DIE ZEIT

Modernes Märchen

Es waren einmal zwei Deutschland-Kinder, eins in Westland, eins in Ostland, die konnten zueinander nicht kommen, nicht weil das Wasser zu tief war (es war nur ein Fluß und an vielen Stellen war überhaupt kein Wasser), sondern weil ihre Vormünder sagten, ihr dürft erst heiraten, wenn wir wissen, wen euer Kind heiraten wird.

Ewige Konjunktur

Jetzt weiß ich endlich, warum seit einiger Zeit in USA die Rüstungsaktien wieder steigen. Vor ein paar Tagen nämlich wurde die neue Rakete Thor in Florida abgefeuert: Sie stieg auf, zog weit über dem Meer einen Kreis und kam – einem Bumerang gleich – in Richtung Abschußbasis wieder zurück.

Demokraten und Führerkult

Es ist noch nicht lange her, wohl noch keine zwölf Monate, da konnte man in manchen ausländischen Zeitungen lesen, und von manchem Ausländer hören, es sei typisch für die Deutschen: da hätten sie nun in Konrad Adenauer endlich einmal einen wirklichen Staatsmann, aber nur im Ausland sei er als solcher erkannt.

Raketen-Revolution

Die verschiedenen Arten des Partisanenkrieges ... haben ihren Platz im modernen Krieg. Betrachtete man sie früher eher als zufällige Erscheinungen, so scheint das Gegenteil für die Zukunft der Fall zu sein.

Die Koblenzer „Hoflieferanten“

Die Untersuchung der Koblenzer Korruptionsaffäre ist noch im Gange. Sie wird von der Staatsanwaltschaft geführt. Deshalb hat der Verteidigungsausschuß des Bundestages diese Materie von seinen Ermittlungen zunächst ausgenommen.

Otto Suhr

Die „alte Garde“ Berlins, die die schweren Jahre der ersten Nachkriegs- und Blockadeperiode zu Berlins „großer Zeit“ machte, schrumpft immer mehr zusammen.

Selbstporträt eines Abtrünnigen

Zwei Wochen nach seiner Flucht aus Ostberlin gibt Professor Alfred Kantorowicz hier Rechenschaft über sein Leben in der Kommunistischen Partei und seine Desillusionierung durch Ulbrichts Regime.

Der Mensch lebt doch vom Brot allein

Die große Auslandsresonanz von Dudinzews Roman „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ hat Chrutschtschow zu einem heftigen Angriff auf den Autor veranlaßt.

Der Ölvulkan auf grüner Wiese

Es ist an der Zeit, daß die "Sonde 98" nun endlich einen poetischen Namen bekommt. Wenn die Amerikaner ihren Wirbelstürmen Bezeichnungen wie Connie oder Diana verliehen haben – rasch tauchten sie auf, schnaubten mit furchtbar verwüstender Kraft dahin und waren schon auf und davon über Steppen und Meere –, sollte man doch erkennen, daß auch die "Sonde 98" im Kreise Bentheim geleistet hat, was sie nach ihren schwachen Kräften leisten konnte.

ZEITSPIEGEL

Der ehemalige, jetzt in New York lebende kommunistische Schriftsteller Howard Fast erklärte zu dem Vorwurf der Moskauer Literaturnaja Gaseta, er habe sich bei seinen Äußerungen über die Sowjetunion und den Kommunismus der Lügenhaftigkeit und Verleumdung schuldig gemacht, daß er alle seine Angaben aus kommunistischen Quellen bezogen habe.

Frankreich: Adenauer soll Franc retten

Der Franzose ist gegenwärtig auf seine eigenen Nöte so konzentriert, auf Algerien und auf seine gefährdeten Finanzen, wie sollte er sich da um die Probleme der Bundesrepublik kümmern, die doch seit Jahren ein Musterbild politischer Gleichmäßigkeit und ununterbrochenen wirtschaftlichen Aufstieges ist? Die spärlich gesäten Kenner bundesrepublikanischer Verhältnisse sagen einen neuerlichen, wenn auch weniger spektakulären Sieg Adenauers voraus.

Malaya-ein Staat, aber noch keine Nation

In der „Halle der Kindesliebe und der Elternliebe“ sitzt ein alter Chinese unter den Bildern seiner Ahnen. Es ist Sir Cheng Lock Tan, der Nestor der in Malaya ansässigen Chinesen, ein steinreicher Kautschuk-Kaufmann und einer der führenden Vorkämpfer für Malayas Unabhängigkeit.

Vom heiligen Stephan zu Kadar

Am St. Stephanstag, dem ungarischen Nationalfeiertag zu Ehren des ersten Königs und Landespatrons der Ungarn, brachte die kommunistische Zeitung Nepszabadsag das virtuose Kunststück fertig, den heiligen Stephan zum Vorläufer Kadars zu machen.

Unsere Nachbarn zum 15. September

In England herrscht der Eindruck, daß die bevorstehende Bundestagswahl den Deutschen nicht gerade die Ruhe raubt. Ganz gewiß läßt sie die Briten kühl.

Ungarns 13 Tage Freiheit

In einer Sondersitzung wird die Vollversammlung der Vereinten Nationen nächste Woche den Bericht des UN-Untersuchungsausschusses über die ungarische Revolution debattieren.

Seller-Teller: August 57

Jeder dieser Buchhandlungen haben wir die Frage gestellt: „Welche zehn Bücher wurden bei Ihnen im vergangenen Monat am besten verkauft?“ Gewertet wird, wie oft uns ein Buch bei dieser Fragestellung genannt wird.

Kritik und ihre Kritiker

In dieser Antwort des bekannten Literarhistorikers und Essayisten Karl August Horst auf einen Artikel, den wir vor kurzem an dieser Stelle veröffentlichten, sind so viele wichtige Gedanken über das Wesen literarischer Kritik enthalten, daß es uns richtig erscheint, Horsts Antwort hier abzudrucken.

Rückwärts gekehrter Prophet?

In dieser kleinen Broschüre sucht er, nach einer gedrängten Übersicht der Menschheitsgeschichte von den Urweltsagen bis zur Gegenwart, in die Zukunft des menschlichen Geschlechts vorzustoßen und Friedrich Schlegels Wort Lügen zu strafen, daß „der Historiker ein rückwärts gekehrter Prophet“ ist.

Psychologisch gedeutet

Daß es in einem so heftig durchleuchteten Bezirk noch Schätze geben sollte, die im Dunkel glimmen, erstaunt uns ein wenig. Aber wir leben in einer Zeit, die das Apokryphe, das Abseitige, Vergessene und Außerachtgelassene mit hektischer Beflissenheit sucht, um ihm irgendwelche verlorengegangenen Sinndeutungen des Lebens abzugewinnen.

Dwingers nächste Reiter

Der Autor, dessen Kriegsromane „Die letzten Reiter“, „Armee hinter Stacheldraht“ und „Zwischen Weiß und Rot“ zwischen den beiden Weltkriegen zu dem gehörten, was man jetzt „Bestseller“ nennt, ist heute Landwirt und Besitzer des zur Reitschule umgestalteten Wiesengutes Hedwigshof bei Seeg im Allgäu: ein Mann, der durch die Feder mehr verdienen könnte als durch das Pferd, weist sich hinlänglich als passionierter Pferdemann aus.

Das zweite Vaterland

Edmond Rostand, der Dramatiker des „Cyrano von Bergerac“, hat bestimmt an die Deutschen gedacht, als er die berühmte Maxime aufstellte: „Jeder Mensch hat zwei Vaterländer, das seine und dann Frankreich.

Knigges Reiseroman

Der Verfasser hat bis jetzt in seine Schriften ähnlicher Art die Behandlung wichtiger Gegenstände einzuflechten und die Sitten der sogenannten höheren Menschenklassen zu schildern gesucht; hier versteigt er sich nicht so hoch und widmet daher diese Arbeit auch nur solchen Lesern, denen es darum zu tun ist, ihre Augen einmal von Höfen, Fürsten, Staatshändeln und gelehrten Kampfplätzen ab-, auf ländliche Szenen und lachende Bilder hingelenkt wissen zu wollen.

Lieber etwas anderes

Ein Schwindler geht – ein Schwindler kommt auf den Festspielen. Edinburg hat es – künstlerisch – augenblicklich mit den Hochstaplern.

Bette sich wer kann

Nun danket alle ab!“ – „Der Bruch der Welt durch Welt im Bruch.“ – „Drei Miezen im Brunnen ...“ Vier Kabarettisten suchen einen Titel: Titelsucht.

Räubergeschichte

Es war einmal ein Mann, der liebte es, wenn er im Walde jemandem begegnete, der schon sehr alt war, vor ihn hinzutreten und zu sagen: „Alterchen, du bist unter die Räuber gefallen!“ und ihm seinen Knüppel derb über den Schädel zu ziehen.

Kein „Regenmacher“

Den Aufführungsrekord hält an den deutschen Bühnen, wie allenthalben, die leichte Muse. „Feuerwerk“, „Das kleine Teehaus“ und „Regenmacher“ – das waren, wenn man auf die Zahlen sieht, die „Spitzen“ der letzten Spieljahre.

Stroux sucht einen Autor

Stroux hat Autoren-Sorgen. Sein buntes Sortiment zur neuen Spielzeit bringt an jungem europäischem Nachwuchs den Iren Samuel Beckett („Warten auf Godot“) und den Rumänen Eugene lonesco („Die Stühle“), beide aus der geistigen Heimat Paris; doch junge deutsche Dramatiker fehlen.

ZEITMOSAIK

Die Moskauer Zeitschrift „Leben der Partei“ hat kürzlich vorgeschlagen, an Stelle der kirchlichen Feiertage Naturfeiertage einzuführen.

Goldene Zeiten

Armer Notar von 1777, armer Mann, der 1842 seinen lieben Julius von den neuesten Verhältnissen in Hamburg zu benachrichtigen hatte, armer Bismarck, bedauernswerter Kaiser! Wir wundern uns.

Hamburg: In Nußbaum hinter Wolkenstores...

RH, Hamburg Ball paradox wird versprochen, und Horn soitqui mal y pense steht in Leuchtschrift am Giebel. Eine Dame, die einem Elfenwesen der Zeichnerin Sulamith Wülfing gleicht, hebt zierlich den Rock bis zum Knöchel und knickst.

Saarland: Der Professorentitel war falsch

Im dritten Deutschen Bundestag wird auf jeden Fall ein Professor weniger sitzen, als es diejenigen Politiker vorausgesehen haben, die die Landesliste der mit der CSU verbündeten „Christlichen Volkspartei Saar“ (Ehrenvorsitzender Ministerpräsident a.

Baden-Württemberg: „Atomboulevard“ im Hardtwald

In Karlsruhe kann niemand mit Sicherheit sagen, was eher zum Abschluß gebracht wird: die Bauarbeiten für das deutsche Atomforschungszentrum im Hardtwald, zwölf Kilometer nördlich der Stadt, oder die Reihe der Prozesse, die von den Anlieger-Gemeinden gegen die Errichtung der Reaktorstation ins Rollen gebracht vor-, den sind.

Hessen: Negerküsse vor Gericht

Der Negerkuß ist keine kurzlebige Konditorei- oder Backware, sondern eine länger haltbare „Zuckerware“; er muß mit Schokoladenkuvertüre überzogen sein, nicht nur mit einfacher Fettglasur.

Das Sparen „im Betrieb“

Begrenzt die Selbstfinanzierungsquote! – So hat die Redaktion der ZEIT eine Zuschrift von Hit. (in Nr. 33 vom 15. August) betitelt, einen Diskussionsbeitrag, der mit der beifallswürdigen Ablehnung jener Bastelei schließt, welche die CDU-Sozialausschüsse Gesetzentwürfen über das betriebliche Miteigentum der Arbeitnehmer widmen.

Auf einen Blick...

Frankfurts Internationale Herbstmesse, die sich mit 3096 Ausstellern zum größten deutschen Konsumgütermarkt und auch zur bedeutungsvollsten Textilmesse entwickelt hat, bestätigte durch eine ungewöhnlich rege Geschäftstätigkeit bei gleichbleibendem Preisniveau die Feststellung, daß sich die bundesdeutsche Verbrauchsgüterkonjunktur weiter fortsetzt.

Kapitalexport direkt

Man sollte die Währungsanspannungen, unter denen Europa zur Zeit leidet, nicht nur als ein Übel betrachten. Es handelt sich nämlich bei ihnen um eine Krise, die durchaus geeignet ist – sofern Europa nicht in den Dirigismus zurückverfällt –, die Verzerrungen und Verkrampfungen der letzten Jahre zu beseitigen.

Die strittige Selbstfinanzierung

Auf die Zuschrift, die wir unter dem Titel, Begrenzt die Selbstfinanzierungsquote!“ in der Ausgabe vom 15. August veröffentlicht hatten, sind von den darin apostrophierten beiden Autoren – also Dr.

Fünftes Rad am Flüchtlingswagen

Mit der Verabschiedung des Allgemeinen Kriegsfolgengesetzes (AKFG) ist eine der vielen Hürden gefallen, die bisher den Reparationsgeschädigten den Weg zu einer Entschädigung verbauten, die sie – stellvertretend für die Bundesrepublik – auf Grund der alliierten Nachkriegspolitik erlitten haben.

Gegen den Technikermangel

Der steigende Arbeitskräftebedarf der Industrie hat in den letzten Monaten – im Zeichen einer anhaltend sinkenden Arbeitslosigkeit – den Ruf nach Ingenieuren immer lauter werden lassen.

Wal-Filet-tiefgekühlt

Auf dem Stand der Arbeitsgemeinschaft „Deutsche Tiefkühlkette die im Rahmen der Sonderschau „Der moderne Laden“ auf der Kölner ANUGA vom 28.

Gespräche am Bankschalter: Bewertung der Reichsanleihen

Die Inhaber der alten verbrieften Reichsanleihen, der Reichspost- und Reichsbahn-Anleihen kennen nach Verabschiedung des Allgemeinen Kriegsfolgengesetzes mit einem Umtausch ihrer Stücke im Verhältnis 10:1 in vierprozentige Bundesablösungsanleihen rechnen.

Ford zahlt für Dementi

Werke AG, Köln, vom 3. Juli dieses Jahres (siehe die ZEIT Nr. 14 vom 18. 7. 1957) kostet nun eine hohe Summe Geldes in der stillen Hoffnung, die durch vielfache höchst unerquickliche Ereignisse in den letzten Jahren strapazierte Reputation wiederherzu stellen.

Börse: Keine Sozialisierungsprämie

Die jetzige Aufwärtsbewegung an den deutschen Aktienmärkten, die recht spekulativ begann (DM-Aufwertung!), scheint nachträglich eine gesunde Grundlage zu bekommen.

Die erste Dollar-Emission

Die Nachfrage nach der am 10.’September herauskommenden Dollar-Anleihe der „Petrofina“ (siehe auch Seite 9 der heutigen Ausgabe) ist bemerkenswert groß, so daß die Unterbringung der für die Bundesrepublik vorgesehenen Tranche über fünf Mill.

+ Weitere Artikel anzeigen