G. 2., Badenweiler

Kunstsammler in aller Welt haben sich in ihren Terminkalendern den 23. September dick rot angestrichen. An diesem Tage beginnt nämlich die Versteigerung des Inventars des Schlosses Bürgeln. Ein Juwel unter den Schlössern Südwestdeutschlands, im südlichen Schwarzwald zwischen Badenweiler und Kandern, kommt unter den Hammer. Und das, weil sich die Regierung Baden-Württembergs mit dem Bürgeln-Bund nicht einigen konnte, wie in Zukunft die Kosten für Unterhaltung und Instandsetzung getragen werden sollten.

Bürgeln hat eine wechselvolle Geschichte. Plünderungen, Brand, Verfall und Wiederaufbau lösten sich ständig ab. In den zwanziger Jahren war es wieder einmal eine Ruine. Damals entstand der Bürgeln-Bund – mit guten Vorsätzen, aber nicht genügend Geld für den Wiederaufbau des Schlosses. Es wäre heute noch ein Trümmerhaufen, wenn nicht ein Mann gekommen wäre, der nicht nur Kunstsinn, sondern auch das entsprechende Bankkonto besaß: Kommerzienrat Dr. Richard Sichler.

Viele Jahre lang arbeiteten auf seine Kosten Architekten und Kunstmaler, um Bürgeln zu einem Anziehungspunkt für Kunstfreunde aus aller Welt zu machen. Auf kaum einer Auktion fehlten Sichlers Aufkäufer. Stilmöbel, seltenes Porzellan, Gemälde, Teppiche, Schnitzereien und Glasmalereien sammelten sich an.

Das ging so lange gut, bis der Kommerzienrat 1952 starb. Seinen Erben waren die jährlichen Zuschüsse von rund 80 000 DM als Pacht für Bürgeln zuviel Geld. Notgedrungen mußte sich der Bürgeln-Bund – der Besitzer des Schlosses – nach einem neuen Geldgeber umsehen. Verhandlungen mit dem Land Baden-Württemberg führten aber zu keinem Erfolg. Der Schloßverein wollte, daß Baden-Württemberg das gesamte Inventar kaufe und die laufenden Unkosten übernehme. Damit sollte das Land als Pächter auftreten. Doch in Stuttgart sagte man: entweder Eigentümer oder nichts.

Die Sichler-Erben entschlossen sich daraufhin, die wertvolle Kunstsammlung versteigern zu lassen. Was in vielen Jahren zusammengetragen wurde, wird nun am 23. September in alle Himmelsrichtungen verkauft werden. Es werde kein „Total-Ausverkauf, wurde von Regierungsseite erklärt. Eine Sachverständigenkommission werde prüfen, welche Gegenstände unbedingt erhalten werden müßten. Diese sollten vom Land erworben werden. Man denke vor allem an die wertvollen Öfen, die Einrichtung der Kapelle und der Gaststätte.

Doch damit ist Bürgeln wenig geholfen. Wenn Ende September der Auktionator zum letzten Male den Hammer gesenkt hat, wird das Schloß öde und verlassen sein. Schloß Bürgeln ohne seine weltberühmten Sammlungen – das ist in der Tat wie ein Hund ohne Schwanz.