Die Mitglieder des Deutschen Aero-Clubs treffen sich an diesem Wochenende in Bad Kissingen, um den 50. Geburtstag ihrer Vereinigung zu feiern. Man hat die Festlichkeit ein paar Monate vorverlegt. Der eigentliche Gründungstag des Clubs ist der 21. Dezember 1907, da sich unter dem Präsidium des Herzogs Ernst II. von Sachsen-Altenburg einige besonders für den Flug interessierte Persönlichkeiten zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammenschlössen. Weil im September aber auch die Gemeinschaft der „Alten Adler“, der Pioniere unserer Luftfahrt, auf ein dreißigjähriges Bestehen zurückblicken kann, hat man sich auf einen Festtag geeinigt, der beiden Teilen einigermaßen gerecht wird und in einer Jahreszeit, in der man noch einen kleinen Flugwettbewerb der Segel- und Motorflieger durchführen kann.

Die Männer des Jahres 1907 eilten gewiß ihrer Zeit voraus. Sie fühlten, daß das Motorflugzeug – damals erst erfunden und nur in recht wenigen Exemplaren in der Welt vorhanden – doch bald eine außerordentliche Bedeutung erlangen würde. Sie dachten dabei weniger an seine militärische Verwendbarkeit, als vielmehr an die Entwicklung des Flugzeugs zu einem Sportgerät; einige wenige sprachen sogar schon von einem kommenden Luftverkehr, der dann erst zwanzig Jahre später Wirklichkeit wurde. Der Aero-Club wollte sich nicht wie die bereits bestehenden Luftfahrtvereine ausschließlich mit dem Freiballonsport beschäftigen, wenn er auch diese besondere Sportart pflegte. Ein wenig Rivalität blieb immer zwischen ihm und dem „Luftfahrtverband“ bestehen, der sich, dem Zuge der Zeit folgend, dann auch mit dem Motorflugzeug befaßte.

Die Geschichte des Deutschen Aero-Clubs schreiben, hieße die Geschichte der deutschen Fliegerei und ihres Sports darstellen. Wo der Club nicht selber als Initiator oder Organisator auftrat, war er doch immer und überall beteiligt, und wenn nach dem ersten Kriege nicht nur der Segelflug, sondern auch der Motorflug als sportliche Disziplin eine so außergewöhnliche Aufwärtsentwicklung annahm, dann war es das Verdienst der führenden Männer des Clubs, von denen besonders Georg v. Tschudi infolge seiner glänzenden Beziehungen zum Ausland sehr schnell die Gleichberechtigung der deutschen Sportflieger mit allen übrigen Fliegern der Welt durchsetzte. Durch seine Freundschaft zu dem Berliner Verlag Ullstein, mit dem er schon 1911 den berühmten BZ-Flug der Lüfte durchgeführt hatte, konnte er 1925 wiederum einen großen Wettbewerb unter dem gleichen Namen organisieren, der allein dem deutschen Motorflugsport wieder die Wege zum internationalen Anschluß geebnet hat. Nach diesen Rundflügen begann die schnelle Entwicklung unseres Flugsportes, der seine Krönung besonders in dem mehrfachen Gewinn des Internationalen Europa-Fluges finden sollte. Diese und noch viele andere Wettbewerbe gehörten zu den ersten praktischen Anfängen der „Lufttouristik“, die sich heute immer weiter ausbreitet.

Der Zusammenbruch Deutschlands 1945 brachte auch den Zusammenbruch des Flugsports. Es ist das Verdienst des Meister-Segelfliegers Wolf Hirth, daß 1950 wieder ein Fliegerclub gegründet wurde. Unter der Devise „Jugend zum Flug“ werben heute in allen Teilen der Bundesrepublik elf Landesverbände mit fast 900 Vereinen für den Ballonsport, Modellflug, Segelflug und Motorflug, und die alljährlichen großen Veranstaltungen des Clubs beweisen, daß die Jugend nicht minder flugbegeistert ist als die „Alten Adler“, mit denen sie gemeinsam nun morgen und in den nächsten beiden Tagen ein fliegerisches Jubiläum feiert.

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Drei Goldmedaillen, sechs silberne und drei bronzene Plaketten konnten die deutschen Kanufahrer bei den in Gent ausgetragenen Europa-Meisterschaften gewinnen. Sie belegten damit hinter den Russen den zweiten Platz. Dem Düsseldorfer Fritz Briel gelang es, sowohl im Einerkajak über 10 000 Meter, als auch gemeinsam mit seinem Klubkameraden Heinz Ackers im Zweierkajak über 1000 Meter zu siegen. – Bei den Europa-Meisterschaften der Frauen im Rudern, die in Duisburg zur Entscheidung kamen, fielen alle fünf Titel an die Vertreterinnen Sowjetrußlands. Deutschland mußte mit vier Bronzemedaillen vorliebnehmen. – In Iffezheim b. Baden-Baden wurde die große Internationale Rennwoche mit dem Fürstenberg-Rennen eröffnet. Zum erstenmal nach seinem schweren Sturz vor zehn Wochen in Düsseldorf stieg der Jockey Walter Held wieder in den Sattel und gewann die wertvolle Dreijährigen-Prüfung mit Nisos aus dem Gestüt Erlenhof. Das Graf-Spreti-Rennen wurde eine Beute des Schweizer Rennstalles Uetli. – Der russischen Übermacht waren die englischen Leichte athleten auch diesmal nicht gewachsen. Zwar war die Niederlage nicht so groß wie vor zwei Jahren in Moskau, aber an dem Sieg der Sowjetsportler war nie zu zweifeln. Mit 119 : 93 Punkten konnten sie den Länderkampf in Londons White-City-Stadion gewinnen. Am besten hielten sich von den Briten noch die Läufer, die insgesamt sieben Konkurrenzen für sich entscheiden konnten, während sie in den restlichen fünf Disziplinen ihrem Gegner den Sieg überlassen mußten. In den technischen Übungen brillierten die Russen besonders. Die russischen Frauen beherrschten eindeutig das Feld. Mit 73 : 40 Punkten distanzierten sie die Vertreterinnen Großbritanniens sicher.