibliotheken und Bürgerhäuser – Besuch in der Silbergrabe

"Überflieg mich!"

Gh, NeustadtHolstein Bauer Kahlke sagte: „Ich komme wegen der Fliegerei Er sagte es im Vorzimmer des Bürgermeisters von Neustadt in Holstein. Und neugierig hoben sich die Köpfe über den Schreibtischen.

Sachsen: Die Rache des Betrogenen

Man liest zuweilen, daß in Paris die Richter besonderes Verständnis für betrogene Ehegatten haben und die Missetaten der Hintergangenen weise und milde beurteilen.

Pommern: Gefahr für den Stettiner Hafen

Die Stettiner Wojwodschafts- und Stadtbehörden führen einen verzweifelten Kampf: Sie versuchen, die einseitige Bevorzugung der „sozialistischen Dreistadt Danzig-Gdingen-Zoppot“ gegenüber Stettin zu beenden und ihrer Stadt mehr Lebensatem zu verschaffen.

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