Eine sechs Disziplinen umfassende Reihenprüfung auf physische Leistungsfähigkeit, durchgeführt bei 5000 amerikanischen Kindern im Alter von 6 bis 16 Jahren, ergab, daß 60 v. H. der Prüflinge den durchaus durchschnittlichen Anforderungen nicht entsprachen. Die gleiche Prüfung, vorgenommen an 3000 europäischen Kindern der gleichen Altersklasse, ergab nicht mehr als 8,7 v. H. „Versager“, ein Ergebnis, über das sich Präsident Eisenhower sehr besorgt zeigte und das für die amerikanischen Eltern kein ganz leichter Schock gewesen sein muß, zumal nirgendwo so sehr wie in Amerika auf eine bis ins Letzte perfektionierte Kinderpflege und -ernährung gehalten wird. So fehlt es denn auch nicht an Sachverständigen, die Wert und Schlüssigkeit der genannten Untersuchung in Zweifel ziehen. Ihnen wird indessen die unbestrittene Tatsache entgegengehalten, daß in der Zeit vom Juli 1950 bis Anfang 1957 von 4,7 Millionen Wehrpflichtigen 1,6 Millionen ausgemustert wurden.

Offizielle Zahlen ergeben, daß im Ernstfall etwa ein Viertel der amerikanischen Wehrpflichtigen – die Ersatzreserve I, sagte man früher bei uns – für den Truppendienst körperlich ungeeignet wären. Die Frage, wie die junge Generation, deren Größe und Gewicht seit 75 Jahren ständig zunimmt, diesen Grad der-„Verweichlichung“ erreichen konnte, beantworten die Mediziner mit dem Hinweis auf den zu großen Komfort, der den Kindern geboten wird: Schulbusse, automatische Klimaanlagen und ständiges Autofahren, das sie jeder Übung der eigenen Kräfte enthebt.

Im Gegensatz zu Europa, wo die Jugend noch wandert, auf Fahrrädern fährt, in offenen Gewässern schwimmt, turnt und im Garten arbeitet, braucht das amerikanische Kind in einer zunehmend mechanisierten Umwelt sich kaum noch zu bewegen. Daß 90 v. H. der amerikanischen Grundschulen über keine Turnhallen verfügen, daß 40 v. H. der im zweiten Weltkrieg Eingezogenen nicht fähig waren, auch nur 25 Meter weit zu schwimmen – es handelt sich um offizielle Zahlen –, gehört zu den ergänzenden Zeugnissen dieser alarmierenden Nachricht. Verwunderlich bleibt nur, wieso aus diesem offenbar doch höchst unzulänglichen Durchschnitt eine solche Fülle von Spitzenleistungen, wie die olympischen Spiele sie bewiesen herauskommt. H. B.