H. L., Belgrad, im September

Vom 23. August bis zum 2. September fand nach zwanzigjähriger Unterbrechung die 1. Internationale Technische Messe in Belgrad statt. Belgrad ist eine Stadt ohne Messetradition, aber: Unter Leitung des bekannten jugoslawischen Architekten Pantović wurden innerhalb von 22 Monaten imposante Messehallen errichtet, um die jede andere europäische Messestadt Belgrad beneiden kann.

Um es vorwegzunehmen: Belgrad war auch für die westdeutsche Wirtschaft ein voller Erfolg. Die Bundesrepublik war der größte Aussteller und schloß auch die besten Geschäfte ab. Auf einer Ausstellungsfläche von 84 000 qm stellten 1500 Aussteller aus 28 Nationen aus. Das Ausland war mit 850 Ausstellern (darunter 208 Firmen aus der Bundesrepublik) stärker als die jugoslawische Wirtschaft vertreten. Allerdings wurden die Sowjetunion und Rot-China vermißt. Das Fehlen der Sowjetunion ist auf zweierlei Gründe zurückzuführen: Einmal war für sie bei ihrem bürokratischen Apparat der Meldetermin zu kurz anberaumt worden, und zum anderen ist Belgrad für die sowjetische Wirtschaft nicht der rechte Ort. Um jegliche politische Propaganda zu vermeiden, ist die Belgrader Messeleitung der Auffassung, daß es keine nationalen Pavillons in Belgrad geben darf. Die Belgrader Messe soll ein Treffpunkt der Geschäftsleute sein, die ihre Waren übersichtlich getrennt nach Warengruppen anbieten. Schon das allein unterscheidet Belgrad wohltuend von sehr vielen anderen Messen Osteuropas, von Leipzig ganz zu schweigen. Es dürfte deshalb auch kein Zufall gewesen sein, daß Mitteldeutschland lediglich mit einer Setzmaschine erschienen war. Aus der Bundesrepublik waren die größten Firmen der Elektrotechnik, des Maschinenbaues und der Autoindustrie gekommen.

Wegen der kurzen Meldefrist mußte die Messeleitung auch froh sein, wenn sich Firmen meldeten, die Spielwaren, Schokolade, Füllfederhalter oder kosmetische Artikel anboten. Diese Stände wirkten zwischen den großen Maschinen etwas deplaciert. Aber derartige „Kinderkrankheiten“ dürften schon im nächsten Jahr überwunden sein. Manchen ausländischen Ausstellern konnte es auch wirklich nicht verdacht werden, daß sie nach Belgrad gekommen waren, obwohl sie dort gar nicht hingehörten. In Wirtschaftskreisen herrschte nämlich vielfach die Meinung vor, daß Belgrad der alten jugoslawischen Messestadt Zagreb auf allen Gebieten Konkurrenz machen wolle.

Das aber ist nicht geplant. In Belgrad gibt man der spezialisierten Messe im internationalen Maßstab die Zukunft, es wird sich also stets nur auf Technik beschränken. Zagreb wird zu einem großen Teil Erzeugnisse der Konsumgüterindustrie zeigen. Daher dürfte es sehr wahrscheinlich sein, daß die ausländische Maschinenindustrie die bisher regelmäßig in Zagreb ausstellte, nach und nach zur Belgrader Messe überwechseln wird. In Zagreb stellen die einzelnen Nationen in eigenen Pavillons aus, deren Bau von ihnen selbst finanziert worden ist. Da erst im letzten Jahr viele Staaten Geld zum Ausbau ihrer neuen Pavillons in Zagreb investiert hatten, dachten manche nicht daran, auch noch nach Belgrad zu kommen. Das ist durchaus verständlich. Belgrad ist aber nun einmal das wirtschaftliche Zentrum Jugoslawiens, und trotz aller Mehrkosten muß der Technik empfohlen werden, im nächsten Jahr nach Belgrad zu gehen, zumal die Bilanz der ersten Messe mit 1,1 Millionen Besuchern nicht schlecht war. Die Aussteller konnten Waren im Werte von 10,5 Mill. $ als Exportaufträge buchen, während zwischen jugoslawischen Firmen Waren für 31,5 Mill. $ umgesetzt wurden.