DIE ZEIT

Der Minister und sein General

Jeder, der den Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß kennt, weiß, daß er sich durchzusetzen versteht. So hätte auch der millitärische Personalchef des Ministeriums wissen müssen, daß der Minister sich nicht leicht von einem Untergebenen zu Entscheidungen drängen läßt, die seinen Vorstellungen widersprechen.

Der Tod ging über die See

Wer nahe der Küste lebt, dem sind diese Jungen vertraut, die Jungen von jenem Schlage, wie sie auf der "Pamir" fuhren. Deren Schicksal rührt jetzt das Herz aller Deutschen an, die davon lesen oder hören.

Dialektik

Die Ursache für den Wahlausgang, so äußerte der SPD-Pressechef Fritz Heine in Bonn, sei ein „Machtmißbrauch gröbster Art“. Die hohe Wahlbeteiligung habe der Wahl einen fast plebiszitären Charakter gegeben, denn viele Wähler hätten aus Gefühlsgründen und nicht nach dem Urteil der Vernunft gestimmt.

Kabinettswünsche

Wir wissen es wohl: Die Mitglieder seines Kabinetts bestimmt der Bundeskanzler. Nach seinem Urnengang versinkt auch der Wähler wieder in die Anonymität des „Volkes“.

Kalter Religionskrieg im schwarzen Afrika

Im vergangenen Jahr erschien in London ein Bericht protestantischer Missionsgesellschaften, der in alarmierendem Ton auf den Vormarsch des Islam in West- und Zentralafrika hinwies und die hintergründige antiwestliche Zielsetzung dieser Glaubensoffensive aufdeckte.

ZEITSPIEGEL

Wenn auf dem Land die Fabrikschornsteine in gleichem Tempo wie bisher aus dem Boden schießen, so wird der Meeresspiegel in den nächsten fünfzehn Jahren um eineinhalb Meter ansteigen.

Der kluge Kater Felix

Im Hochsommer dieses Jahres sah es so aus, als habe Frankreich in Felix Gaillard einen verjüngten Mendès-France bekommen. Man fand bei ihm dieselbe sachliche, nüchterne Intelligenz, die sich nicht durch ideologische Scheuklappen behindern läßt.

Ewige Sphinx FDP

Eine Schlappe erleiden und sich außerdem noch lächerlich machen – das ist zu viel. Aber gerade diesen Zustand der Lächerlichkeit hat die FDP mit ihrem ratlosen Schwanken in der Woche nach der Bundestagswahl erreicht.

„Menschlerisches“

Für eine menschlerische Welt“ – so heißt das Genauso: menschlerisch. Und weiter: „Den Menschen die gemeinsame Verkündung des Glaubens in die Menschheit zu verkünden, das wird die Aufgabe der Weltbegegnung in Brüssel 1958 sein.

Touristen statt Soldaten

Einige Gebäude der Kilian-Kaserne in Budapest, die im vergangenen Oktober in schweren Kämpfen von dem ungarischen General Maleter gegen die russischen Interventionstruppen verteidigt wurde, werden nach einer Meldung von Radio Budapest zu einem Touristenhotel umgebaut.

Wie lange noch?

Die Affäre Strack, wie sie oft fälschlich genannt wird – sie ist in Wirklichkeit eine Affäre seiner Widersacher – wird nun auch im Ausland aufmerksam beobachtet.

Vorwärts-Ruck in Algerien

Die algerischen Angelegenheiten sind um einen mächtigen Ruck vorangekommen. Das ist aber keineswegs ein Verdienst des neuen Algerien-Statuts, das Ministerpräsident Bourgès-Maunoury zusammen mit allen nichtextremistischen Parteien Frankreichs in Form eines „Rahmengesetzes“ (loi-cadre) auszuarbeiten trachtet.

Rom blickt zum Orient

Seit Gaetano Martino Ende Mai im PalazzoChigi von dem christlichen Demokraten Giuseppe Pella abgelöst wurde, ist die italienische Außenpolitik sehr viel unklarer geworden.

Volkskönig Haakon VII.

Ein ernster, gütiger, bescheidener Mensch und ein echter König, Haakon VII. von Norwegen, ist gestorben. Mit 85 Jahren war er der älteste der-heutigen Monarchen, ein „Doyen“ unter den Königen.

Harold Macmillan braucht ein Alibi

Die Umbildung des britischen Kabinetts ist von Ministerpräsident Macmillan schon seit langem angekündigt und doch immer wieder hinausgezögert worden.

Hamburg: Jedem sein Miniatur-Heimkraftwerk

Weder ein Schiff noch ein Flugzeug, weder ein Auto noch eine Lokomotive oder sonstiges Fahrzeug wird in der Zukunft einen jener teurer.

Niedersachsen: Regierungsrat Kloppmann lehnt ab

Es darf nicht sein, daß der Name der Frau genannt wird, die vor einigen Jahren aus der Sowjetzone flüchtete und in einem Städtchen des Regierungsbezirks Lüneburg Unterkunft fand – es darf nicht sein, weil ihre Angehörigen noch „drüben“, im roten Halb-Deutschland, leben und weil sie fürchtet, es könnte ihnen Schaden geschehen.

Baden-Württemberg: Unter falschem Messer

Erteilt ein Patient nur dem Chefarzt als dem anerkannten Spezialisten die Einwilligung zu einer extrem spezialistischen Operation, so handelt der Oberarzt, wenn er den Eingriff allein und in Abwesenheit des Chefarztes ohne zwingende Notwendigkeit vornimmt, widerrechtlich.

Sachsen: Sowjet-Atombomben aus Zonen-Uran

Unzählige Güterzüge mit Uranerz rollen monatlich aus den Satellitenstaaten nach Sowjetrußland. Sie kommen aus der Tschechoslowakei, vor allen Dingen aus den Joachimsthaler Bergwerken; sie kommen aus den heute unter polnischer Verwaltung stehenden Bezirken Landshut, Waldenburg und Hirschberg in Niederschlesien; sie kommen aber auch aus Mitteldeutschland.

Thüringen: Renovierte Wartburg

Mit dem Auto ist es von der Zonengrenze bis zur Wartburg nur eine knappe Viertelstunde. Kaum zehn Kilometer von der unseligen Trennungslinie erhebt sich dieses Wahrzeichen der deutschen Geschichte.

Kressmanns jüngster Streich

Um eine „demokratische Entscheidung“ der Berliner SPD über das vakante Bürgermeisteramt herbeizuführen, hat jetzt Kreuzbergs Bezirksbürgermeister Willy Kressmann seine Kandidatur erklärt, einen Tag, nachdem der Landesausschuß Willy Brandt nominiert hatte.

Krebs wäre harmlos, wenn...

Kampf gegen den Krebs (2): Die Vorzüge eines geregelten Lebens – Drei Hauptbehandlungsmethoden – Hoffnung auf die Chemie

Das Geheimnis des Jean Sibelius

Jean Sibelius, Finnlands großer Komponist, ist in Ainola gestorben. Längst hat die Musikwissenschaft sein Schaffen eingeordnet: Als nach den Höhepunkten der deutschen Klassik und Romantik in den übrigen europäischen Ländern ein eigenständiges, vom Volkstum genährtes Musikschaffen sich entfaltete – Grieg wirkte in diesem Sinne in Norwegen, Smetana in Böhmen, Mussorgskij in Rußland –, blieb Finnland zunächst noch außerhalb dieser Bestrebungen.

Nummer 39 vom 25. September 1947: Namen, die geblieben sind

Gustaf Gründgens, der, wenn nicht alle Zeichen trügen, eben dabei ist, Düsseldorf zur ersten Theaterstadt Deutschlands zu machen, und Günther Rennert, der den gleichen Ehrgeiz auf dem Operngebiet in Hamburg bereits verwirklicht hat, gehören dem Range nach auf dieselbe Stufe.

ZEITMOSAIK

Falsch erscheint jener Ernst, der sich in der Häufigkeit der Wörter „Problem“, „Problematik“, „problematisch“ und in der Art ihres Gebrauchs kundtut, nicht zuletzt seiner Eitelkeit wegen.

Menschliches Elend als Stilmittel

Buffet vor den Toren" und "Wende in der modernen Kunst?" lauteten die Schlagzeilen, die Anfang des Jahres die erste deutsche Buffet-Ausstellung ankündigten.

Max findet Erotik uninteressant

Ein „Gesetz zur Änderung des Gesetzes zum Schutze der Jugend in der Öffentlichkeit“ tritt am 1. Oktober in Kraft. Wesentliche Änderungen sind: 1.

Die Goethestotterin

An der Sprachverschluderung ist bald Willkür, bald Fahrlässigkeit beteiligt. Wie will man folgenden Fall deuten? In einer Zeitschrift findet sich unter dem Bilde einer bezaubernd lächelnden Dame als Erklärung ein einziges Wort: „Goethestotterin“.

Ein ganz einfacher Labetrunk

Zu Hermann dem Cheruskerfürsten, der damals nicht nur die Cherusker regierte, sondern Großkhan vieler deutscher Stämme war und in der Gegend des heutigen Kassel hofhielt, kam ein Gelehrter aus Bayern und suchte um eine Audienz nach.

Unbekannte Lyrik

William Faulkner, der am 25. September 60 Jahre alt wurde, ist bei uns fast nur als Erzähler bekannt, als ein Romancier von lebendigster Menschenschilderung und grandioser sozialkritischer Schonungslosigkeit.

Wer ich meint, soll auch ich sagen

Ich glaube, mit der "guten Kinderstube" fängt es schon an. Da sagte Großmutter wohl: "Der Esel nennt sich selbst zuerst." Und aus Gründen, die mir heute nur noch halb begreiflich sind, empfand ich damals einen Vergleich mit diesem ach so gutmütigen und liebenswerten Tier als kränkend.

Kleines Format – gute Prosa

Die Titelgeschichte ist ein Romanfragment, begonnen im Gestapogefängnis Lehrter Straße in Berlin, und wird, sagt der Autor, nicht mehr zu Ende geschrieben.

Ungerechter kämpft für Gerechtigkeit

Bewundert viel und viel gescholten, gleich Helena im „Faust“, den Zeitgenossen ein Dorn im Auge und der Nachwelt eine Unterlassungssünde, von seinen Feinden heimlich bestaunt und von seinen Verehrern angekläfft – so steht das Werk von Karl Kraus, in vier Jahrzehnten geschaffen, im gelichteten Raum des deutschen Schrifttums als erratischer Block, vereinzelt, unverpflichtet seinen Vorgängern, zur Gegenwart von morgen redend, paradox schon in der Gestalt: der Tagesschriftsteller für die Ewigkeit; der Lyriker mit dem pamphletistischen Einschlag; der oftmals ungerechte Kämpfer für die Gerechtigkeit, der so gut Deutsch schrieb, daß man ihn nicht versteht; ein Orakel, das im Dialekt spricht; eine Lokalgröße, der Weltliteratur angehörig; tot seit zwanzig Jahren und lebendiger denn je.

Die elfte Runde

Der deutsche Steinkohlenbergbau hat bei der Hohen Behörde in Luxemburg neue Preislisten eingereicht und damit zugleich die elfte Preiserhöhung nach Kriegsende durchgeführt.

In anderen Größen denken!

Die stete Zunahme der Weltbevölkerung, die Aufwärtsentwicklung des Lebensstandards, das Anwachsen der Verbrauchsmengen und der Produktionsvolumen, die ungewöhnliche Beschleunigung des Verkehrs und die Überwindung der Entfernungen ändert die Maßstäbe, in denen Politiker und Wirtschaftler denken müßten.

Auf einen Blick ...

Wenn sich auch der Ost-West-Handel in den letzten fünf Jahren verdoppelt hat, so liegt er doch noch immer weit unter dem Vorkriegsstand.

Zurück nach Berlin!

Der Endspurt der Internationalen Bauausstellung und der Interbau-Industrie-Ausstellung, die am kommenden Sonntag geschlossen werden, hat zusammen mit der bisher von keiner deutschen Stadt erreichten Zahl von vierzig bedeutungsvollen Tagungen und Kongressen innerhalb eines Monats, mit der Eröffnung der Benjamin Franklin geweihten Kongreßhalle und mit dem Beginn der Berliner Festwochen gezeigt: Berlin erfüllt wieder alle Voraussetzungen, die billigerweise an eine Messe- und Kongreßstadt internationalen Formats gestellt werden können! Der einzige im Augenblick noch bestehende Mangel, und zwar der an ausreichendem erstklassigem Hotelraum, wird schon im nächsten Jahr durch eine Reihe kleiner und mittlerer Häuser und vor allem des Hilton-Hotels behoben sein.

London hat sich entschieden

Im Londoner „Punch“ war kürzlich auf einer Karikatur zu sehen, wie ein gewaltiger Greifbagger, der die Firmenbezeichnung „Deutsche Werke“ trägt, sich tief in die Basis einer steilen Böschung hineingefressen hat, auf deren bereits etwas überhängender Oberkante – recht bedenklich dreinblickend – der britische worker steht: bezeichnenderweise mit leeren Händen, ohne Werkzeug, ohne jedes technische Hilfsmittel.

Flexible Kurse – kein Allheilmittel

In den beiden Artikeln, die Professor Albert Hahn in der ZEIT (Nr. 37 und 38) veröffentlicht hat und in seiner Broschüre „Autonome Konjunkturpolitik und Wechselkursstabilität“ finden sich neben manchen zutreffenden Urteilen auch Ansichten, die meines Erachtens entweder theoretisch nicht haltbar sind oder es an Sinn für die Wirklichkeit fehlen lassen.

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