/ Skizze von Martin Beheim-Sch warzbach.

Zu Hermann dem Cheruskerfürsten, der damals nicht nur die Cherusker regierte, sondern Großkhan vieler deutscher Stämme war und in der Gegend des heutigen Kassel hofhielt, kam ein Gelehrter aus Bayern und suchte um eine Audienz nach. Um was es sich denn handle, wurde er gefragt. Um etwas Bestimmtes, oder nur so? Um etwas Bestimmtes und Wichtiges, gab er zurück: er habe ein Getränk erfunden, einen neuen Met, einen Labetrunk, und den wolle er dem Fürsten vorführen.

Als er vor Hermann stand, forderte dieser ihn leutselig auf, freiweg zu sprechen. Falls es sich um einen schönen Labetrunk handle, sei er immer zu sprechen. Es war damals schon so, daß der aus Honig gebraute Met keinem Menschen mehr schmeckte, vielmehr allen zum Halse heraushing, schon wegen seiner Süße. "Hoffentlich ist es nicht allzu schwierig mit der neuen Sache?"

"Nicht im geringsten", beteuerte der Fremde. "Sondern vielmehr ganz einfach, wie es sich für einen Trunk des Volkes, einen billigen Labetrunk im Wirtshause ziemt, und zwar wie folgt." Und er hub an:

"Der neue Met, wir wollen ihn einmal aufs Geratewohl irgendwie nennen, sagen wir: Bier, besteht in der Hauptsache aus Wasser, Malz, Hopfen und Hefe. Das sind die Grundbestardteile. Es mag nun sein, daß Eure Hoheit nicht bei jedem vorkommenden Stoff und Vorgang genau weiß, was das ist; indessen belieben bitte sich nicht abschrecken zu lassen. Es sind über Natur; Wasser gibt’s überall, doch muß es blitzsauberes sein, ohne Abwässer oder irgendwelchen Schweinkram drin. Hefe besteht aus Pilzen, Schimmel also eigentlich, sorgsam künstlich gezogen, denn Gärung und Gärung sind zweierlei, und die Schimmelpilze bewirken bei Säften die Gärung; genauer, sie bewirken die Zerlegung von Traubenzucker in Alkohol und Kohlensäure, eben das, was uns im Wein und Met so lieblich anspricht oder auch heftig zu Kopf steigt, schon Noah konnte ein Lied davon singen."

"Wer ist Noah?" unterbrach Hermann der Cherusker.

"Einer der ersten Menschen. Nun, soviel über die Hefe, sie kommt erst später; einstweilen ist jedes Ding fachliche Informationen leicht einzuholen, und alles ist in Wirklichkeit ganz einfach.