Vom 26 bis zum 28. September hält der Deutsche Brauer-Bund, Spitzenverband der westdeutschen Brauindustrie, in München seinen 4. Brauertag ab. Über die aktuellen Fragen, die dieses Stelldichein der Brauer aus der Bundesrepublik und aus Westberlin bewegen, unterrichtet nachstehender Beitrag. Der Veranstaltung kommt noch eine besondere Bedeutung dadurch zu, daß in München gleichzeitig eine Brauerei- und Getränkemaschinen-Ausstellung sowie die Bundesfachschau für das Hotel- und Gaststättengewerbe stattfinden.

Um 14 v. H. auf über 36 Mill. In haben die Brauereien im Bundesgebiet den Bierausstoß im Sudjahr 1955/56 gegenüber dem Vorjahr erhöhen können. Nichts spricht dagegen, daß sich im Jahr 1956/57 der Strom aus den Fässern und Flaschen nicht abermals um etwa den gleichen Prozentsatz vermehren sollte. Die meisten Brauerei-Gesellschaften haben ihre Dividenden erhöht und ihre Anlagen weiter ausgebaut. Die in den Vorjahren immer wieder laut gewordene Klage vom mörderischen Wettbewerb und von der Jagd um die Spitzen-Hektoliter ist zwar nicht verstummt, doch gegenüber anderen Problemen in den Hintergrund getreten. Im ersten Halbjahr 1957 betrug der Bierausstoß 21 Mill. hl, das sind 17 v. H. mehr als im gleichen Zeitraum 1956. Allein im Juni erreichte der Bierverbrauch infolge der Hitzewelle den Rekordstand von 4,5 Mill. hl; 2,6 Mill. wurden dabei aus Flaschen getrunken. Daß das Braugewerbe dennoch ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt wieder recht hörbar auf die Preispauke haut, hat seine besonderen Gründe...

Vor allem die Rohstoffversorgung ist jedes Jahr eine Unbekannte, von deren Größe die Preiskalkulation mehr oder weniger beeinflußt wird. Unbestritten ist jedoch, daß gerade in den letzten Jahren die Brauereien Gerste und Hopfen zu Preisen einkaufen konnten, die ihre Gesamtkalkulation zumindest nicht negativ beeinflußten. Auf den Vorschlag jedoch, ob der günstige Rohstoffeinkauf keine Bierpreissenkung zulasse, winkte man seinerzeit mit dem Hinweis ab, daß die günstigen Hopfen- und Gerstenpreise, wie sie z. B. 1953 bestanden, eine einmalige Konstellation darstellten, die Bierpreise aber geradezu ein Musterbeispiel langfristiger Festlegungen seien. Nun, in Bonn hat man vor. wenigen Wochen das neue Getreidepreisgesetz gebilligt, in dessen Rahmen auch Braugerste um 10 DM je Tonne teurer wurde. Die Grüne Front konnte zwar ihre Forderungen über eine Malzzollerhöhung nicht im gewünschten Ausmaß durchdrücken, aber immerhin auch hier einen Teilerfolg durch das Festsetzen eines Misch-Festzollsatzes buchen, der eine Erhöhung gegenüber den bisherigen Sätzen von rd. 68 Pf je 100 kg bringt. Schon damals gab der Deutsche Brauerbund zu verstehen, daß solche Forderungen der berühmte Tropfen sein könnten, der das Faß überlaufen läßt. Nun sind auch noch in den Hopfengärten die Preise davongelaufen. Seit jenem Winter 1950, wo für einzelne Partien je Zentner bis 2000 DM gezahlt wurden, kletterte der Hopfen nicht mehr auf derartige Höhen.

Die Spekulation um eine Aufwertung der D-Mark, die die Käufer für ausländische Rechnung mit antrieb, drohte sogar den Bierpreis zu versalzen. Aber nicht nur sie. Meldungen von einer schlechten Hopfenernte in der Tschechoslowakei – ein Hauptlieferant der USA – ließ die Hopfenpreise in wenigen Tagen bis über 1000 DM und mehr treiben. Die nicht allzu günstige Versorgungslage zwang die Brauereien, die diktierten Preise zu akzeptieren. Da schob Bonn dem Ausverkauf der teuren grünen Dolden ins Ausland einen Riegel vor und setzte den Hopfen auf die Vorbehaltsliste. Wenn sich auch das Geschäft in den Hauptanbaugebieten beruhigte: die Preise zeigten fürs erste wenig Lust, von ihrer Höhe herunterzukommen.

Gewiß mag der Anteil des Hopfenpreises am gesamten Bierpreis nicht allzuviel ausmachen, aber die Brauer warten noch mit anderen Kostenrechnungen auf, so mit der Neuregelung der Lohnfortzahlung für kranke Arbeitnehmer, mit gestiegenen Löhnen, teurerer Kohle und mehr. Schließlich droht dem Bierpreis in Bayern, wo er, ebenso wie in Baden-Württemberg, noch gebunden ist, auch vom Gaststättengewerbe Gefahr: Die Forderung nach einer Erhöhung des Schanknutzens wurde zwar vom bayerischen Ministerrat abgelehnt, nun aber hoffen die Wirte und Hoteliers auf einen Spruch des Bundesverfassungsgerichtes, der die bayerische Bierpreisanordnung unwirksam machen und dem Bierpreis auch in Bayern freie Bahn geben soll. Preisproblem Nummer eins allerdings dürfte sein, daß der Widerstand des Verbrauchers gegen Preiserhöhungen bei steigendem Wohlstand merklich nachläßt. Die Parole, daß eine Verteuerung des Bieres den Absatz dieses "Volksgetränks und Nahrungsmittels" einschränken oder die Preisrelation zu anderen Getränken zu ungünstig verändern könnte, hat zumindest vorerst wohl einiges von ihrem Gewicht verloren. Gleichwohl sollten alle Schritte der Brauereien, die auf einen stabilen Bierpreis abzielen, Unterstützung finden. Eine staatliche Reglementierung des Hopfenanbaues ist unter solchen Umständen ebenso überholt, wie endlich für eine regelmäßige Einfuhr von Braugerste gesorgt werden sollte.

Gewiß, die Rohstoffversorgung, sonstige Kostensteigerungen und die Preiskalkulation sind nicht die einzigen Fragen, die die Brauer beim Deutschen Brauertag in München beschäftigen werden, wohl aber die aktuellsten. Die Einweg-Flasche, der Süßbier-Krieg, das Kartellgesetz, die Biersteuer und nicht zuletzt der Gemeinsame Markt stellen noch manche Aufgaben, die es zu meistern gilt. Ihre Lösung wird um so leichter fallen, solange die Rekordlaune der Biertrinker anhält. K.